Thyssenkrupp-Chef will aufhören | Wirtschaft | DW | 05.07.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Stahl

Thyssenkrupp-Chef will aufhören

Zwei Jahre lang hatte Heinrich Hiesinger dafür gekämpft, mit dem Konkurrenten Tata aus Indien einen gemeinsamen Stahlkonzern zu gründen. Jetzt, da die Mission beendet ist, will er gehen.

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger will seinen Posten abgeben. Hiesinger habe den Aufsichtsrat um Gespräche zur einvernehmlichen Auflösung seines Mandats als Vorsitzender des Vorstands gebeten, teilte der Essener Konzern am Donnerstagabend mit.

Das Kontrollgremium werde am Freitag zusammenkommen, um darüber zu entscheiden. Hiesinger erklärte, er "gehe diesen Schritt bewusst, um eine grundsätzliche Diskussion im Aufsichtsrat über die Zukunft von Thyssenkrupp zu ermöglichen".

Erst am Wochenende hatte das Unternehmen seine Stahlsparte in ein Joint Venture mit dem indischen Rivalen Tata Steel eingebracht. Hiesinger, seit sieben Jahren an der Spitze des Konzerns, sah das als wichtigen Befreiungsschlag. Die Abspaltung des Stahlgeschäfts sollte den Weg für einen Umbau des Konzerns ebnen.

Symbolbild Stahl (Getty Images/L. Schulze)

Nach der Fusion der Stahlsparten von ThyssenKrupp und Tata werden wohl 4000 Jobs wegfallen

Keine Atempause

Eigentlich wollte Hiesinger dem Aufsichtsrat in der kommenden Woche seine Strategie präsentieren, wie es mit Thyssenkrupp ohne Stahlsparte weitergehen soll.

Dabei stand er unter dem Druck von Investoren, weil Großaktionär Cevian Capital und der US-Hedgefonds Elliott mehr Tempo beim Umbau des Ruhrkonzerns gefordert hatten.

Hiesinger erklärte nun laut Pressemitteilung, "ein gemeinsames Verständnis von Vorstand und Aufsichtsrat über die strategische Ausrichtung des Unternehmens ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Unternehmensführung".

Aufsichtsratschef Ulrich Lehner dankte Hiesinger und betonte, der Vorstand unter Leitung Hiesingers habe Thyssenkrupp aus einer existenzbedrohenden Krise befreit und das Unternehmen zukunftsfähig gemacht: "Ohne Heinrich Hiesinger würde es Thyssenkrupp nicht mehr geben."

Überkapazitäten

Angesichts weltweiter Überkapazitäten beim Stahl soll das neue Gemeinschaftsunternehmen als zweitgrößter Stahlkonzern Europas erfolgreich sein - nicht zuletzt durch Einsparungen und den Abbau von Arbeitsplätzen.

Thyssenkrupp und Tata sollen zunächst mit je 50 Prozent an dem fusionierten Stahlkonzern mit etwa 17 Milliarden Euro Umsatz und rund 48.000 Beschäftigten beteiligt sein.

Aktionärsvertreter waren noch davon ausgegangen, dass Hiesinger nach der Fusionsentscheidung wieder deutlich fester im Sattel sitze. Der Manager habe nun alle Probleme gelöst, die er sich vorgenommen habe, hieß es bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch die Bilanz des Konzerns sehe nun deutlich besser aus. Nun werde die Strategie mit Spannung erwartet. 

Die deutschen Stahlkocher hatten zuvor eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erhalten. Geplant ist aber auch der Abbau von bis zu 4000 Stellen, davon etwa die Hälfte in Deutschland.
 

bea/jj (dpa, reuters, afp)