Türkische TV-Journalistin Kabas in U-Haft | Aktuell Europa | DW | 23.01.2022
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Pressefreiheit

Türkische TV-Journalistin Kabas in U-Haft

Wegen kritischer Äußerungen über Staatschef Erdogan ist in der Türkei eine populäre Fernsehjournalistin festgenommen worden. Der Vorwurf gegen Sedef Kabas lautet: Präsidentenbeleidigung.

Türkei Sedef Kabas

Festgenommen: Sedef Kabas (52)

Sedef Kabas wurde am Samstag in ein Gefängnis in Istanbul gebracht, wie ihr Anwalt bestätigte. Die bekannte TV-Journalistin wurde einem Gericht vorgeführt, das ihre Inhaftierung wegen "Beleidigung des Präsidenten" formal bestätigte. Das ist in der Türkei ein Straftatbestand, der mit Haftstrafen zwischen einem und vier Jahren geahndet wird.

Die 52-Jährige hatte am Freitag in einer Fernsehsendung bei "Tele 1" das harte Durchgreifen der Regierung in Ankara gegen Kritiker angeprangert. "Wenn ein Ochse in einen Palast geht, wird er kein König, sondern der Palast wird zum Stall", hatte Kabas später auf Twitter ein Sprichwort zitiert, ohne jedoch konkret eine Person oder einen Ort zu benennen. In dem Kurznachrichten-Dienst folgen ihr fast 900.000 Menschen.

"Dieses Fehlen von Moral"

"Eine sogenannte Journalistin hat glattweg unseren Präsidenten beleidigt, das hat kein anderes Ziel, als Hass zu verbreiten", twitterte Erdogans Sprecher Fahrettin Altun. "Ich verurteile diese Arroganz, dieses Fehlen von Moral auf das Schärfste", fügte er hinzu. Die türkische Medienaufsicht RTUK startete indes nach eigenen Angaben eine separate Untersuchung gegen "Tele 1" wegen "inakzeptabler Aussagen gegen unseren Präsidenten".

Türkei | Recep Tayyip Erdogan

Beleidigt? Recep Tayyip Erdogan (67)

Die türkische Journalistengewerkschaft TGS erklärte, Kabas' Festnahme sei "ein schwerer Angriff auf die Pressefreiheit". Der Verband prangert immer wieder Einschränkungen der Pressefreiheit in der Türkei an, insbesondere seit dem Putschversuch 2016.

Kabas' Anwalt kündigte an, er werde Beschwerde gegen die "unrechtmäßige" Entscheidung einlegen. "Wir hoffen, dass die Türkei bald zur Rechtsstaatlichkeit zurückkehren kann."

wa/ack (afp, dpa)

Die Redaktion empfiehlt