Totschlag an Palästinenser: Israelischer Soldat vorzeitig aus Haft entlassen | Aktuell Nahost | DW | 08.05.2018
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Nahost-Koflikt

Totschlag an Palästinenser: Israelischer Soldat vorzeitig aus Haft entlassen

Der Fall erregte großes Aufsehen: Ein Soldat erschießt gezielt einen schwer verletzten Palästinenser und wird verurteilt. Nun wurde er vorzeitig entlassen. Rechte Politiker feierten, die Palästinenser sind empört.

Israel Soldat Elor Asaria (Foto: picture-allianceAP/J. Hollander)

Elor Asaria wird nach seiner Entlassung von seiner Mutter umarmt

Ein wegen Totschlags an einem Palästinenser verurteilter israelischer Soldat ist vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Elor Asaria sei freigekommen, um an der Hochzeit seines Bruders teilnehmen zu können, berichteten israelische Medien. Asaria konnte das Militärgefängnis Zrifim bei Tel Aviv am Mittag verlassen, wie ein Armeesprecher mitteilte. Ursprünglich sollte seine neunmonatige Haft erst am Donnerstag enden. Zunächst war Asaria zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden, die Haft wurde dann aber mehrmals verkürzt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte sich mehrfach für eine Begnadigung des Ex-Soldaten ausgesprochen. Präsident Reuven Rivlin hatte ein Begnadigung jedoch abgelehnt. Asaria hatte nie Reue für seine Tat geäußert.

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Palästinensischer Vater enttäuscht über Urteil

Rechte Politiker feiern Freilassung

Rechte israelische Politiker begrüßten die vorzeitige Freilassung. Der israelische Erziehungsminister und Vorsitzende der ultra-rechten Siedlerpartei Naftali Bennett schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: "Elor, wie gut, dass Du nach Hause gekommen bist!" Netanjahu sagte vor seiner Abreise nach Zypern, er sei froh, dass die Angelegenheit beendet sei.

Angehörige und Unterstützer begrüßten Asaria vor seiner Wohnung in Ramla in der Nähe von Tel Aviv. Anhänger trugen den ehemaligen Soldaten auf den Schultern. "Wir haben eine sehr schwierige Zeit durchgemacht, eine sehr schwierige", sagte Asarias Vater. "Heute feiern wir." Es werde der Moment kommen, "um das zu sagen, was wir zu sagen haben", kündigte er an.

Während Angehörige und Unterstützter Asarias die Freilassung ihres "Helden" feierten, herrschte auf palästinensischer Seite Empörung. Die palästinensische Regierung verurteilte die Freilassung Asarias. Das palästinensische Außenministerium bezeichnete die Entscheidung als "rassistisch". Dieser Schritt "ermutige kaltblütigen Mord an Palästinensern", hieß es in einer Stellungnahme.

Video in Online-Netzwerken geteilt

Der Fall hatte weltweit Aufsehen erregt und in Israel eine heftige Kontroverse ausgelöst. Ein Mitarbeiter der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem filmte, wie Asaria im März 2016 im besetzten Westjordanland den bereits wehrlos am Boden liegenden Palästinenser Abdul Fatah al-Scharif tötet. Dieser hatte zuvor mit einem Komplizen einen israelischen Soldaten mit einem Messer angegriffen und leicht verletzt. Nachdem andere Soldaten auf ihn geschossen hatten, lag Scharif blutend auf der Straße, ehe der Militärsanitäter Asaria nach elf Minuten an ihn herantrat und ihn mit einem Kopfschuss tötete. Das Video wurde in den Online-Netzwerken weit verbreitet. Asaria hatte vor dem Militärgericht argumentiert, er habe befürchtet, Scharif hätte einen Sprengstoffgürtel zünden können. Die Richter stuften dies allerdings als nicht glaubhaft ein.

Die Militärführung hatte Asaria für die Tötung des wehrlos am Boden liegenden Palästinensers scharf kritisiert. Sie sah in Asarias Verhalten einen Verstoß gegen den militärischen Ehrenkodex der Armee. Menschenrechtsorganisationen sprachen von einer regelrechten "Hinrichtung". In rechten Kreisen wurde der Soldat hingegen wie ein Held gefeiert.

sam/ww (afp, dpa)

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