Taliban schließen Mädchen von höherer Schulbildung aus | Aktuell Asien | DW | 18.09.2021
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Afghanistan

Taliban schließen Mädchen von höherer Schulbildung aus

In Afghanistan dürfen Mädchen vorerst nicht am Unterricht an weiterführenden Schulen teilnehmen. Dies folgt aus einem Aufruf der radikalislamischen Taliban. Auch das Frauenministerium wurde geschlossen.

Frauen und Mädchen in Afghanistan hinter einem Zaun

Mädchen wird der Zugang zu höherer Bildung in Afghanistan versperrt (Archivbild)

Nach der Machtübernahme der islamistischen Taliban verschlechtert sich die Lage für Frauen und Mädchen in Afghanistan weiter. So riefen die neuen Machthaber an diesem Samstag explizit nur "alle männlichen Lehrer und Schüler" auf, wieder am Unterricht der Sekundarschulen teilzunehmen, wie der britische Nachrichtensender BBC berichtet. Lehrerinnen und Schülerinnen erwähnten die Islamisten nicht.

Schülerinnen und Schüler an Sekundarschulen in Afghanistan sind in der Regel zwischen 13 und 18 Jahre alt und werden häufig nach Geschlechtern getrennt unterrichtet. Nach der Machtübernahme der Taliban blieben die weiterführenden Schulen zunächst geschlossen. Die Grundschulen haben bereits wieder geöffnet. Jungen und Mädchen besuchen auch hier meist getrennte Klassen.

Bildung afghanischer Mädchen in Gefahr

Zu Beginn der Woche verkündete die von den Taliban eingesetzte Regierung, dass Frauen weiterhin Privatuniversitäten besuchen dürften, allerdings nicht gemeinsam mit Männern.  Zudem müssten sie eine strenge Kleiderordnung einhalten.

Nach Angaben der BBC war die Zahl der Mädchen, die Grundschulen besuchten, während der vergangenen 20 Jahre von fast Null auf rund 2,5 Millionen gestiegen. In dieser Zeit herrschte eine vom Westen  gestützte zivile Regierung in Afghanistan. Ebenso sei die Analphabetenrate unter Frauen stark zurückgegangen. Hilfsorganisationen sehen diese Erfolge nun in Gefahr.

Die UN-Bildungs- und Kulturorganisation UNESCO forderte umgehend die Wiederöffnung aller weiterführenden Schulen für Mädchen in Afghanistan. Andernfalls drohten "nicht wiedergutzumachende Folgen" für die Hälfte der Bevölkerung, erklärte die Organisation. Sollten die Mädchen weiter ausgeschlossen werden, bedeute dies für die weibliche Bevölkerung "eine bedeutende Verletzung des Grundrechts auf Bildung", betonte die UNESCO. "Die Zukunft Afghanistans hängt von der Bildung von Mädchen ebenso wie von Jungen ab", sagte Generaldirektorin Audrey Azoulay. Neben männlichen Lehrern müsse auch allen Lehrerinnen die Rückkehr zum Unterricht erlaubt werden.

Mädchen sitzen in einem Klassenzimmer in Herat, Afghanistan

Die Grundschule dürfen Mädchen, wie hier in Herat, wieder besuchen

Nachdem die Taliban im August gewaltsam wieder die Macht in Afghanistan an sich genommen hatten, versprachen sie, Frauenrechte im Rahmen der Gesetze des Islam zu achten. Allerdings wurden Frauen angewiesen, zu ihrer eigenen Sicherheit zu Hause zu bleiben und nicht zur Arbeit zu kommen, bis eine Geschlechtertrennung umgesetzt werden kann.

"Tugendbehörde" statt Frauenministerium

Während der ersten Taliban-Herrschaft zwischen 1996 und 2001 waren Frauen in Afghanistan weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt. Sie durften das Haus nur in Begleitung männlicher Angehöriger verlassen.

Am Freitag erst hatten die Taliban laut BBC auch das Frauenministerium geschlossen. Es sei durch eine Behörde ersetzt worden, die die Überwachung der Einhaltung der religiösen Sitten verstärken solle, hieß es. Eine derartiges "Tugendministerium" war während der ersten Taliban-Herrschaft Ende der Neunziger Jahre etwa für Auspeitschungen von Frauen verantwortlich.

cw/kle (afp, kna)

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