Türkei soll Aufnahmen von Ermordung Khashoggis haben | Aktuell Europa | DW | 12.10.2018
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Saudi-Arabien

Türkei soll Aufnahmen von Ermordung Khashoggis haben

Die Türkei besitzt Aufnahmen von der Ermordung und Zerstückelung des Journalisten Khashoggi durch saudische Sicherheitsbeamte, berichtet die "Washington Post". Der Umgang mit dem Material ist demnach jedoch vertrackt.

Das saudische Konsulat in Istanbul(picture-alliance/AA/E. Yorulmaz)

Das saudische Konsulat in Istanbul

Ein Zeitungsbericht mit höchst brisanten Schilderungen zum Fall des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi scheint den Verdacht gegen die saudische Staatsführung zu erhärten. Laut der "Washington Post" existieren angeblich Ton- und Videoaufnahmen, die belegen sollen, dass Khashoggi vor eineinhalb Wochen im saudischen Konsulat ermordet wurde. 

Das Blatt, für das Khashoggi in der Vergangenheit selbst schrieb, beruft sich dabei auf Informationen türkischer und amerikanischer Offizieller. Demnach scheut die türkische Seite eine Veröffentlichung der Aufnahmen, um nicht zu offenbaren, wie Einrichtungen ausländischer Staaten in der Türkei ausspioniert werden. Unklar sei deshalb auch, inwiefern amerikanische Stellen das angebliche Beweismaterial selbst einsehen durften. Die türkische Regierung habe US-Regierungsvertretern aber versichert, im Besitz kompromittierender Aufnahmen zu sein, die keinen Zweifel an der Mordthese lassen. Die Aufnahmen sollen dem Bericht zufolge zeigen, wie saudische Sicherheitsbeamte Khashoggi gefangen nehmen, töten und seine Leiche zerstückeln.

Jamal Khashoggi Ende September in London (Reuters/Middle East Monitor)

Jamal Khashoggi Ende September in London

Khashoggi (59) hatte am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul betreten, um Papiere für seine Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen. Seitdem wird er vermisst. Saudi-Arabien weist den Vorwurf zurück, dass der Regimekritiker im Konsulat ermordet worden sei, und hat eine Aufklärung des Falls versprochen. Khashoggi war vor mehr als einem Jahr aus Angst vor politischer Verfolgung ins US-Exil gegangen. Dort schrieb er unter anderem Artikel für die "Washington Post". Der Journalist begrüßte zwar grundsätzlich die Reformen des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, kritisierte aber dessen zunehmend autoritäre Herrschaft. 

"Gemeinsame Ermittlungen"

Äußerungen aus Riad und Ankara klingen allerdings ganz anders als der Bericht der "Washington Post": Offiziell wollen die Türkei und Saudi-Arabien in dem Fall gemeinsam ermitteln. Man werde den Fall "in all seinen Facetten" in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe beleuchten und aufklären, sagte der türkische Präsidentensprecher Ibrahim Kalin der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. 

Das Bild einer Überwachungskamera zeigt, wie Khashoggi das saudische Konsulat betritt (Reuters TV)

Das Bild einer Überwachungskamera zeigt, wie Khashoggi das saudische Konsulat betritt

Gleichzeitig wies die Türkei Angaben von US-Präsident Donald Trump zurück, wonach US-Ermittler die türkischen Behörden unterstützen. "Die Information, dass die USA einen Ermittler ernannt haben, ist falsch", berichtete Anadolu unter Berufung auf diplomatische Kreise. US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag dem Sender Fox News gesagt, dass die USA herausfinden wollten, was passiert sei. "Wir haben Ermittler dort drüben, die mit der Türkei arbeiten, und ehrlich gesagt arbeiten wir auch mit Saudi-Arabien." 

Drohung mit Sanktionen

Unterdessen drohte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im US-Senat Saudi-Arabien mit Sanktionen. Sollte das Königreich hinter dem Verschwinden und vermuteten Mord stecken, müssten Strafmaßnahmen gegen die höchste Ebene der saudiarabischen Regierung verhängt werden, sagte der Republikaner Bob Corker. Der US-Kongress werde kein Waffengeschäft an Saudi-Arabien mehr passieren lassen.

US-Präsident Donald Trump lehnte es ab, Investitionen Saudi-Arabiens in den USA zu untersagen. Der Golfstaat würde dann sein Geld lediglich in Russland oder China anlegen, sagte Trump. 

stu/rb (dpa, rtr, afp)
 

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