Ter Stegen in der Warteschleife | Sport | DW | 22.03.2018
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Nationalelf

Ter Stegen in der Warteschleife

Torhüter Marc-Andre ter Stegen hat sich in der Nationalmannschaft als feste Größe etabliert. Ob es für den Keeper des FC Barcelona bei der WM zur Nummer eins reicht, hängt aber von einer anderen Personalie ab.

Die innere Zerrissenheit von Marc-Andre ter Stegen ist förmlich zu spüren. Zum einen wünscht er Manuel Neuer natürlich, dass dieser "rechtzeitig zurückkommt". Denn er habe absoluten Respekt vor den Leistungen des Kapitäns der deutschen Nationalmannschaft. Doch auf der anderen Seite ist die Aussicht, als Nummer eins zur Fußball-WM nach Russland zu fahren, geradezu verführerisch. Deswegen hält es ter Stegen mit Franz Beckenbauer: "Wir schauen mal, wie es weitergeht."

Wäre das WM-Aus Neuers vor ein paar Monaten noch ein Weltuntergangsszenario gewesen, so raubt die Verletzung seiner Nummer eins Joachim Löw derzeit nicht den Schlaf. Er hat ja Marc-Andre ter Stegen. "Er hat sich in der Nationalmannschaft sehr, sehr gut entwickelt. Beim Confed Cup hat er eine überragende Rolle gespielt", lobte Löw den Schlussmann des FC Barcelona: "Er ist eine Persönlichkeit geworden."

Holpriger Beginn im Nationalteam

Danach sah es bei ter Stegens Anfängen im DFB-Trikot nicht aus. Haarsträubende Fehler blieben in größerer Erinnerung als ein gehaltener Elfmeter von Lionel Messi. Mit dem fünfmaligen Weltfußballer wurde er in spanischen Medien zuletzt immer häufiger verglichen. "Messi mit Handschuhen", war dort zu lesen. "Der Vergleich hinkt", sagt ter Stegen mit Nachdruck. Messi sei noch einmal eine ganz andere Liga.

Fußball Chile v Deutschland - FIFA Confederations Cup Russia 2017 - Finale (Getty Images/AFP/Y. Cortez)

Starker Rückhalt beim Gewinn des Confed Cups: Marc-Andre ter Stegen im Finale gegen Chile

Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich der 25-Jährige auch beim großen FC Barcelona durchgesetzt. "Mein Weg war am Anfang nicht ganz leicht. Ich habe aus dieser Zeit aber viel gelernt", sagte der gebürtige Gladbacher, der zum Start ins WM-Jahr auch am Freitag in Düsseldorf gegen Spanien (Anstoß 20.45 Uhr MEZ, ab 20:30 Uhr im DW-Audio-Livestream) das deutsche Tor hüten wird.

Als Persönlichkeit entwickelt

Ter Stegen hat aber nicht nur zwischen den Pfosten noch einmal einen Sprung gemacht. Auch als Mensch hat er sich in Spanien weiterentwickelt. Er spricht inzwischen fließend die Sprache, und er scheint in sich zu ruhen. "Er ist gelassen, ruhig und fokussiert", fasst Löw seine Eindrücke zusammen. Mit anderen Worten: Auf ter Stegen, der auch fußballerisch nach Neuer der beste deutsche Torhüter ist, wäre in Russland Verlass.

Da sind sich auch die Experten unisono einig. "Bedenkenlos könnte Joachim Löw auf ihn setzen - gemessen an dem, was er in Barcelona zeigt", schreibt der ehemalige Keeper von Real Madrid und des Nationalteams, Bodo Illgner, im "Kicker". Was ter Stegen, eventuell fehle, um ein würdiger Stellvertreter Neuers zu sein? "Nichts!", entgegnet der Weltmeister von 1990 energisch. 

Für Neuer wird die Zeit knapp

 Manuel Neuer (Getty Images/Bongarts/A. Hassenstein)

Bayern-Torhüter Manuel Neuer

Wie Illgner hält auch Ex-Welttorhüter Oliver Kahn große Stücke auf den Barca-Keeper. "Marc-Andre kann jederzeit eine WM spielen. Er hat sich in Barcelona durchgesetzt und dort auch extrem weiterentwickelt. Er war schon immer ein guter Fußballer, aber jetzt hat er ein unglaublich hohes Niveau - das alles unter extremem Druck von außen. Denn der Verein hat die höchsten Ziele", sagte der ehemalige Bayern-Schlussmann gegenüber Sport1. 

Unabhängig von einer Rückkehr Neuers will ter Stegen "auf die WM gut vorbereitet sein". Er selbst könne sich nur schwer in Neuers Lage hineinversetzen, da er noch nie so lange ausgefallen sei. "Spieler wie Manuel können schnell in den Rhythmus zurückkommen. Dafür hat er viel zu viel Qualität", sagte ter Stegen, aber: "Natürlich wird er sich auch erst einmal reinarbeiten müssen."

"Mit dem Ball am Fuß ist er fast der elfte Feldspieler"

Und darin besteht ter Stegens Chance. "Wenn ein Spieler in der Vorbereitung überhaupt keine Rolle spielen kann, ist es schwierig, ihn zu nominieren", sagte Löw.

Ebenso wie der Bundestrainer blicken auch die Teamkollegen der Entwicklung gelassen entgegen. Sie haben inzwischen großes Vertrauen in ter Stegen. "Er spielt auf konstant hohem Niveau. Mit seinen Fähigkeiten mit dem Ball am Fuß ist er fast der elfte Feldspieler", sagte Toni Kroos und fügte mit Blick auf die Rivalität zwischen Real Madrid und Barcelona augenzwinkernd an: "Für meine Begriffe macht er fast zu wenig Fehler."

Neuers Wettlauf mit der Zeit wird also auch die deutsche Nummer zwei weiter aufmerksam verfolgen. "Er weiß selbst, wie er vorgehen muss. Jeder Ratschlag von mir wäre Quatsch", sagte ter Stegen.

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