Tennis-Profileben in der Kölner Bubble | Sport | DW | 23.10.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Corona-Pandemie

Tennis-Profileben in der Kölner Bubble

Die steigende Zahl der Corona-Infektionen sorgt dafür, dass beim ATP-Turnier in Köln keine Zuschauer zugelassen sind. Die Tennisprofis müssen in einer Bubble leben - erschwerte Umstände.

Ein wenig traurig schaut Andreas Mies schon drein. Natürlich ist er froh, dass er in seiner Heimatstadt Köln ein ATP-Turnier spielen kann. Aber dass er dabei nicht zu Hause in seinen eigenen vier Wänden bei seiner Lebensgefährtin übernachten darf, das findet er eher nicht optimal. "Ich habe bei der ATP gefragt, aber das war leider nicht möglich", bedauert der Tennisprofi, der gemeinsam mit Kevin Krawietz das beste deutsche Doppel bildet, gegenüber der DW.

Der Grund dafür ist Corona. Das Virus zwingt auch die Tennis-Profis, ähnlich wie die Spieler der Fußball-Bundesliga, während der Dauer des Turniers in einer so genannten "Bubble" - einer Blase - zu leben. Das bedeutet bei den beiden aufeinanderfolgenden Turnieren in Köln, dass jeder Einzelne, der an diesem Turnier aktiv teilnimmt, ausschließlich ein Leben zwischen Hotel und dem Austragungsort Kölnarena führen darf.

Kevin Krawietz (l.) und Andreas Mies (r.) feiern ihren zweiten French-Open-Titel

Kevin Krawietz (l.) und Andreas Mies (r.) feiern ihren zweiten French-Open-Titel

Wenig Abwechslung

Eine kleine Chance hätte Mies schon gehabt, seine Zeit im vertrauten Umfeld zu verbringen - wenn er ähnlich gehandelt hätte wie der Weltranglistenerste Novak Djokovic bei den US Open in New York. Der Serbe hatte sich abseits des Spielerhotels ein ganzes Haus gemietet und dort gewohnt. "Das ging aber nur, weil er dort Security-Leute engagiert hatte, einen Fahrdienst hatte und sich völlig abgeschottet hat", sagt Mies. "Das hätte ich bei meiner Privatwohnung auch machen müssen. Das wollte ich nicht."

Und so beschränkt sich das Dasein der Tennis-Profis auf das wenig abwechslungsreiche Pendeln zwischen dem Hotelzimmer und der fußläufig erreichbaren, überdimensionalen Tennishalle. "Wir kriegen unsere Zeit schon rum", sagt Mies. Essen, Massagen, Stabilisationstraining, Mittagsruhe, PlayStation, Fernsehen und natürlich Tennis-Trainingseinheiten. Mehr ist derzeit für die Spieler nicht möglich, um die Gefahr von Corona-Infektionen möglichst klein zu halten.

Allerdings ist nicht nur die Wohnsituation der derzeitigen Pandemie-Entwicklung angepasst. Auch müssen die Veranstalter mittlerweile auf Zuschauer verzichten, was für eine besondere Atmosphäre auf dem Hallen-Tennisplatz sorgt. "Ich bedauere sehr, dass in diesen Zeiten vieles nicht zu machen ist. Aber Köln bleibt auch unter Corona-Bedingungen sehens- und liebenswert", sagt Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Der zweitbeste deutsche Tennisspieler: Jan-Lennard Struff

Der zweitbeste deutsche Tennisspieler: Jan-Lennard Struff

Applaus vom Band

Für die Spieler, die so häufig aus den Reaktionen von den Rängen zusätzliche Motivation schöpfen, geht es darum, mit dieser Situation zurecht zu kommen. "Am Anfang mit Zuschauern zu spielen, dann ganz ohne, das ist emotional schon nicht so einfach", sagt Jan-Lennard Struff der DW. Gerade vor heimischem Publikum wollen die deutschen Spieler gute Ergebnisse erzielen. "Wir wollen hier alles rausholen. Da ist man natürlich doppelt enttäuscht, wenn kein Publikum vor Ort sein kann", sagt der 30-Jährige. "Aber man muss sich immer den Gegebenheiten anpassen. Das versuchen wir natürlich alle hier."

Die Veranstalter haben alles getan, um bestmögliche Bedingungen für alle Beteiligten zu schaffen. Um wenigstens für ein wenig Stimmung zwischen den Ballwechseln zu sorgen, wird Applaus vom Band eingespielt. "Ich habe das gar nicht richtig wahrgenommen", sagte Alexander Zverev in der ersten Woche. "Und ehrlich gesagt ist es mir auch egal."

Die Redaktion empfiehlt