Tote bei Protesten gegen al-Baschir | Aktuell Welt | DW | 10.01.2019
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Sudan

Tote bei Protesten gegen al-Baschir

Bei den anhaltenden Protesten im Sudan sind nach Angaben der Polizei drei Menschen getötet worden. Präsident Omar al-Baschir ließ sich derweil von seinen Anhängern feiern. Er will an seinem Amt festhalten.

Sudan Rede von Präsident Omar al-Bashir (Getty Images/AFP/A. Shazly)

Omar al-Baschir wandte sich in Khartum an seine Anhänger

In Omdurman, das direkt neben der Hauptstadt Khartum liegt, kam es am Mittwoch zu erneuten Demonstrationen. Ein Polizeisprecher nannte den Protest eine "illegale Zusammenkunft". Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein. Ärzte eines lokalen Krankenhauses berichteten, auch die Klinik sei Opfer von Tränengas geworden, zudem habe es dort eine Schießerei gegeben. Später wurden den Behörden drei Tote gemeldet. Eine genaue Todesursache nannte der Polizeisprecher nicht. "Wir ermitteln", kündigte er an. Schon am Vortag hatte es bei den Protesten nach den Berichten von Ärzten zufolge einen Toten und sechs Verletzten gegeben.

Bilder und Videos der Proteste in sozialen Medien - wie hier die eines niederländischen Aktivisten - zeigen Hunderte Demonstranten, die "Freiheit" rufen. 

Al-Baschir macht ausländische Mächte verantwortlich

Präsident Omar al-Baschir ließ sich am Mittwoch von seinen Anhängern in Khartum feiern. Er versprach, trotz der Proteste im Amt zu bleiben. "Für diejenigen, die nach Macht streben, gibt es nur einen Weg: die Wahlurne! In freien und fairen Wahlen." Al-Baschir regiert den Sudan seit 1989 autokratisch. Seitdem wurde er immer wiedergewählt - in Wahlen, die seine Gegner für weder frei noch gerecht halten. Die Regierung versucht derzeit mit einer Verfassungsänderung, al-Baschirs Macht über seine aktuelle Amtszeit hinaus zu manifestieren.

Die Demonstranten bezeichnet die Regierung als "Diebe" und "Verschwörungstheoretiker". Al-Baschir machte nun zudem ausländische Mächte dafür verantwortlich. "Es gab Meuterei und Krieg. Sie haben uns wirtschaftlich belagert, um den Sudan in die Knie zu zwingen und sie versuchen uns zu erniedrigen mit ein wenig Weizen, Benzin und Dollars", sagte Bashir während der von seiner Regierungspartei organisierten Kundgebung. "Aber unser Stolz ist mehr wert als der Dollar."

Menschenrechtsorganisationen: 40 Tote seit Dezember

Im Sudan gehen seit dem 19. Dezember immer wieder Menschen gegen die Regierung von Präsident Baschir auf die Straße. Auslöser für die Proteste war der Plan der Regierung, die Preise für Benzin und Brot dramatisch zu erhöhen, um damit dem schwachen Wechselkurs und den hohen Inflationsraten zu begegnen.

Sudan Khartum Bäckerei Brot (Getty Images/AFP/A. Shazly)

Bäckerei in Khartum

Brot ist das Hauptnahrungsmittel im Sudan. Die Regierung hatte zu Jahresbeginn 2018 beschlossen, die Getreideimporte der Privatwirtschaft zu überlassen. Seitdem ist der Brotpreis immer weiter gestiegen. "Wir können kaum unser tägliches Leben bestreiten", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Demonstranten. "Wir werden weiter protestieren, bis Baschirs Regierung gestürzt ist".

Nach Angaben der Regierung wurden bei den Protesten bisher 19 Menschen getötet, darunter zwei Sicherheitsbeamte. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International sprechen von 40 Toten. International wurde das Vorgehen der sudanesischen Sicherheitskräfte kritisiert. Großbritannien, Kanada, Norwegen und die USA hatten Aufklärung der Todesfälle gefordert und mit einer Beeinträchtigung der Beziehungen gedroht.

cvo/mak (rtr, afp)

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