Todesurteil im Mordfall Daniel Pearl in Pakistan aufgehoben | Aktuell Asien | DW | 02.04.2020
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Justiz

Todesurteil im Mordfall Daniel Pearl in Pakistan aufgehoben

Rund 18 Jahre nach der Ermordung des US-Journalisten Daniel Pearl in Pakistan hat ein Gericht die Todesstrafe gegen den dafür verurteilten Extremisten kassiert. Die Richter setzten das Strafmaß auf sieben Jahre herab.

Das Gericht in der Provinz Sindh kam zu dem Schluss, dass die Verurteilung wegen Mordes gegen den britisch-pakistanischen Extremisten Ahmed Omar Said Scheich auf fehlerhaften Beweisen beruhte, wie ein Beamter des Gerichts mitteilte. Stattdessen verhängte das Gericht gegen Scheich wegen Entführung eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren, die er seit seiner Inhaftierung im Jahr 2002 allerdings bereits verbüßt hat. Drei verurteilte Helfer wurden freigesprochen.

Der Strafverteidiger des gebürtigen Briten, Khawja Naveed, sagte der Nachrichtenagentur AFP, da Scheich seit 2002 im Gefängnis sitze, erwarte er die sofortige Freilassung. Noch habe das Gericht diese Anordnung jedoch nicht erlassen. Außerdem könne die Regierung noch vor dem Obersten Gerichtshof Pakistans in Berufung gehen.

Bei Recherchen verschleppt

Der US-Journalist Daniel Pearl, der als Südasien-Korrespondent für die Zeitung "Wall Street Journal" arbeitete, wurde 2002 während einer Recherche zu radikalen Islamisten in der südpakistanischen Stadt Karatschi entführt und getötet. Der damals 38-Jährige gehörte zu den zahlreichen westlichen Journalisten, die sich in Pakistan aufhielten, um über die Folgen des Sturzes des Taliban-Regimes im benachbarten Afghanistan im Jahr 2001 zu berichten.

Ein Anti-Terror-Gericht in der Stadt befand Scheich 2002 der Entführung und Ermordung von Pearl für schuldig und verurteilte ihn zum Tode. Drei weitere Männer wurden damals zu lebenslanger Haft verurteilt, weil sie dem Hauptangeklagten geholfen haben sollten.

Video mit Pearls Enthauptung

Pearl, der aus einer jüdischen Familie stammt, hatte die amerikanische und israelische Staatsbürgerschaft. Einen Monat nach seiner Entführung wurde dem amerikanischen Konsulat in Karatschi ein Video von Pearls Enthauptung zugespielt. Pearls Leiche wurde einige Zeit danach
zerstückelt außerhalb von Karatschi gefunden. Pearls Witwe schrieb später ein Buch über ihren Mann und die Entführung. "A Mighty Heart" wurde zur Vorlage eines gleichnamigen Hollywood-Films mit Angelina Jolie in der Hauptrolle.

Scheich ist eine schillernde Figur, die sowohl für den britischen als auch für den pakistanischen Geheimdienst tätig gewesen sein soll. Der 1973 in London geborene Mann war 1994 wegen der Entführung westlicher Touristen in Indien verurteilt worden. Er soll auch Verbindungen zu den Attentätern vom 11. September 2001 gehabt haben.

Im Jahr 2007 nahm der Fall Pearl eine neue Wendung, als Khalid Sheikh Mohammad, der mutmaßliche Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA, gestand, er habe den Journalisten umgebracht. Khalid wird seit Jahren in Guantanamo festgehalten. Es ist unklar, ob sein Geständnis unter Folter zustande kam. 2011 kam das Pearl-Projekt an der Georgetown University in den USA in einem Bericht zu dem Ergebnis, für den Mord an Pearl seien die falschen Männer verurteilt worden. Demnach wurde der Reporter von Khalid und nicht von Scheich ermordet. Scheich legte 2017 Berufung gegen das Todesurteil ein.

kle/mak (dpa, epd, afp, ape)

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