Tote bei Selbstmordanschlag in Nigeria | Aktuell Afrika | DW | 17.01.2018
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Westafrika

Tote bei Selbstmordanschlag in Nigeria

Das Attentat wurde mitten auf einem belebten Markt im Nordosten des Landes verübt. In der Region treibt die islamistische Terrormiliz Boko Haram ihr Unwesen. Noch aber sind die Hintergründe unklar.

Bei dem Selbstmordanschlag in der Stadt Maiduguri seien mindestens zehn Menschen getötet  und weitere 65 Menschen verletzt worden, einige von ihnen schwer, teilte die örtliche Polizei mit. Über den Hergang herrscht noch Unklarheit. Nach unterschiedlichen Angaben hatten entweder zwei Selbstmordattentäter oder vier Frauen ihre Sprengstoffwesten gezündet.

Die Region wird immer wieder von der islamistischen Terrormiliz Boko Haram heimgesucht. Ob die Gruppe auch für diesen Anschlag verantwortlich zeichnet, ist aber noch nicht bekannt. Bei Angriffen und Anschlägen der sunnitischen Fundamentalisten sind im Nordosten Nigerias und in den angrenzenden Gebieten seit 2009 mindestens 20.000 Menschen getötet worden.

Nigeria - Selbstmordanschlag in Maiduguri (Reuters/Stringer)

Ein verletztes Mädchen wird nach dem Attentat in der Stadt Maiduguri versorgt

Vier Nordamerikaner verschleppt

Im zentralnigerianischen Bundesstaat Kaduna wurden zwei US-Amerikaner und zwei Kanadier entführt. Die Männer befanden sich in Begleitung von zwei nigerianischen Polizisten auf dem Weg in die Hauptstadt Abuja, als sie aus einem Hinterhalt angegriffen wurden, wie die Behörden des Bundesstaats mitteilten. Die Polizisten seien von den Angreifern getötet worden.

Entführungen sind bislang vor allem im Süden Nigerias ein Problem. Mit den erpressten Lösegeldern finanzieren sich örtliche Rebellengruppen. In den vergangenen Jahren wurden aber auch in anderen Regionen des Landes Menschen entführt. So warnen etwa die US-Behörden ihre Bürger vor Reisen nach Nigeria, da es im gesamten Land immer wieder zu Entführungen, Raubüberfällen und Vergewaltigungen komme.

Drohung mit Anschlägen im Süden

Auch andere Gruppierungen verüben Anschläge in dem westafrikanischen Land. So drohten die "Niger Delta Avengers" auf ihrer Website mit Anschlägen auf Öl-Förderanlagen. Ziel der "tödlichsten Angriffe bislang" würden die "Tiefsee-Operationen der multinationalen Konzerne" sein, heiß es dort. Auch das nigerianische Unternehmen Brittania-U werde ins Visier genommen. Die Verhandlungen mit der Regierung über eine Umverteilung der Öl-Einnahmen hätten keine Fortschritte gebracht, schrieb die Gruppe zur Begründung.

Sie hatte 2016 zahlreiche Anschläge auf Öl-Anlagen in Delta des Nigerflusses im Süden des Landes verübt, zum Teil mit Tauchern. Daraufhin hatte sich die Förderung in Nigeria, dem größten afrikanischen Öl-Produzenten, zeitweilig mehr als halbiert. Die "Niger Delta Avengers" fordern, dass die Region stärker an der Kontrolle über die dort liegenden Ressourcen beteiligt wird.

Nigeria, Nigerdelta, Gasfackel (im Hintergrund) in der Nähe von Yenagoa (DW/Jan-Philipp Scholz)

Gasfackel im Nigerdelta - die Region gilt als eine der ölreichsten ganz Afrikas

Die Aufständischen hatten im August 2016 einer Waffenruhe zugestimmt, sie im November aber aufgekündigt. Während dieser Zeit half die Erholung des Öl-Sektors Nigeria aus der Rezession. Die Branche erbringt zwei Drittel der Staatseinnahmen.

cw/qu (dpa, rtr, afpe)

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