Türkische Hackerangriffe auf Griechenland? | Europa | DW | 04.05.2018
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Cyber-Attacke

Türkische Hackerangriffe auf Griechenland?

Cyber-Attacken belasten die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei. Griechische Experten schlagen Alarm und warnen vor weiteren Angriffen.

Computer mit Binärcode (picture-alliance/dpa/O. Berg)

Cyber-Attacke - Türken hacken Griechen

Schon fast routinemäßig erscheint die Reaktion des griechischen Außenministeriums am Donnerstag: "Cyber-Angriffe werden von den zuständigen Stellen sofort neutralisiert. Zu keinem Zeitpunkt wurde die Webseite des Ministeriums außer Kraft gesetzt" heißt es lapidar. Was war geschehen? Am Vortag hatte die türkische Hackergruppe Akincilar (zu Deutsch: Invasoren) nach eigenen Angaben die Webseite des Athener Außenministeriums angegriffen und zudem ein Video publiziert, das ihre Aktion dokumentiert. Davor war die Webseite der griechischen Nachrichtenagentur ANA ebenfalls gehackt worden. Die Athener Journalistengewerkschaft ESIEA verurteilte den Cyberangriff aufs Schärfste und erklärte sich zudem solidarisch mit den türkischen Journalisten, die für die Pressefreiheit im Nachbarland kämpfen. 

Im TV-Sender Skai erklärten die türkischen Hacker ihrerseits, die Cyber-Attacken seien eine Antwort auf die Weigerung Athens, die im Juli 2016 nach Griechenland geflüchteten türkischen Offiziere auszuliefern. "Wir sind aktiv gegen Kräfte, die unsere nationale Einheit bedrohen. Solange Griechenland auf seiner heutigen Linie beharrt, werden die Angriffe weitergehen" sagte ein Mitglied der Hackergruppe. In Athen wird über die Identität der Täter gemunkelt. "Ich denke, es sind keine einfachen Bürger, sondern Agenten des türkischen Staates. Das ist doch ganz klar" glaubt Angelos Syrigos, Politikwissenschaftler und ehemaliger Generalsekretär im Athener Innenministerium.

Angst vor weiteren Angriffen

Noch gebe es keinen Beleg dafür, dass tatsächlich organisierte Strukturen hinter den jüngsten Hackerangriffen stehen, meint Jorgos Tzogopoulos, Dozent für Internationale Beziehungen an der Universität Thrakien. Trotzdem sei die griechische Regierung gut beraten, ihre Aufmerksamkeit für das Thema Cyber-Sicherheit zu erhöhen.  "Sowohl in der EU, als auch in den USA genießt dieses Thema Priorität, allein schon wegen der zunehmenden Aktivitäten Russlands im Netz" mahnt der Politikwissenschaftler im Gespräch mit der DW. Doch leider hinke Griechenland in diesem Bereich immer noch hinterher, fügt er hinzu.  

Außenministerium in Athen (DW/I. Anastassopoulou)

Ziel türkischer Hacker - das griechische Außenministerium in Athen

Diese Auffassung teilt auch IT-Sicherheitsberater Kostas Vavoussis. "Wir wissen, dass die Türkei über eine starke Cyber-Armee verfügt. Griechenland soll endlich in seine eigene Cyber-Sicherheit investieren", sagte der Experte dem TV-Sender Antenna. Die Politik hält sich vorerst mit Kommentaren zurück. Experten befürchten, dass die Cyber-Angriffe weitergehen. Jedenfalls seien derartige Vorfälle symptomatisch für eine deutliche Verschlechterung der Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei, sagt Politikwissenschaftler Tzogopoulos.

Griechische Hacker wollen zurückschlagen

Und prompt soll es am Donnerstag zu einem angeblichen Gegenschlag gekommen sein: Griechische Hacker von Anonymous haben nach eigenen Angaben Server von Türk Telekom attackiert und die Webseite des Senders 24TV Live stundenlang lahmgelegt. Kurz vor den türkischen Wahlen würden die Angriffe weitergehen, erklärten die griechischen Hacker.

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