Trump-Besuch begleitet von Protesten | Europa | DW | 12.07.2018
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US-Präsident in Grossbritannien

Trump-Besuch begleitet von Protesten

Die Trump-Visite in Großbritannien ist nur ein Arbeitsbesuch, aber an allen Stationen wurden Proteste angemeldet. Ein massives Polizeiaufgebot sorgt für die Sicherheit. Ein Höhepunkt: Das Treffen zum Tee mit der Queen.

Nur knapp zwei Tage dauert der offizielle Teil von Donald Trumps Besuch in Großbritannien, und er hat nur die erste Nacht in London verbracht, in der hoch gesicherten Residenz des US-Botschafters im Regents Park, wo extra Zäune um das ganze Gelände gezogen wurde. Für den Rest der Zeit lassen die Gastgeber ihn von einem Landsitz zum anderen fliegen, um ihn von den vor allem in der Hauptstadt erwarteten größeren Demonstrationen fern zu halten. Trotzdem kostet der gesamte Einsatz von rund 10.000 Polizisten rund 12 Millionen Britische Pfund, was die Trump-Gegner für eine gewaltige Verschwendung halten angesichts der ständig knappen öffentlichen Kassen.

Empörung über Trumps Politik

Lehrerin Holly lebt in London, stammt aber aus Chicago. Sie ist mit einer Gruppe von Freundinnen an den Zaun im Regents Park gekommen, um mit Töpfen, Klappern und Pfeifen bewaffnet ihrem Zorn über Präsident Trump Luft zu machen."Ich bin aus einer Familie von Demokraten, wir mussten einfach herkommen", sagt sie. Auch Claire Laker-Mansfied hatte am Nachmittag schon einmal die Zäune besichtigt und will später wiederkommen, mit Freunden und ihrem Arsenal von Vuvuzelas und  Megaphonen. "Er ist ein sexistischer Milliardär, der Kinder in Käfige sperrt, er steht für alles wogegen wir kämpfen", meint Claire. Es sage auch eine Menge über Theresa May, dass sie ihn eingeladen habe und auf eine Wiederbelebung des speziellen Verhältnisses mit den USA hoffe. Mit einem Präsidenten Trump sei das einfach nur falsch, meint die Studentin. 

Anti-Trump Protest in London (Foto: picture-alliance/Zumapress/R. Pinney)

Vielerorts gibt es Proteste gegen den Trump-Besuch

Über allem schwebt der Blimp

Die Idee mit dem Blimp, einem Ballon in Gestalt eines Trump-Babies, kam einer Gruppe von Freunden vor ein paar Monaten im Pub, erzählt Kevin Smith. Damals war klar, dass Theresa May ihre Einladung zu einem Besuch im Sommer offiziell gemacht hatte und dass er sie annehmen würde. Denn Trump gilt als besonderer Fan der Royals, und seine Mutter stammt aus Schottland, was ihn zu sentimentalen Bekundungen der Zuneigung veranlasst: Er habe dort eine Menge Grundbesitz - ein "magischer Ort", hatte er am Morgen auf seiner Pressekonferenz bei der Nato erklärt. Er fügte auch hinzu, dass er meine, die Briten würden ihn mögen.

Darüber muss Blimp-Erfinder Kevin nur lachen. Den Ballon zu entwerfen und zu produzieren, hat eine ganze Menge Vorbereitung gebraucht und am Ende habe er  3.500 Pfund gekostet, erzählt er. Das Crowd Funding dafür habe aber ganz schnell 20.000 Pfund eingebracht, man könne also noch mehr Blimps produzieren. "Wir wollten kreativ sein und gleichzeitig ein Zeichen setzen für die Menschen, um über die verstörende Psychologie des Mannes nachzudenken, der der Führer des mächtigsten Landes der Welt ist", erklärt Kevin. Deshalb das Trump-Riesenbaby, in Windeln und mit zornigem Gesicht, das am Freitagvormittag für ein paar Stunden über Westminster schweben wird.

Dass die Genehmigung dafür erteilt wurde, kann man angesichts der allgemeinen Sperren des Luftraums wohl als Rache des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan auslegen. "Wollen wir wirklich das Recht zu protestieren, die freie Meinungsäußerung deswegen einschränken, weil Donald Trump in die Stadt kommt?", verteidigte Khan seine Entscheidung.

Twitter-Battle Trump vs. Khan

Hintergrund ist ein giftiger Twitter-Streit im vergangenen Jahr, den Trump losgetreten hatte. Nach dem Terroranschlag am Borough Market in London hatte der Präsident den Bürgermeister falsch zitiert und angegriffen. Der Krach ging weiter, als Trump dann rassistische Video-Botschaften der rechtsextremen Gruppe "Britain First" weiterverbreitete, sodass sogar die Premierministerin sich gezwungen sah, Stellung zu beziehen. Und Khan erklärte schließlich: "Der Präsident ist in dieser Stadt nicht willkommen." Das haben viele Londoner sich gemerkt.

Der Blimp solle ein "Symbol sein gegen Frauenfeindlichkeit, Islamophobie und die Verfolgung von Migranten", sagt Organisator Kevin noch. Und er solle die Leute aufrütteln, damit sie sich organisieren. Wenn dem Baby-Trump in London die Luft abgelassen wird, soll er gleich weiter reisen nach Schottland, wo er neben dem Golf-Club von Trump fliegen soll, in dem der Präsident das Wochenende verbringt wird.

Anti-Trump Protest in London (Foto: Getty Images/J. Taylor)

Zehntausende Demonstranten wenden sich gegen den Trump-Besuch

Es soll ein Karneval werden

Auch große Proteste im Zentrum von London, wo die Organisatoren bis zu 100.000 Teilnehmer erwarten, sollen mit Spaß und Humor ihre Haltung zu Trump zeigen, meint Jonathan Bartley von den britischen Grünen. Hinter der Demonstration steht ein Bündnis zahlreicher Organisationen, von Frauengruppen über Klimaschützer bis zu Kämpfern gegen Rassismus. "Wir glauben, Trump ist der gefährlichste Mann der Welt", sagt Jonathan, und rund 60 Prozent der Briten bestätigen nach Umfragen diese Meinung. "Es ist falsch, dass er in dieser Zeit hierher kommt, er gefährdet die Zukunft des Planeten."

Abgeschirmtes Besuchsprogramm

Viel wird der Präsident von den Protesten wohl nicht wahrnehmen, es sei denn, er schaltet einen örtlichen Fernsehsender ein. Zwischen der Residenz des US-Botschafters wird er nur per Helikopter zu den verschiedenen Orten seines Besuchsprogramms geflogen. Am Freitagmorgen wird er an einer militärischen Vorführung in Sandhurst teilnehmen, denn die Gastgeber versuchen alles, um Trumps Vorlieben zu befriedigen. Dann gibt es ein Treffen mit Theresa May in ihrem Landsitz Chequers, wo es um den Brexit und die Aussichten für ein Freihandelsabkommen mit den USA gehen wird.

Trump hatte allerdings schon vor seiner Ankunft gesagt, das mit dem Brexit würde sich wohl nicht ganz so entwickeln, wie die Wähler wollten. Außerdem erklärte er den gerade deshalb zurückgetretenen Ex-Außenminister Boris Johnson zu seinem besonderen Freund. Und man weiß, dass er mit Theresa May nicht besonders gut auskommt, weil sie wie eine "Lehrerin" auftrete.

Am Nachmittag dann aber steht der Termin auf dem Programm, dessentwegen Trump wohl überhaupt die Einladung der britischen Regierung angenommen hat: Er darf die Queen zum Tee auf Schloss Windsor besuchen. Das ist, was eine Begegnung mit den Royals angeht, so ziemlich das diplomatische Minimum. Und was die Queen selbst dabei denkt, die die Präsidenten im Laufe der Jahrzehnte hat kommen und gehen sehen, das behält sie wie immer für sich. Jedenfalls gilt sie als Meisterin des unverbindlichen Smalltalks.

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