Thyssenkrupp plant Stahlfusion mit Tata | Aktuell Deutschland | DW | 20.09.2017
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Grundsatzeinigung

Thyssenkrupp plant Stahlfusion mit Tata

Der Essener Konzern Thyssenkrupp will mit seinem indischen Konkurrenten Tata einen neuen Stahlgiganten in Europa schaffen. Hintergrund sind Überkapazitäten. Die Arbeitnehmervertreter kündigen Proteste an.

Nach mehr als einjährigen Verhandlungen einigten sich beide Unternehmen grundsätzlich auf die Fusion ihrer europäischen Stahlsparten. Bei beiden Konzernen sollen je 2000 Stellen wegfallen und insgesamt 400 bis 600 Millionen Euro durch Einsparungen Synergien entstehen. Die neue Gesellschaft soll ihren Sitz in den Niederlanden haben. Der endgültige Vertrag soll Anfang 2018 unterzeichnet werden, wie Thyssenkrupp am Mittwoch in Essen mitteilte. Die Kontrollgremien der beiden Unternehmen müssen den Plänen noch zustimmen.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger hat den geplanten Schritt als "Vorwärtsstrategie" bezeichnet. Das beabsichtigte Joint Venture sei die "einzige Option, eine nachhaltige Zukunftsperspektive für das Stahlgeschäft zu schaffen", sagte Hiesinger am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Essen. Dass dadurch bis zu 2000 Stellen bei ThyssenKrupp wegfallen könnten sei "keine schöne Zahl", sagte der Vorstandsvorsitzende. Auf der anderen Seite allerdings seien "einige Zehntausende langfristig deutlich gesicherter".

Deutschland ThyssenKrupp AG PK in Essen (Reuters/W. Rattay)

Heinrich Hiesinger (l.) vor der Pressekonferenz mit den Vorstandsmitgliedern Guido Kerkhoff, Oliver Burkhard und Donatus Kaufmann

Für die Stahlbranche seien insbesondere Überkapazitäten ein Problem, sagte Hiesinger. "Unsere Mannschaft beim Stahl macht einen tollen Job", fügte der Konzernchef hinzu. Aufgrund des hohen Kostendrucks und des kaum wachsenden Marktes in Europa folge allerdings notgedrungen "Kostensparprogramm auf Kostensparprogramm" - dies komme "fast einer Teufelsspirale" gleich. Der geplante Zusammenschluss mit Tata Steel sei durch die erwarteten Synergieeffekte deshalb ein "Schritt hin zu einem starken Industriekonzern" und ein "Meilenstein".

Drohung und Warnung

Der Betriebsrat der Thyssenkrupp-Stahlsparte sprach von einer falschen Entscheidung. "Der Vorstand hat gegen alle Warnungen alles auf eine Karte gesetzt. Das bedeutet nicht, dass wir das gutheißen", sagte der Betriebsratschef der Stahlsparte, Günter Back. Ziel müsse es nun sein, "das Schlimmste" zu vermeiden. Back zeigte sich überzeugt, dass es bei einer Fusion nicht bei dem angekündigten Abbau von rund 2000 Stellen bei Thyssenkrupp in Deutschland bleiben werde. Am Ende würden einem Zusammenschluss "wesentlich mehr" Arbeitsplätze zum Opfer fallen, meinte er. Für diesen Freitag haben Betriebsrat und IG Metall zu einer Protestkundgebung in Bochum aufgerufen, zu der mindestens 5000 Stahlkocher erwartet werden.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hat Warnungen an Thyssenkrupp gerichtet. Das Vorhaben sei "von großer Tragweite für die Region, die Beschäftigten und den Stahlstandort Deutschland", sagte Zypries. Ein solcher Schritt brauche die Akzeptanz der Beschäftigten, die aber noch nicht überzeugt seien. Auch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat umfangreiche Zusagen für Standorte und Beschäftigte gefordert. "Einen Zusammenschluss um jeden Preis darf es nicht geben", sagte Nahles am Mittwoch in Berlin. Die Standorte in Deutschland müssten erhalten, betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Außerdem sei es wichtig, dass im Falle eines Zusammengehens der Unternehmenssitz in Deutschland liege.

Thyssenkrupp und Tata planen aber, den Sitz der neuen Gesellschaft in die Niederlande zu verlegen. Beide Konzerne werden je 50 Prozent der Anteile an dem neuen Unternehmen halten. Nach dem Zusammenschluss kommt das Unternehmen auf rund 48.000 Mitarbeiter - wovon 27.000 von Thyssenkrupp kommen. Durch die Fusion würde hinter dem Branchenprimus Arcelor-Mittal das zweitgrößte Stahlunternehmen in Europa entstehen, gemessen an der Produktion. Das neue Unternehmen mit dem Namen Thyssenkrupp Tata Steel mit aktuell 34 Standorten würde einen JahesUmsatz von rund 15 Milliarden Euro erzielen.

zdh/ul (dpa, rtr, afp)