Tokio macht das Rennen | Sport | DW | 07.09.2013
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Sport

Tokio macht das Rennen

Die japanische Hauptstadt ist Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2020. Bei der Wahl durch die IOC-Delegierten in Buenos Aires setzt sich Tokio gegen Istanbul und Madrid durch.

©Kyodo/MAXPPP - 30/05/2013 ; TOKYO, Japan - The numbers 2020 are displayed on Tokyo Tower on May 30, 2013, marking 100 days before the venue of the 2020 Summer Olympics is decided. The Japanese capital is one of three candidate cities, along with Istanbul and Madrid. (Kyodo)

Olympia Kandidatenstadt Tokio 2020

Jubel in Japan, Enttäuschung in Spanien und der Türkei: Tokio hat den Zuschlag für die Sommerspiele 2020 bekommen. Mit 60:36 Stimmen setzte sich Tokio im entscheidenden zweiten Wahlgang gegen Istanbul durch. "Endlich kommen die Spiele nach Japan", sagte Japans Premierminister Shinzo Abe. "Ich hatte mir ein bisschen Sorgen gemacht, aber diese Entscheidung wird Japan viel Hoffnung geben." Die japanische Hauptstadt überzeugte das IOC mit seiner Präsentation, die vor allem auf drei Punkte setzte: Gewährleistung von Infrastruktur, Stabilität und Sicherheit, dazu "festliche Stimmung" bei den sportbegeisterten Japanern, wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 zu sehen war. Und schließlich werde Tokio mit "Innovation" punkten, zum Beispiel mit dem futuristischen Olympia-Stadion der irakisch-britischen Stararchitektin Zaha Hadid. 85 Prozent der Wettkampfstätten liegen in einem Radius von nur acht Kilometern zum olympischen Dorf.

Die Kandidatur stützt sich auf einen fest angelegten Reserve-Fonds in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar. "Die Bewerbung Tokios war sehr stark, das musste sie in Konkurrenz zu den hochwertigen Bewerbern Istanbul und Madrid auch sein", erklärte IOC-Präsident Jaques Rogge. "Alle drei Städte hätten die Spiele ausrichten können, jedoch hat Tokio beim IOC den besten Anklang gefunden. Sie werden gut organisierte, sichere Spiele liefern." Tokio, das die Jugend der Welt bereits 1964 zu Gast hatte, darf als fünfte Stadt in der olympischen Geschichte nach London (1908/1948/2008), Los Angeles (1932/1984), Paris (1900/1924) und Athen (1896/2004) die Spiele zum zweiten Mal austragen.

Fußball-EM-Finale als Trostpreis?

Auch das Internationale Paralympische Komitee gratulierte der Ausrichterstadt: "London 2012 hat die Latte sehr hoch gelegt, weil wir dort die besten Paralympischen Spiele aller Zeiten erlebt haben. Wir sind sehr zuversichtlich, dass sowohl Rio de Janeiro 2016 als auch Tokio 2020 das noch übertreffen können", erklärte IPC-Präsident Sir Philip Craven. "Wir freuen uns darauf, in den folgenden sieben Jahren eng mit Tokio zusammenzuarbeiten, um hervorragende Paralympische Spiele 2020 abzuliefern."

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Sommerspiele 2013: Jubel in Tokio

Enttäuschung herrschte dagegen in der Türkei. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte laut türkischen Medienberichten, dass die Entscheidung akzeptiert werden müsse. Schon der Einzug in die Endrunde sei ein Erfolg. "Ich bin nur traurig, dass das ausgewählte Land die Spiele schon einmal ausgerichtet hat", sagte er. Istanbul hatte es in das Finalduell geschafft, ging dann aber leer aus - bereits zum fünften Mal. Damit gilt Istanbul als großer Favorit auf die Ausrichtung der Halbfinals und des Endspiels der Fußball-EM 2020. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte bereits zuvor angekündigt, in dem nun eingetretenen Fall eine eigene Final-Bewerbung mit München als Spielort zugunsten der Türken zurückziehen zu wollen und sich nur um Gruppenspiele und ein K.o.-Duell zu bemühen.

Madrid scheitert als erster Kandidat

Bis kurz vor der Entscheidung hatten sich die drei Bewerberstädte noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. In den finalen Präsentationen ging es auch noch einmal um die Probleme der einzelnen Städte. So machte Tokio deutlich, wie es mit den Folgen der Fukushima-Atom-Katastrophe umgehen wolle. "Lassen Sie mich Ihnen versichern: Die Situation ist unter Kontrolle. Sie hat noch nie und wird nie Schaden in Tokio anrichten", erklärte Premierminister Shinzo Abe. Das gefährdete Gebiet um Fukushima würde sich auf eine Fläche von 0,3 Quadratkilometer beschränken und die sei abgesichert.

Istanbul versicherte, demokratischer und weltoffener zu werden und Madrid versuchte, Zweifel an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes zu zerstreuen. Doch auch das mit Abstand kleinste Budget aller Bewerber - im Vorfeld als Pluspunkt in Zeiten der Gigantismus-Kritik betrachtet - und die Tatsache, dass in Madrid die meisten Olympiabauten bereits stehen, half nichts. Madrid scheiterte bereits nach einer Stichwahl gegen Istanbul im ersten Wahlgang und damit zum dritten Mal in Folge mit seiner Bewerbung. Spaniens Außenminister José Manuel García-Margallo reagierte geschockt: "Niemand hatte damit gerechnet, dass Madrid in der ersten Runde ausscheiden würde. Das macht uns sehr traurig."

IOC-Präsident gesucht

Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vor dem DOSB-Logo. (Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Thomas Bach spricht sich für ein neues Bewerbungsverfahren der Olympiastädte aus

Auch in den kommenden Tagen finden in Buenos Aires zwei wichtige Entscheidungen statt: So wird bestimmt, ob Ringen weiter olympisch bleibt, oder Squash oder Badminton in das olympische Sommerprogramm rücken. Die wegweisendste Abstimmung steht am Dienstag (10.09.2013) an: Dann wählen die IOC-Delegierten ihren neuen Präsidenten. Um die Nachfolge von Jaques Rogge bewirbt sich unter anderem auch der deutsche Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes Thomas Bach. Der kündigte in der Zeitung "Bild" bereits an, das Bewerbungsverfahren für die Olympischen Spiele im Fall seiner Wahl zu ändern. So solle den Städten keine Vorgaben gemacht werden, diese sollen selbst Vorschläge machen, wie Olympische Spiele in ihrem Kulturkreis am besten passten. Über die Wahl Tokios sagte Bach: IOC-Vizepräsident Thomas Bach: "Das war eine Grundsatzentscheidung für Tradition und Stabilität und gegen den Aufbruch zu neuen Ufern."

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