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Tod von UN-Militärbeobachtern belastet Nahost-Konferenz

26. Juli 2006

Bei einem israelischen Luftangriff auf einen UN-Beobachterposten im Libanon sind vier unbewaffnete Blauhelmsoldaten getötet worden. UN-Generalsekretär Annan sprach von einem "offenbar absichtlichen Angriff".

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Indische UN-Soldaten helfen bei der Bergung eines der OpferBild: picture-alliance/ dpa

In Rom bemühte sich die internationale Gemeinschaft derzeit um eine Lösung der Krise im Nahen Osten. Auf der Tagesordnung des Nahost-Gipfels in Rom stand neben der Forderung nach einem Waffenstillstand die mögliche Stationierung einer Friedenstruppe an der libanesisch-israelischen Grenze. Die Konferenz mit Teilnehmern aus 18 Staaten und internationalen Organisationen sei ein möglicher Ansatzpunkt für Frieden in der Region, sagte der italienische Ministerpräsident Romano Prodi. Der französische Präsident Jacques Chirac sprach sich gegen Überlegungen aus, eine Friedenstruppe der NATO in den Nahen Osten zu entsenden. Die Allianz werde in der Region als "bewaffneter Arm des Westens" gesehen, wurde Chirac von der Tageszeitung "Le Monde" zitiert. Dieses Image wäre für eine Befriedung nicht sehr hilfreich.

Annan übt scharfe Kritik an Israel

Wenige Stunden vor Beginn der Nahost-Konferenz hat der Angriff der israelischen Luftwaffe auf einen UN-Beobachterposten im Libanon erheblichen Wirbel ausgelöst. Bei der Militäraktion kamen vier UN-Beobachter ums Leben. Bis Mittwochmorgen wurden drei Leichen geborgen. Einer der Toten ist ein Chinese, bei den anderen Opfern soll es sich nach libanesischen Angaben um einen Österreicher, einen Kanadier und einen Finnen handeln.

UN-Generalsekretär Kofi Annan reagierte schockiert und empört und sprach von einem "offenbar vorsätzlichen" Angriff der Israelis. Der Stützpunkt existiere schon seit geraumer Zeit und sei klar gekennzeichnet gewesen. "Ich fordere die israelische Regierung zu einer umfassenden Untersuchung dieses überaus beunruhigenden Vorfalls auf und verlange, dass alle Angriffe auf UN-Stellungen und Angehörige aufhören müssen." Annan erfuhr in Rom nach einem Treffen mit US-Außenministerin Condoleezza Rice und dem libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Saniora von dem Angriff.

China fordert Waffenstillstand

China verurteilte den Angriff scharf und forderte eine sofortige Waffenruhe. China fordere insbesondere Israel auf, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der UN-Beobachter zu gewährleisten. "Wir empfinden tiefe Trauer um die Opfer und übermitteln den Angehörigen unsere aufrichtige Anteilnahme", sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat sein tiefes Bedauern über den Tod der UN-Soldaten im Libanon bekundet. In einem Telefongespräch mit UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte Olmert am Mittwoch, die Blauhelmsoldaten seien bei dem nächtlichen Luftangriff versehentlich getötet worden. Der israelische Regierungschef zeigte sich bestürzt über den Vorwurf Annans, es habe sich anscheinend um einen vorsätzlichen Angriff gehandelt. Israel werde den Vorfall gründlich untersuchen und den Vereinten Nationen die Ergebnisse zukommen lassen.

"Amerikanisch-israelischer Plan"

Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah drohte Israel unterdessen mit Raketenangriffen, die über Haifa hinaus tiefer ins Landesinnere reichen sollen. In einer Ansprache in einem TV-Sender der Hisbollah sagte er zudem, die israelische Offensive im Libanon sei von langer Hand geplant und Teil eines amerikanisch-israelischen Plans für eine Neuordnung des Nahen Ostens. Israel habe den Schlag gegen die Hisbollah ursprünglich für September oder Oktober geplant, wegen der Entführung zweier Soldaten aber vorgezogen.

Die Hisbollah sei bereit zu Gesprächen über ein Ende der Kämpfe. "Wir sind offen für politische Diskussionen und flexible Lösungen, aber die Würde und das nationale Interesse sind die rote Linie", die nicht überschritten werden dürfe, sagte er.

Bei erneuten Kämpfen mit der Hisbollah-Miliz musste die israelische Armee schwere Verluste hinnehmen. Bei Gefechten wurden in der südlibanesischen Stadt Bint Dschbail etliche israelische Soldaten getötet, wie arabische Medien berichteten. Der Fernsehsender Al Arabija meldete mindestens zwölf getötete Israelis. Die Streitkräfte in Jerusalem sprachen lediglich von mehreren Verwundeten.

Weiteres Vorrücken in den Gazastreifen

Israel setzte auch an seiner zweiten Front, dem Gazastreifen, seine Angriffe fort. In der Nacht rollten rund 50 Panzer in den Norden von Gaza, wie palästinensische Sicherheitskräfte berichteten. Unterstützt wurde der Panzervorstoß von mindestens drei Luftangriffen. Dabei wurden nach Angaben von Krankenhausmitarbeitern fünf Menschen getötet, darunter zwei Hamas-Aktivisten. Die israelische Armeeführung erklärte, Ziel der Operation sei es, das Abschießen von Raketen auf Israel zu unterbinden und den Terrorismus zu stoppen. (kas)