Teheran bestellt wegen Kritik an Hinrichtung deutschen Botschafter ein | Aktuell Nahost | DW | 14.09.2020
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Iran

Teheran bestellt wegen Kritik an Hinrichtung deutschen Botschafter ein

Die Deutsche Botschaft in Teheran hatte die Hinrichtung des Ringers Navid Afkari öffentlich kritisiert. Das iranische Außenministerium verurteilt die Kritik "auf das Schärfste".

Das iranische Außenministerium habe Botschafter Hans-Udo Muzel wissen lassen, dass es diese Kritik als "Einmischung in die inneren Angelegenheiten" des Iran betrachte, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums.

Der 27-jährige Ringer Navid Afkari war am Samstag trotz internationaler Solidaritätskampagnen in aller Eile hingerichtet worden. Er soll bei einer Demonstration im August 2018 in Schiras gegen die wirtschaftliche und politische Lage einen Beamten erstochen haben. Der Ringer hatte die Tat im Fernsehen gestanden, nach Informationen von Menschenrechtsorganisationen wurde das Geständnis aber unter Folter erzwungen.

Brüder des Ringers zu langer Haft verurteilt

Die Hinrichtung wurde international scharf verurteilt. Auch die deutsche Botschaft in Teheran hatte sich am Sonntag auf ihrem offiziellen Twitter-Konto "tief entsetzt" über Afkaris Tod geäußert. Es sei nicht hinzunehmen, "dass grundlegende Rechte verletzt würden, um Stimmen der Opposition zum Schweigen zu bringen", erklärte sie auf Farsi. Gleichzeitig rief sie zur Solidarität für Afkaris beide Brüder auf, die zu langen Haftstrafen verurteilt worden waren.

Zuvor hatte sich bereits ein iranischer Justizvertreter gegen Kritik aus "einigen europäischen Botschaften" verwahrt und sie aufgefordert, sich nicht zum "Lautsprecher für Lügen" von Oppositionsgruppen zu machen.

Nach Angaben von Afkaris Anwalt Hassan Junessi wurde der junge Ringer einen Tag vor einem geplanten Treffen mit der Familie des Getöteten exekutiert. Bei dem Treffen wollte Afkari die Angehörigen um Verzeihung bitten. Nach iranischem Recht wäre damit die Vollstreckung des Todesurteils hinfällig geworden.

nob/fab (afp, dpa, sid)

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