Teenager wollen ″Mainstream″ sein | Deutschlehrer-Info | DW | 28.04.2016
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Deutschlehrer-Info

Teenager wollen "Mainstream" sein

Eine Studie hat untersucht, was deutsche Jugendliche denken und fühlen. Das Ergebnis überraschte die Forscher: Die Teenager von heute rebellieren nicht mehr gegen die Erwachsenen und beugen sich dem Mehrheitsgeschmack.

So wie alle anderen sein, ob beim Musik- oder Klamottengeschmack, und sich bloß nicht abgrenzen: Das gilt heutzutage bei vielen Jugendlichen als „cool“, bilanziert Studienautor Marc Calmbach. Ehrgeizig sind sie auch: Die Überzeugung, abgehängt zu werden, wenn es in der Schule nicht rundläuft, hat sich noch weiter verstärkt. Und so wird fleißig gelernt. In früheren Generationen wäre das undenkbar gewesen; „Mainstream“ galt eher als Schimpfwort, der Unterricht wurde auch schon mal geschwänzt. Man war Punk oder Hippie, ging gegen Atomkraft und für den Frieden auf die Straße und tat vor allem nicht das, was die Eltern wollten.

Aber die Zeiten haben sich geändert. „Es ist eine nicht-rebellische Generation, die als oberstes Ziel hat, in diese Gesellschaft hineinzukommen“, sagt der Jugendforscher Klaus Hurrelmann. Statt Abgrenzung und Provokation ist der Kuschelkurs mit den Erwachsenen angesagt. Studienherausgeber Calmbach ist überzeugt, dass das auch an den Eltern liegt, die sich immer jugendlicher geben: „Das ist die erste Generation, in der Eltern und Kinder dieselbe Musik hören und Mütter ihre Töchter nach Mode-Blogs fragen.“

Zusammenrücken gegen die Krisen

Jugendliche liegen im Gras

Gemeinsam ist man stärker

Dass die 14- bis 17-Jährigen sich weder von ihren Altersgenossen noch von Erwachsenen abgrenzen wollen, begründen Sozialwissenschaftler mit äußeren Einflüssen wie Wirtschaftskrisen, Terroranschlägen in Europa und einer zunehmend unsicheren globalisierten Welt. „Im Ergebnis sehen wir ein Zusammenrücken der jungen Generation“, meint Calmbach. Das letzte Mal hätten Jugendforscher das in der Generation direkt nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland beobachtet, bevor die 1968er rebellierten.

Unterschiede findet man allerdings trotz aller Angepasstheit: Es gibt die Konservativen, die Ökos und die Spaß-Fraktion. Aber, so Calmbach: „Durch alle Gruppen hindurch gibt es ein Gefühl der Gemeinsamkeit.“ Auch Migranten fühlten sich mehrheitlich zu Hause. Damit habe Deutschland trotz kleiner radikal-islamistischer Strömungen eine deutlich bessere Ausgangssituation als zum Beispiel Frankreich. Und Hurrelmann ergänzt: „Der Mainstream hat auch Vorteile. Diese Jugend will sich nicht auseinanderdividieren lassen.“

Tolerant und online

Laut der Studie ist den Jugendlichen die Ablehnung von Gewalt und religiöse Toleranz, auch gegenüber dem in die Kritik geratenen Islam, sehr wichtig, und sie sprechen sich gegen Ausländerfeindlichkeit und für die Aufnahme von Flüchtlingen aus - solange es nicht zu viele werden, um sie zu integrieren. Forscher Calmbach hat außerdem überrascht, wie sehr sich junge Leute über die grundlegenden Werte des Zusammenlebens Gedanken machen.

Jugendlicher mit Smartphone

Leben heißt für Teenager online-sein

Freiheit und Rechtsstaat stünden hoch im Kurs, sagt er. Dazu kämen viele Gedanken über Umweltschutz und kritischen Konsum – auch wenn die Ethik beim Shoppen öfter mal auf der Strecke bleibe. Diese Generation ist mit dem Internet, mit Smartphone und Tablet, groß geworden, doch mittlerweile gibt es hier den Trend zur Offline-Sozialromantik – gärtnern und kochen zum Beispiel. Das heißt aber nicht, dass man sich bei Facebook abmeldet.

Ob die Studie, die das Sinus-Institut im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung und verschiedener Sozialverbände durchgeführt hat, statistisch relevant ist, lässt sich nicht belegen, denn es wurden nur 72 Jugendliche befragt – wenn auch lang und intensiv. In der Forschung ist diese Methode als seriös anerkannt, auch als Basis für weitere Untersuchungen.

suc/mk (dpa,epd)

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