Tote bei Angriff auf Ministerium in Kabul | Aktuell Asien | DW | 20.04.2019
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Afghanistan

Tote bei Angriff auf Ministerium in Kabul

Unbekannte haben im Regierungsviertel der afghanischen Hauptstadt Kabul nach einer Reihe von Explosionen das Telekommunikationsministerium gestürmt. Stundenlang saßen etwa 2000 Zivilisten in dem Haus fest.

Nach Regierungsangaben sprengten sich zunächst mehrere Attentäter vor dem Ministerium für Kommunikation und Informationstechnologie in die Luft. Danach eröffneten weitere Angreifer das Feuer, es kam zu Schusswechseln mit Sicherheitskräften, dann stürmten die Aufständischen das Hochhaus.

Afghanische Sicherheitskräfte sperrten die Umgebung um das Ministerium im Zentrum Kabuls ab. Innerhalb des Komplexes lieferten sich Polizei und Armee stundenlang Feuergefechte mit den Angreifern. Rauch stieg von einem Teil des Ministeriums auf.

Bei den Kämpfen in und um den Gebäudekomplex wurden nach unterschiedlichen Quellen bis zu sieben Menschen getötet. Mehrere Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt. 

Angriff beendet

Nach sechs Stunden erklärte das Innenministerium den Angriff für beendet. "Alle Suizid-Bomber getötet, mehr als 2000 Zivil-Mitarbeiter gerettet", twitterte das Ministerium. Das Präsidialamt sprach von einem "Terroranschlag", der auf das Konto der "Feinde Afghanistans" gehe. Angestellte berichteten, sie seien in Panik in die oberen Stockwerke geflohen, als sich Angreifer und Sicherheitskräfte beschossen. Andere wurden aus den unteren Etagen über Leitern in Sicherheit gebracht.

Afghanistan Angriff auf Regierungsviertel in Kabul (picture-alliance/dpa/R. Gul)

Mitarbeiter werden in Sicherheit gebracht

Zu dem Angriff bekannte sich zunächst niemand. Allerdings hatten in der vergangenen Woche die Taliban den Beginn einer Frühlings-Offensive angekündigt. In einem Statement wiesen die Taliban-Islamisten jedoch jede Verantwortung für den Anschlag auf das Ministerium von sich. 

Das noch aus sowjetischer Besatzungszeit stammende Gebäude ist mit 18 Stockwerken eines der höchsten in Kabul. Es liegt nur wenige Meter vom Präsidentenpalast entfernt. Das stark gesicherte Diplomatenviertel von Kabul befindet sich in etwa zwei Kilometern Entfernung.

Bizarrer Streit um Delegationsgrößen

Am Freitag war ein lang erwartetes Treffen zwischen der afghanischen Regierung und den aufständischen Taliban im Wüstenemirat Doha abgesagt worden. Erstmals sollten zwei Tage lang offizielle Gespräche zwischen der Taliban-Führung und der afghanischen Regierung stattfinden, um ein Ende des über 17-jährigen Konfliktes zu suchen. 

Doch die beiden Verhandlungsparteien konnten sich nicht auf die Größe ihrer Delegationen einigen. Afghanistans Regierung hatte eine Liste mit 250 Teilnehmern für die Zusammenkunft in Doha vorgeschlagen. Die Taliban-Führung lehnte es jedoch ab, sich mit so vielen Delegierten zu treffen. 

Laut Militärangaben kontrolliert die afghanischen Regierung heute nur noch wenig mehr als die Hälfte aller Bezirke des Landes. Mehr als 30 Prozent gelten als umkämpft. Die Kämpfe hatten sich zuletzt intensiviert.

qu/uh/stu (afp, epd, dpa, rtr)

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