Taliban überrennen Militärstützpunkt im Norden Afghanistans | Aktuell Asien | DW | 14.08.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fragile Sicherheitslage

Taliban überrennen Militärstützpunkt im Norden Afghanistans

Die radikal-islamischen Taliban haben nach tagelangen Kämpfen einen strategisch wichtigen Militärstützpunkt im Norden Afghanistans eingenommen. Bei den Gefechten wurden mehrere Soldaten getötet.

Gefechte in Afghanistan (Foto: picture-alliance/Xinhua/R. Alizadah)

Afghanische Sicherheitskräfte überwachen die Hauptverbindungen zwischen Kabul und dem umkämpften Ghasni

"Es ist eine Tragödie, dass der Stützpunkt an den Feind gefallen ist", sagte Armeesprecher Muhammad Hanif Resai. Innerhalb von zwei Tagen sei die Militärbasis im Distrikt Ghormatsch in der Provinz Farjab regelrecht überrannt worden. Nach offiziellen Angaben wurden mindestens zehn Soldaten getötet und 15 verletzt. Möglicherweise hätten die radikal-islamischen Taliban auch mehrere Soldaten gefangen genommen, so Resai. Rund hundert Männer und Frauen hätten sich zum Zeitpunkt des Angriffs in dem Lager aufgehalten. Ein Regierungsvertreter bezifferte die getöteten Armeeangehörigen auf 30, etwa 40 seien ihm zufolge gefangengenommen worden.

Wie die Regierung der Provinz Farjab mitteilte, erbeuteten die Angreifer auf dem Heeresstützpunkt Chenajiha Panzer und Munition. Große Teile des Militärgeländes seien noch immer unter ihrer Kontrolle, sagte ein Sprecher der Provinzverwaltung.

Ghasni im Visier

Nach der tagelangen Offensive der Extremisten im südostafghanischen Ghasni stehen Afghanistans Streitkräfte unter wachsendem militärischem Druck. Immer wieder kritisieren Militärvertreter die schwindende Kampfmoral in den eigenen Reihen. Oft desertierten Soldaten. So machte zudem ein Provinzvertreter von Farjab der Armee nach dem Fall des Stützpunkts schwere Vorwürfe. Die Soldaten dort hätten die Armeeführung in Kabul seit Tagen um Verstärkung und Luftunterstützung gebeten, seien aber ignoriert worden, sagte der Vorsitzende des Provinzrats, Tahir Rehmani.

Die Regierung in Kabul entsandte am Montag Verstärkung nach Ghasni. Der Angriff dort ist die größte militärische Aktion der Taliban seit dem kurzzeitigen Waffenstillstand im Juni.

Deutscher Einsatz in Afghanistan

Der nun angegriffene Stützpunkt zählt zum Kommando-Bereich der Bundeswehr, die im Rahmen des NATO-Einsatzes "Resolute Support" als "Rahmennation" die Federführung in Norden Afghanistans hat. Der Großteil der deutschen Soldaten ist auf Camp Marmal nahe Masar-i-Scharif stationiert, etwa 350 Kilometer nordöstlich vom Ort des Angriffs entfernt. Aufgabe der NATO-Mission ist die Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Armee. Dort sind auch US-Soldaten stationiert.

Video ansehen 28:34
Jetzt live
28:34 Min.

Abgeschoben - und dann?

Die Lage in Afghanistan ist derzeit sehr angespannt. Immer wieder kommt es zu Anschlägen. So kam nach einer Explosion im Süden Afghanistans ein US-Soldat ums Leben. Der Soldat sei in der Provinz Helmand auf Patrouille gewesen, als in seiner Nähe ein improvisierter Sprengsatz detoniert sei, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Der Vorfall werde weiter untersucht. Der Soldat sei für die Operation "Freedom's Sentinel" (wörtlich: "Freiheitswächter") in Afghanistan stationiert gewesen, hieß es in der Mitteilung. Diese Mission ist der US-Kampfeinsatz gegen Terroristen.

Umstrittene Abschiebungen in Kriegsregion

Wegen der großen Probleme im Land werden Abschiebungen ausreisepflichtiger Afghanen aus Deutschland stark kritisiert. So zeigt der jüngste Lagebericht der Bundesregierung zu Afghanistan deutliche regionale Unterschiede. In dem Bericht des Auswärtigen Amtes heißt es, neben Provinzen mit aktiven Kampfhandlungen gebe es auch solche, in denen die Lage vergleichsweise stabil sei. Die Zentralregierung sei häufig nicht fähig, ihre Schutzverantwortung effektiv wahrzunehmen. Afghanistan habe weiter mit Krieg, Armut und Korruption zu kämpfen.

Aktuell ist Bayern das einzige Bundesland, das grundsätzlich alle ausreisepflichtigen Afghanen abschiebt. Die übrigen Bundesländer dagegen halten an Einschränkungen für Abschiebungen nach Afghanistan fest und fliegt aktuell nur oder vorrangig sogenannte Gefährder oder Straftäter nach Kabul aus.

sam/se (afp, ape, dpa, rtr)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema