Tokios berühmter Fischmarkt macht dicht | Aktuell Asien | DW | 06.10.2018
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Japan

Tokios berühmter Fischmarkt macht dicht

Nach mehr als 80 Jahren werden die Hallen des Tsukiji-Markts in Tokio abgerissen. Sie müssen Platz machen für die Olympischen Spiele in zwei Jahren. Doch das bedeutet nicht das Ende das traditionellen Markts.

Auf dem Boden liegen Paletten, darauf Fische, fast so groß wie Menschen. Daneben gestapelte Kisten, voll mit frisch gefangenen Schollen. Drum herum schwirren Tokios Fischhändler, auf der Suche nach Abnehmern. Ein normaler Morgen in Tokios berühmtem Fischmarkt Tsukiji, dem größten der Welt. Doch es soll der letzte Morgen sein. Nach 83 Jahren stellt der Markt seinen Betrieb ein und wird an einen neuen Ort ziehen.

Fischhalle weicht Großevent

"Ich weine fast", sagt Hisao Ishii, ein ehemaliger Fischverkäufer, der am letzten Tag des Marktes zu seinem alten Arbeitsplatz zurückgekehrt ist. "Heute ist ein trauriger Tag. Ich bin heute hierher gekommen, um Tsukiji 'Danke' und 'Auf Wiedersehen' zu sagen." Die ersten Sonnenstrahlen erscheinen am Horizont, als die Fischhändler zur letzten Thunfisch-Versteigerung auf den Markt kommen. Sie fand in den vergangenen Jahrzehnten täglich vor Sonnenaufgang statt und wurde nicht nur zu einer Tokioter Tradition, sondern auch zu einem Touristenmagneten.

Japan Tokyo Letzter Tag am Fischmarkt Tsukiji (Reuters/K. Kyung-Hoon)

Fischhändler bei der letzten Auktion: "Ich weine fast"

Pünktlich erklingt zum letzten Mal die Glocke, die den Beginn der Auktion markiert. Händler schreien Preise durch die Markthalle, Kunden wedeln hektisch mit den Armen, um ihr Interesse zu bekunden. In Tsukiji wechseln Fische und andere Meerestiere zu mitunter rekordverdächtigen Preisen den Besitzer. Vor fünf Jahren zahlte ein Kunde 155 Millionen Yen (1,2 Millionen Euro) für einen 222 Kilogramm schweren Blauflossenthun.

Rund 1700 Tonnen wurden hier tagtäglich umgeschlagen, bevor die Fische in den unzähligen Sushi-Restaurants Japans landen. Doch die traditionsreichen Hallen sind in die Jahre gekommen und werden jetzt abgerissen. Damit soll Platz geschaffen werden für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio - für neue Häuser und breite Straßen.

Millionen Yen für neuen Standort

Fischhändler Takeshi Yoshida sagt an diesem letzten Morgen auf dem Fischmarkt, Tsukiji habe seine Spuren in der Geschichte hinterlassen. Aber es sei an der Zeit, etwas Neues zu machen. Am 11. Oktober wird der Markt an einem neuen Ort wieder eröffnen. Rund 900 in Tsukiji tätige Firmen werden bis zum Umzug kommende Woche ihr Geschäft ruhen lassen.

Japan Thunfisch-Markt in Tokio (Getty Images/Tomohiro Ohsumi)

Händler auf der Suche nach Abnehmern: 1700 Tonnen Fisch wechselten täglich die Besitzer

Eigentlich sollte der Markt schon vor zwei Jahren umziehen, doch musste der Untergrund des neuen Geländes im Stadtteil Toyosu wegen hochgradiger Verseuchung mit Umweltgiften wie Benzol und Arsen zunächst saniert werden. Dort stand früher eine Gasfabrik. Die regionale Regierung musste Millionen Yen in die Sanierung des neuen Standortes stecken.

Der neue Markt wird mit einer modernen Kühlung ausgestattet sein. Touristen werden zukünftig die Auktionen in einem Besucherbereich hinter einer Glasscheibe verfolgen müssen. Bislang konnten sie auch selbst an den Auktionen teilnehmen. Deshalb ist der Umzug auch umstritten. Kritiker bemängeln, dass der Markt und die Stadt Tokio damit eine weltweit bekannte Marke verlieren würden.

"Hoffnungen und Ängste"

Japan Tokyo Letzter Tag am Fischmarkt Tsukiji (picture-alliance/AP Photo/Kyodo News/M. Tomari)

Kunden verabschieden den Fischmarkt: In einer Woche geht es an einem neuen Standort weiter

Der Umzug betrifft nicht nur die Fischhändler, sondern auch Verkäufer von Obst und Gemüse, Restaurants und andere Läden auf dem Gelände des Markts. "Ich bin sehr wehmütig. Tsukiji war in den letzten 15 Jahren meine Heimat. Ich bin traurig, dass wir Tsukiji verlieren", sagt Gemüseverkäufer Tsukasa Kujirai, gibt aber zu, dass ein neuer Standort nötig sei. Dennoch habe er sowohl "Hoffnungen und Ängste" den Umzug betreffend.

Der letzte Tag in Tsukiji verlief nicht anders als jeder andere in den letzten 83 Jahren. Nun ist das geschäftige Treiben auf dem altehrwürdigen Markt aber zu Ende - und damit auch ein Stück Tokioter Stadtgeschichte. Doch die Tradition soll weiterleben: Auch am neuen Standort werden die Thunfisch-Versteigerungen jeden Tag um 04:30 Uhr morgens beginnen.

pgr/AR (dpa, afp)

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