Tokio bestätigt Krebserkrankung durch Fukushima | Aktuell Asien | DW | 20.10.2015
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Aktuell Asien

Tokio bestätigt Krebserkrankung durch Fukushima

Nun ist es offiziell: Die radioaktive Strahlung in Fukushima hat bei einem Angestellten des AKWs eine Krebserkrankung ausgelöst. Es ist das erste Mal, dass Japans Regierung einen direkten Zusammenhang eingesteht.

Ehemalige Fukushima-Führungskräfte sollen angeklagt werden (Foto: picture alliance)

Das havarierte Atomkraftwerk in Fukushima am 17.11.2013 - sechs Tage nach der verheerenden Kernschmelze

"Der Fall erfüllt die Kriterien", sagte ein Vertreter des japanischen Gesundheitsministeriums in Tokio. Andere Krankheitsursachen könnten ausgeschlossen werden. Bei dem früheren Angestellten des Atomkraftwerkbetreibers Tepco war Leukämie diagnostiziert worden. Er hatte nach dem GAU in Fukushima in dem Atomkraftwerk gearbeitet. Der Mann, der Medienberichten zufolge 41 Jahre alt ist, soll laut Regierung nun finanziell entschädigt werden.

Noch 40 Jahre Aufräumen in Fukushima

Viereinhalb Jahre hat es gedauert, bis die japanische Regierung einen direkten Zusammenhang zwischen einer Krebserkrankung und der radioaktiven Strahlung nach der Kernschmelze im AKW Fukushima anerkennt. Nach dem Unglück erkrankten bereits mehrere in der Anlage im Nordosten Japans tätige Arbeiter an Krebs. Bislang wurde ein direkter Zusammenhang zwischen der Atomkatastrophe und den Krebsdiagnosen aber offiziell nicht bestätigt. In drei Fällen dauert die Prüfung noch an.

Im Atomkraftwerk Fukushima war infolge eines schweren Erdbebens und eines Tsunamis am 11. März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Drei der sechs Reaktoren wurden bei der Katastrophe zerstört und das umliegende Gebiet radioaktiv verseucht. Die Aufräumarbeiten sollen noch vier Jahrzehnte dauern. Zehntausende Menschen mussten damals die verstrahlte Gegend in und um Fukushima verlassen.

Die Mehrheit der Japaner lehnt Atomkraft ab

Trotz der Katastrophe von Fukushima hält Japan an der Atomkraft fest. Anfang September hob die Regierung in Tokio erstmals eine Evakuierungsanordnung für einen der Orte im Umkreis der havarierten Atomanlage auf. Alle rund 7400 Bewohner der Ortschaft Naraha durften dauerhaft zurückkehren.

Japan Anti-Atom Proteste (Foto: ap)

Anti-Atom-Protest: Die Mehrheit der Japaner lehnt die Rückkehr zur Atomkraft ab

Im August hatte die Regierung trotz vieler Proteste in der Bevölkerung einen Block des Atomkraftwerks Sendai im Südwesten des Inselreiches hochfahren lassen. Die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe hatte wiederholt deutlich gemachte, dass sie auf Atomkraft nicht verzichten will. Bis zuletzt hatten Bürger vor Gericht versucht, das Wiederanfahren zu stoppen. Laut Umfragen lehnt eine Mehrheit der Japaner eine Rückkehr zur Atomkraft ab.

cw/stu (afp, rtre)