Trends und Traditionen auf deutschen Friedhöfen | Meet the Germans | DW | 31.10.2018
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Meet the Germans

Trends und Traditionen auf deutschen Friedhöfen

Bestattungskultur ist ein Spiegel der Gesellschaft. Und so könnte es auch auf Deutschlands Friedhöfen bald bunter werden, glaubt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des "Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur".

Bestattungsform und Grabpflege, Trauerfeier und -rede, Traueranzeigen: Hinterbliebene haben im Trauerfall viel zu bedenken, entscheiden und erledigen. Jedes Jahr sterben mehr als 900.000 Menschen in Deutschland, doch die Friedhöfe werden immer leerer. Warum das so ist, erklärt Oliver Wirthmann,Geschäftsführer des "Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e.V." in Düsseldorf.

DW: Herr Wirthmann, die Gesellschaft in Deutschland wandelt sich, und mit ihr nicht zuletzt auch die Bestattungskultur. Welches sind die auffälligsten Veränderungen?

Oliver Wirthmann: Es gibt den Megatrend zur Feuerbestattung. Grundsätzlich gibt es in Deutschland nur zwei Bestattungsarten: die Erd- und die Feuerbestattung. Da kommt keiner drumherum. Die Feuerbestattung ist in den letzten Jahren zur hauptsächlichen Bestattungsform geworden, etwa 62 Prozent aller Verstorbenen werden in Deutschland kremiert - mit steigender Tendenz. Vor 10 Jahren waren es etwa 51 Prozent.

Eine weitere Veränderung ist der Trend hin zu individuelleren Bestattungen: Die Menschen fragen nicht mehr so oft "Was macht man?" oder "Was hat man früher in dieser Region gemacht?". Sie nehmen individueller Abschied und fragen "Was passt für meinen Verstorbenen?".

Gibt es rund um die Themen Beerdigung und Trauerfeier Traditionen, die typisch deutsch sind?

Typisch deutsch ist es, dass man mit Experimenten, die in anderen Kulturen möglich sind, eher zurückhaltend ist. Extravagante Bestattungen wie etwa das Ausstreuen der Asche von einem Ballon aus oder eine Konservierung für eine Reanimation in späteren Jahren. Da sind die Deutschen sehr zurückhaltend. Deutsche lieben eher die Tradition - denn in Traditionen finden sie Halt und Orientierung.

Deutschland, Xanten: Gießkannensammelstelle auf dem Friedhof (picture-alliance/dpa/R. Weihrauch)

Gießkannensammelstelle - gut gesichert - auf dem Friedhof in Xanten

Welche Traditionen halten sich denn besonders?

Da ist insbesondere der Friedhof als Ort der öffentlichen und privaten Trauerbekundung. Man kann dort individuell gedenken, wieder gehen und es können andere kommen. Die öffentliche Dimension von Trauer ist wichtig. Der Friedhof ist ein sehr wichtiger, schützenswerter Ort, genauso wie die Trauerfeier.

Warum dürfen Urnen in Deutschland nicht zuhause aufbewahrt werden?

Das hat trauerpsychologische und kulturelle Gründe. Trauer ist ein öffentliches Geschehen und es ist ein Irrtum zu sagen 'Das ist meine Sache'. Es gibt auch andere Menschen, die ein Recht haben zu trauern.

Zeichnet sich für die Zukunft ein neuer Trend ab?

Wir gehen davon aus, dass das Bild heterogener, bunter und vielfältiger wird, unter anderem auch durch die Migration. Es gibt Impulse anderer Kulturen, die unsere Kultur beeinflussen. Und die Kulturen der Migranten lassen sich ebenso auch durch unsere Kultur beeinflussen. Das sind keine einseitigen Bewegungen.

Noch mehr Inhalte über Deutsche und ihre Traditionen und Eigenheiten finden Sie auf unserer Seite dw.com/MeettheGermans_de.

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