Türkischer Vergeltungsangriff in Syrien | Aktuell Welt | DW | 03.02.2020
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Syrien-Konflikt

Türkischer Vergeltungsangriff in Syrien

Nach der Tötung von fünf ihrer Soldaten in der syrischen Rebellenhochburg Idlib hat die türkische Armee einen Gegenangriff gestartet. Laut Verteidigungsminister Akar wurden dabei 76 syrische Soldaten "neutralisiert".

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Erdogan: "30 bis 35 Syrer neutralisiert"

Die syrische Armee hat bei ihrem Vormarsch auf die letzte größere Rebellen-Hochburg in der nordwestsyrischen Provinz Idlib nach Angaben der Regierung in Ankara fünf türkische Soldaten getötet. Sieben weitere seien verletzt worden, einer von ihnen schwer, teilte das Verteidigungsministerium mit. Zudem sei ein ziviler Mitarbeiter des Militärs bei dem Beschuss ums Leben gekommen. Die Soldaten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hätten angegriffen, obwohl sie zuvor auf die Stellungen der türkischen Kräfte hingewiesen worden seien. 

Türkei startet Gegenoffensive

Die türkischen Truppen hätten auf den Angriff mit einer Gegenoffensive reagiert, so das Ministerium weiter. Nach Auskunft von Ressortchef Hulusi Akar wurden 54 Ziele unter Beschuss genommen. 76 syrische Soldaten seien "neutralisiert" worden. Die Nachrichtenagentur Anandolu berichtete, die türkische Führung habe die russische Regierung über den Zwischenfall informiert. Der Kreml ist ein Verbündeter Assads. 

Die Assad-Truppen rücken mit Unterstützung der russischen Luftwaffe vor und haben bereits Dutzende Ortschaften eingenommen, darunter auch die wichtige Stadt Maarat al-Numan. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht, und die Türkei, die bereits 3,6 Millionen Syrer aufgenommen hat, fürchtet einen weiteren Zustrom von Flüchtlingen aus dem Nachbarland im Süden.

Syrische Soldaten in der eroberten Stadt Maarat al-Numan (Foto: picture-alliance/Photoshot/Maher)

Syrische Soldaten in der eroberten Stadt Maarat al-Numan

Maarat al-Numan liegt nur etwa 30 Kilometer von der Provinzhauptstadt Idlib und etwa 50 von der türkischen Grenze entfernt. Das türkische Verteidigungsministerium warnte vor Angriffen auf türkische Stellungen in Idlib. Die Türkei hatte in der Region zwölf Beobachtungsposten errichtet, Basis dafür ist das De-Eskalationsabkommen von 2018. Ankara unterstützt in dem Konflikt syrische Rebellen. Die Regierung in Damaskus wird unter anderem von Russland und Iran unterstützt. Eigentlich war in der Region ein Waffenstillstand ausgerufen worden. Die syrische Regierung und Russland hatten aber bereits bei früheren Waffenruhen und Militäroperationen betont, weiter gegen die Rebellen - von Damaskus "Terroristen" genannt - vorzugehen. 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (Foto: picture-alliance/dpa/M. Aktas)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte erst am Freitag mit einer Militäroffensive im Nordwesten Syriens gedroht, sollte die Lage in Idlib nicht sofort geklärt werden. "Wir werden tun, was nötig ist, wenn jemand unser Territorium bedroht", sagte er in Ankara. Das schließe den Einsatz des Militärs ein. Erdogan betonte  weiter, sein Land werde keine Wahl haben und müsse notfalls dieselben Schritte unternehmen wie zuvor. Er spielte damit auf die Offensive im Nordosten Syriens an, wo das türkische Militär im Oktober seinen Angriff auf die Kurden-Miliz YPG begonnen hat. Seine Regierung werde keine neuen Bedrohungen in der Nähe der Landesgrenze zulassen, selbst wenn das einen Militäreinsatz auf syrischem Boden bedeute, wie dies bereits dreimal geschehen sei.

sti/kle (afp, dpa, rtr)

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