Türkisches Gericht entscheidet über Freilassung von US-Pastor Brunson | Aktuell Welt | DW | 11.10.2018
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Menschenrechte

Türkisches Gericht entscheidet über Freilassung von US-Pastor Brunson

Kommt der in der Türkei inhaftierte Geistliche Andrew Brunson jetzt frei? Einiges deutet darauf hin. Klar ist jedenfalls: Der Streit mit den USA hat verheerende Auswirkungen auf die türkische Wirtschaft. 

Der international beachtete Prozess gegen den seit fast zwei Jahren in der Türkei festgehaltenen amerikanischen Pastor Andrew Brunson (Archivbild, M.) wird an diesem Freitag fortgesetzt. Sein Anwalt Ismail Cem Halavurt erwartet, dass der Hausarrest aufgehoben wird und sein Mandant ausreisen darf, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. Der Fall hatte eine schwere Krise zwischen den beiden NATO-Verbündeten USA und Türkei ausgelöst. 

Brunson war im Oktober 2016 wegen Terrorvorwürfen in der Türkei festgenommen und wenig später verhaftet worden. Ende Juli hatte ein Gericht die Untersuchungshaft in Hausarrest umgewandelt. Dem Pastor werden Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Gülen-Bewegung sowie Spionage vorgeworfen. Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Die Staatsanwaltschaft fordert bis zu 35 Jahre Gefängnis für Brunson. 

Brusons Wohnung wird schwer bewacht (picture-alliance/AP Photo/E. Tazegul)

Brusons Wohnung wird schwer bewacht

Der US-Sender NBC berichtete am Donnerstag unter Berufung auf hochrangige Regierungsvertreter von einer "geheimen Vereinbarung", die den Weg für die Rückkehr Brunsons in die USA ebne. Bei der Gerichtsverhandlung werde demnach erwartet, dass bestimmte Vorwürfe gegen den Geistlichen fallengelassen würden. NBC berichtete, die Einzelheiten der Vereinbarung seien unklar. 

Mit dem Fall vertraute Personen sagten aber, sie beinhalte eine Zusage der USA, wirtschaftlichen Druck von der Türkei zu nehmen. Die Regierung von Präsident Donald Trump sei jedoch nicht vollständig überzeugt davon, dass die Türkei der Vereinbarung folgen werde. Grund dafür sei, dass die Regierung in Ankara bereits vor Monaten kurz vor einer entsprechenden Zusage gestanden habe. Allerdings hat sich die wirtschaftliche Lage in der Türkei seitdem deutlich verschlechtert. 

Vizepräsident Mike Pence (Archivbild) (picture-alliance/dpa/E. Vucci)

Vizepräsident Mike Pence (Archivbild)

US-Vizepräsident Mike Pence bestätigte gegenüber Journalisten keine solche Vereinbarung, äußerte sich aber optimistisch, dass das Gericht Brunson freilassen werde. Eine Sprecherin des Außenministeriums erklärte, sie wisse nichts von einer Vereinbarung, sei aber hoffnungsvoll.  

Um den Pastor freizubekommen, hatten die USA im August Sanktionen und Strafzölle gegen die Türkei verhängt. Die türkische Landeswährung Lira brach daraufhin auf historische Tiefstände ein. Trump forderte mehrfach persönlich die Freilassung des Pastors. Vergangene Woche legte Brunsons Anwalt Halavurt beim Verfassungsgericht in Ankara Einspruch gegen Hausarrest und Ausreisesperre ein. Er bezeichnete diese als "rechtswidrig". Brunson war vor seiner Festnahme Pastor in einer evangelikalen Kirche im westtürkischen Izmir.

stu/rb (dpa, afp, ap, rtr)