Trotz Corona-Krise: Die Suche nach dem Carlsen-Herausforderer geht weiter | Sport | DW | 25.03.2020
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Schach-WM

Trotz Corona-Krise: Die Suche nach dem Carlsen-Herausforderer geht weiter

Das Schach-Kandidatenturnier ist eine der wenigen Sportveranstaltungen, die trotz der Corona-Pandemie noch stattfinden. Acht Weltklasse-Spieler kämpfen im russischen Jekaterinenburg gegeneinander - und gegen das Virus.

Russland Yektaerinburg | FIDE Schachturnier 2020 (Reuters/FIDE/M. Emelianova)

Statt Handschlag: Die beiden russischen WM-Kandidaten Ian Nepomniachtchi und Kirill Aleksenko begrüßen sich vor ihrer Partie

"Das Turnier sollte gestoppt werden". Für Alexander Grischuk steht fest, dass ein Schachturnier im Schatten des Corona-Virus keine gute Idee ist: "Die gesamte Atmosphäre ist feindlich", beklagte sich der russische Großmeister nach der fünften Runde. Zwar sind Zuschauer im Turniersaal nicht zugelassen und zweimal am Tag werden die Spieler sowie die Schiedsrichter und andere Beteiligte zu einer ärztlichen Untersuchung gebeten. Doch die Angst vor einer Infektion spielt in Jekaterinenburg Runde für Runde mit.

Ehrgeizige Funktionäre

Zur Halbzeit des Turniers in Jekaterinenburg sieht es dennoch so aus, als ob der Weltschachbund FIDE weiter alles daran setzt, den Wettkampf durchzuziehen und einen Herausforderer für Schachweltmeister Magnus Carlsen zu ermitteln. Fest steht: Sollte einer der Spieler in den nächsten Tagen erkranken, dann würde dies das Ende des Kandidatenturnier bedeuten. Für den Weltschachbund mit ihrem ehrgeizigen russischen Chef Arkadi Dworkowitsch steht viel auf dem Spiel - denn die Organisatoren wollen offenbar auch demonstrieren, dass Russland die Corona-Krise im Griff hat.

Angesichts der besonderen Umstände in Jekaterinenburg ist es nicht verwunderlich, dass es einigen Spielern schwer fällt, sich nur auf die 64 Felder und 32 Figuren zu konzentrieren.

Russland Yektaerinburg | FIDE Schachturnier 2020 - Ian Nepomniachtchi (picture-alliance/dpa/TASS/A. Kolchin)

Gut in Form: Ian Nepomniachtchi (Russland)

Am besten ist das bisher zwei Großmeistern gelungen, die vor dem Turnier nicht als Top-Favoriten galten: Nach sieben von 14 Runden liegen der Russe Ian Nepomnjaschtschi und der Franzose Maxime Vachier-Lagrave mit einem Punkt vor dem Rest des Feldes. Den Glanzpunkt in der siebten Runde setzte Vachier-Lagrave (Spitzname: "MVL"), der im direkten Duell den Russen mit dem komplizierten Namen eindrucksvoll überspielte. Die beiden haben jetzt die beste Ausgangsbasis für die Rückrunde, die bis zum 4. April 2020 gespielt wird.

Schwächelnde Favoriten

Für Fabiano Caruana, den letzten Carlsen-Herausforderer und Weltranglisten-Zweiten, läuft es dagegen in Jekaterinenburg noch nicht rund. Nach einem guten Start kassierte der US-Amerikaner in der dritten Runde in einer spannenden Partie eine Niederlage gegen seinen chinesischen Mitfavoriten Ding Liren.

Schach: Fabiano Caruana aus den USA (Imago/J. Nesvold )

Kämpft um den Anschluss: Top-Favorit Fabiano Caruana (USA)

Caruana liegt jetzt einen Punkt hinter dem Spitzenduo und hat damit durchaus noch Chancen auf den Sieg. Der hoch gehandelte Ding Liren dagegen findet sich nach sieben Runden sogar abgeschlagen auf dem letzten Platz in dem Achterfeld wieder.

Wann der Sieger des Geisterturniers von Jekaterinenburg gegen den amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen (Norwegen) um den Titel spielen kann, ist aktuell noch nicht bekannt. Die für den Sommer geplante Schach-Olympiade, die Mannschafts-WM im Schachsport, haben die Funktionäre jetzt abgesagt. Für den Titelkampf mit Carlsen laufen die Vorbereitungen jedoch weiter: Im Augenblick strebt der Weltschachbund FIDE ein Match über Weihnachten in Dubai an. Doch bis dahin muss auch die Schachwelt erst einmal das Duell gegen das Virus gewinnen.

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