Taiwan drängt in die WHO - nach Corona | Aktuell Asien | DW | 18.05.2020
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Multilateralismus

Taiwan drängt in die WHO - nach Corona

Bei der WHO-Versammlung in dieser Woche ist Taiwan nicht dabei, obwohl es Corona so wirkungsvoll ausgebremst hat wie kaum ein anderes Land. Der Inselstaat will mit Nachdruck für seine Aufnahme werben - aber erst später.

Taiwan Taipeh | Coronavirus | Soldaten, Desinfektion (picture-alliance/AP Photos/C. Ying-Ying)

Auch wenn es ernst aussieht: Dieser Desinfizier-Einsatz der taiwanesischen Armee im März war nur eine Übung

Taiwan hat seine Bemühungen, zumindest einen Beobachterstatus bei der Weltgesundheitsorganisation WHO zu erhalten, auf einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr verschoben. Der asiatische Inselstaat ersucht seit längerem um Aufnahme in die multilaterale Organisation - die stets von China verhindert wird. Taiwan hatte angesichts seiner international gelobten Strategie bei der Eindämmung der Corona-Pandemie offensiver um seine Aufnahme geworben. Mithilfe hoher Testkapazitäten und rigoroser Kontaktverfolgung, auch anhand digitaler Technik, hat das Land den Corona-Ausbruch nach gut 400 gemeldeten Infektions- und sieben Todesfällen unter Kontrolle.

"WHO hat sich Chinas Druck gebeugt"

"Trotz all unserer Bemühungen und einer nie dagewesenen Maß an internationaler Unterstützung hat Taiwan keine Einladung erhalten, sich zu beteiligen", beklagte Außenminister Joseph Wu. Sein Ministerium äußere "großes Bedauern und starke Unzufriedenheit, dass sich das Sekretariat der WHO dem Druck der chinesischen Regierung gebeugt hat und das Recht der 23 Millionen Taiwanerinnen und Taiwaner auf Gesundheit weiter ignoriert". Taiwan hat offiziell Protest gegen die nicht erfolgte Einladung eingelegt, gleichzeitig aber angekündigt, erst nach der Jahresversammlung weiter um seine Aufnahme zu werben.

Taiwan Produktion von Schutzmasken (DW/Phoebe Kong)

Inzwischen exportiert Taiwan Schutzmasken, um anderen Ländern zu helfen

Wegen der Corona-Pandemie steht die WHO derzeit so stark unter Beobachtung wie wohl noch nie zuvor. Ebenfalls wegen der Pandemie hat sie ihre Jahresversammlung ins Netz verlagert und auf zwei statt sechs Tage verkürzt. Corona dürfte wohl auch das alles beherrschende Thema werden. Daneben ist auch die Finanzierung der WHO ein Dauerthema - zuletzt durch die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Beiträge der USA empfindlich zu kürzen.

Spielball für USA und China

Nun droht Taiwans Aufnahmegesuch zu einem weiteren Feld des geopolitischen Streits zwischen USA und China zu werden: Die USA haben Verbündete zusammengetrommelt, die eine Aufnahme Taiwans unterstützen. Auch Deutschland trägt diese Position mit. Allerdings unterhalten fast alle Staaten der Welt nur inoffizielle Verbindungen zu Taiwan, weil China nicht duldet, dass Drittstaaten gleichzeitig diplomatische Kontakte nach Peking und Taipeh pflegen. Die Volksrepublik China betrachtet Taiwan, das offiziell "Republik China" heißt, als abtrünnige Provinz und hatte zuletzt immer unverhohlener mit einer gewaltsamen Wiedereingliederung gedroht.

ehl/kle (afp, dpa, ap)

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