Taliban blockieren ausländische Medien | Aktuell Asien | DW | 01.12.2022
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Afghanistan

Taliban blockieren ausländische Medien

In Afghanistan haben die regierenden Taliban Sendeverbote für die US-Auslandssender Voice of America und Radio Free Europe/Radio Liberty verhängt. Als Begründung nennen sie Beschwerden über den Inhalt des Programms.

Afghanistan Taliban Kämpfer feiern den ersten Jahrestag der Machtübernahme in Kabul

Taliban-Kämpfer feiern im August den ersten Jahrestag der Machtübernahme in Kabul

Für die Pressefreiheit in Afghanistan, die seit der Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban ohnehin stark eingeschränkt ist, stellt der Stopp des Sendebetriebs der US-Auslandssender Voice of America (VOA) und Radio Free Europe/Radio Liberty einen weiteren schweren Schlag dar.

Das Verbot gelte ab (dem heutigen) Donnerstag, teilte VOA in Washington mit. Es sei ein Sendeverbot für mehrere Radiofrequenzen verhängt worden. Zur Begründung hätten die Taliban-Behörden "Beschwerden, die sie über Programminhalte erhalten" hätten, angeführt. Einzelheiten seien nicht genannt worden.

Die Ausstrahlung des afghanischen Dienstes von Radio Free Liberty, "Radio Azadi" wird in 13 großen Städten des Landes gestoppt, wie die Taliban bekannt gaben. Das Kulturministerium in Kabul warf dem Sender die "Nichteinhaltung journalistischer Prinzipien" sowie "einseitige" Berichterstattung vor. "Radio Azadi" bot neben politischen Inhalten unter anderem spezielle Sendungen für Frauen und Jugendliche an und war im Land sehr beliebt.

Afghanistan Alltag in Kabul

Besonders hart treffen die Einschränkungen der Taliban Afghanistans Frauen

Taliban-Außenamtssprecher Abdul Kahar Balchi sagte der Nachrichtenagentur AP, in Afghanistan gebe es Pressegesetze. Jedem Sender, der wiederholt dagegen verstoße, werde das Recht zur Arbeit im Land entzogen. VOA und Radio Liberty hätten sich wiederholt nicht an die Gesetze gehalten, "legten keine Professionalität an den Tag und wurden deshalb geschlossen", sagte der Sprecher.

Der Sender Voice of America wird vom US-Kongress finanziert, Radio Free Europe/Radio Liberty von der US-Regierung. Beide berufen sich auf ihre redaktionelle Unabhängigkeit. Sie berichten nach eigenen Angaben ohne Vorgaben aus Washington.

Medienvielfalt hat unter Taliban rasant abgenommen

Kurz nach ihrer neuerlichen Machtübernahme im August 2021 hatten die Taliban ein gemäßigteres Vorgehen zugesichert als während ihrer vorherigen Herrschaft Ende der 1990er Jahre. Dessen ungeachtet schränkten sie bürgerliche Rechte und Freiheiten, vor allem von Frauen und Mädchen, aber drastisch ein und führten eine strikte Interpretation islamischen Rechts, der Scharia, ein.

Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen hat Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban 40 Prozent seiner Medienkanäle und 60 Prozent seiner Journalistinnen und Journalisten verloren.

qu/kle (dpa, ap)

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