Taliban verkünden Waffenruhe zum Fest des Fastenbrechens | Aktuell Welt | DW | 09.06.2018
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Afghanistan

Taliban verkünden Waffenruhe zum Fest des Fastenbrechens

Islamische Geistliche wollten es, der afghanische Präsident tat es. Nun haben auch die radikalislamischen Kämpfer nachgezogen und eine Feuerpause zum Ende des Ramadan versprochen. Doch vorher wird gebombt.

Taliban-Kämpfer in der Provinz Herat (Foto: DW/S. Tanha)

Die Taliban - hier Kämpfer in der Provinz Herat - haben "ausländische Besatzer" von der Feuerpause ausgenommen

Ihre Kämpfer seien angewiesen worden, Angriffe gegen afghanische Sicherheitskräfte während der ersten drei Tage des Eid-al-Fitr-Fests des Fastenbrechens zu stoppen, erklärten die Taliban in einer Mitteilung an Medien. Es ist das erste Mal seit dem Einmarsch der US-Truppen in Afghanistan im Jahr 2001, dass die radikal-islamischen Kämpfer aus diesem Anlass eine Feuerpause ausgerufen haben. "Ausländische Besatzer" seien von der Waffenruhe allerdings ausgenommen. Sie würden weiterhin angegriffen, "wo auch immer wir sie sehen", erklärten die Taliban. Zudem will sich die Miliz "verteidigen", sollte sie während der von ihr verkündeten Waffenruhe attackiert werden.

Kurz vor der Mitteilung verübten die radikalen Islamisten allerdings noch mehrere Anschläge im Land. Im Norden griffen sie einen Stützpunkt der Polizei in der Provinz Kundus an. Nach Behördenangaben wurden mindestens 19 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet. Etwa zur gleichen Zeit attackierten Taliban-Kämpfer einen Stützpunkt des afghanischen Militärs in der Provinz Herat im Westen des Landes. Dabei wurden der Provinzregierung zufolge mindestens 17 Soldaten getötet, auch mehrere Angreifer starben.

Früher begannen Attacken beim Fastenbrechen 

Das Eid-al-Fitr-Fest ist das größte im muslimischen Kalender. Familien besuchen dann Verwandte und pflegen die Gräber von Angehörigen. In der Vergangenheit hatten die Taliban gerade während dieser Festtage neue Angriffe gestartet.

Der afghanische Staatschef Aschraf Ghani (Foto: DW/F. Zahir)

Der afghanische Staatschef Aschraf Ghani scheint mit seiner Initiative Erfolg zu haben

Bereits am Donnerstag hatte der afghanische Präsident Aschraf Ghani einseitig eine einwöchige Waffenruhe zum Ende des Ramadan angekündigt. Die Feuerpause im Konflikt mit den Taliban solle vom 12. bis 19. Juni dauern, erklärte er. Die Waffenruhe solle am 27. Tag des Ramadan beginnen und bis zum fünften Tag des Eid-al-Fitr-Fests gelten. Ghani wies die afghanischen Sicherheitskräfte an, in dieser Zeit alle Angriffe auf die Taliban zu stoppen. Die Einsätze gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und andere Terrorgruppen wie Al-Kaida sollen aber fortgesetzt werden.

Kleriker motivierten Ghani zu Waffenruhe

Ghanis Entscheidung wurde auch durch eine Empfehlung hochrangiger islamischer Kleriker befördert. Bei einem Treffen Anfang der Woche in Kabul hatten sie einen Waffenstillstand mit den Taliban ausdrücklich empfohlen.

Die Taliban führen derzeit ihre alljährliche "Frühjahrsoffensive" gegen die afghanische Regierung. Sowohl die Taliban als auch die IS-Miliz hatten in den vergangenen Monaten mehrfach schwere Anschläge in der afghanischen Hauptstadt Kabul verübt, bei denen zahlreiche Zivilisten getötet wurden.

sti/jj/kle (afp, dpa, rtr)

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