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"Zika-Virus nicht mit HIV vergleichbar"

Carla Bleiker26. Januar 2016

Das Zika-Virus, das sich in Nord- und Südamerika ausbreitet, kann auch beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Aber Sorgen bereite den Experten etwas ganz anderes, sagt Jonas Schmidt-Chanasit im DW-Interview.

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Blut wird mit einer Pipette auf eine Testpalette gegeben. (Foto: Reuters/R. Paiva)
Bild: Reuters/R. Paiva

Deutsche Welle: Das Zika-Virus breitet sich in Nord- und Südamerika aus. Können sich Menschen auch gegenseitig anstecken?

Jonas Schmidt-Chanasit: Das Virus verbreitet sich hauptsächlich über Mücken. Es gibt auch die Möglichkeit, dass es sexuell übertragen wird, aber das ist eher untergeordnet. Die Gefahr ist eher Folgende: Die Mehrzahl der mit Zika Infizierten erkrankt nicht und weiß daher gar nicht, dass sie infiziert ist. Das macht eine sexuelle Übertragung ein bisschen einfacher.

Und im täglichen Umgang miteinander?

Übertragungen, wie man es von Ebola kennt, über Tröpfchen, anfassen, küssen, gibt es nicht. Man sollte Zika also in keinster Weise mit HIV oder Ebola vergleichen. Sonst kommen die Leute sofort auf ganz andere Gedanken und es gibt ganz wilde Thesen - irgendjemand sagt, es sei das neue HIV. Das Virus ist aber ganz klar ein "Mückenvirus". Es ist an die Mücke angepasst und hat normalerweise mit dem Menschen nichts zu tun - da, wo es herkommt, nämlich aus dem Urwald. Es ist kein Virus wie HIV, das sich relativ gut an den Menschen angepasst hat und dann auch von Mensch zu Mensch übertragen wird.

Wird das Virus über Blut übertragen?

Eine Übertragung über Bluttransfusionen ist möglich - so wie bei Denguefieber, das mit dem Zika-Virus verwandt ist. Natürlich müssen Blutprodukte in den hochgefährdeten Regionen jetzt getestet werden, um das zu vermeiden. Das Zika-Virus kann auch über die Milch von infizierten Müttern übertragen werden, wenn sie ihre Säuglinge stillen. Aber das ist eben nicht der Hauptweg, der Millionen von Leute betrifft.

Jonas Schmidt-Chanasit (Foto: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin)
Tropenmediziner Jonas Schmidt-ChanasitBild: BNI

Spielt der Mensch-zu-Mensch-Übertragungsweg eine Rolle bei der Ausbreitung des Virus?

Je mehr Fälle es gibt, desto interessanter werden diese anderen Übertragungswege, die normalerweise eine untergeordnete Rolle spielen. Wenn es Millionen Fälle gibt, dann ist das nicht zu vernachlässigen. Es ist Gegenstand der aktuellen Forschung. Wir müssen es weiter untersuchen: Wie oft passiert das, wie lange lässt sich das Virus im Sperma nachweisen und so weiter.

Sind diese Übertragungswege von Mensch zu Mensch Grund zur Sorge für Sie?

Die mögliche sexuelle Übertragung ist ein Aspekt, aber sicherlich nicht der, der mir und anderen Kollegen am meisten Kopfzerbrechen bereitet. Das tun eher Fragen darüber, wie wir die Schwangeren schützen, wie wir das Virus zurückdrängen und wie wir die intensive Stechmückenbekämpfung durchführen sollen.

Für wie gefährlich halten Sie das Virus?

Die Situation insgesamt ist schon unerwartet. Das Zika-Virus ist eines, das, bildlich gesprochen, aus dem Urwald gekommen ist und uns Angst und Schrecken einjagt. Gerade die Missbildungen bei Säuglingen sind dramatisch. Viele überleben das nicht. Das bereitet mir Sorgen - auch die neurologischen Schäden bei Erwachsenen, die mit der Infektion assoziiert sind.

Jonas Schmidt-Chanasit ist Arzt und Virologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Das Interview führte Carla Bleiker.