Türkei sieht sich durch saudische Aussagen zu Khashoggis Tod beleidigt | Aktuell Welt | DW | 22.10.2018
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Fall Khashoggi

Türkei sieht sich durch saudische Aussagen zu Khashoggis Tod beleidigt

Riad gerät durch gezielte Indiskretionen von türkischer Seite weiter unter Druck. In regierungsnahen Medien ist von Telefonaten aus dem Umfeld des Kronprinzen mit dem Konsulat am Tag von Khashoggis Verschwinden die Rede.

 Jamal Khashoggi Istanbul Polizei Tiefgarage (Reuters/H. Aldemir)

Neue Spur? Ein in einer Tiefgarage entdecktes Fahrzeug des saudischen Konsulats wird durchsucht

Ein Berater des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wies die Darstellung Saudi-Arabiens zurück, der Journalist Jamal Khashoggi sei bei einer Schlägerei im saudischen Konsulat in Istanbul, bei der es sich um eine eigenmächtige Aktion Einzelner gehandelt haben soll, unbeabsichtigt zu Tode gekommen. "Man kann sich nur darüber wundern, wie es zwischen 15 jungen, gut trainierten Kämpfern und einem 60 Jahre alten Khashoggi, allein und wehrlos, zu einem Faustkampf gekommen sein soll", sagte Yasin Aktay der regierungsnahen Zeitung "Yeni Safak". Saudi-Arabien beleidige damit die Intelligenz seiner Gesprächspartner.

Verdächtiges Telefonat

Die Zeitung "Yeni Safak" berichtet zudem von einem Telefonat am Tag von Khashoggis Verschwinden, das den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman weiter unter Druck setzen könnte. Demnach hat der Leiter des saudischen Kommandos, das für Khashoggis Tod verantwortlich sein soll, viermal den Bürochef des Kronprinzen angerufen. Das Telefonat soll vom Büro des Generalkonsuls aus und nach dem mutmaßlichen Mord an Khashoggi geführt worden sein.

Falsche Fährte mit Khashoggi-Double?

AKP-Sprecher Ömer Celik bezeichnete vor Journalisten in Ankara den Tod Khashoggis als "brutal geplanten Mord", den die Saudis mit viel Mühe zu vertuschen suchten. Er bezog sich dabei auch auf ein von CNN verbreitetes Video einer Überwachungskamera, die einen als Khashoggi verkleideten Mann in Istanbul zeigen soll, nachdem der Journalist verschwunden war. 

 Jamal Khashoggi Istanbul Videostill (Reuters)

Sreenshot aus dem Video

CNN strahlte die Aufnahmen aus und zitierte türkische Behördenangaben, dass es sich bei dem Mann um ein Double gehandelt habe. Das Double soll dem Team angehört haben, das für das Attentat nach Istanbul geschickt worden sein soll. Der Mann soll über den Hinterausgang des Konsulats in Istanbul mit einem Komplizen nach draußen gegangen sein.

Neue Spur?

Die türkische Polizei hat im Istanbuler Stadtteil Sultangazi, 15 Kilometer vom Tatort entfernt, ein Fahrzeug des saudischen Konsulats in einer Tiefgarage sichergestellt. Das Parkhaus wurde abgesperrt, Spurensicherer sind vor Ort. Die Ermittler hätten nach dem Fund des schwarzen Mercedes von der Staatsanwaltschaft und dem Konsulat Saudi-Arabiens die Genehmigung zur Durchsuchung des Wagens erbeten, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Keine deutschen Waffen mehr für die Saudis? 

Deutschland stellt nach dem Tod des regierungskritischen Journalisten auch die Auslieferung bereits genehmigter Rüstungsexporte an Saudi-Arabien infrage. Solange keine Klarheit über die Todesumstände herrsche, gebe es keine Grundlage für die Genehmigung neuer Rüstungsausfuhren, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Unklar blieb zunächst, ob die Bundesregierung auch andere Wirtschaftssanktionen gegen Saudi-Arabien erwägt. "Ich kann Ihnen von solchen Plänen hier nicht berichten", sagte Seibert. Zunächst gehe es darum, dass die Tötung Khashoggis umfassend und glaubwürdig aufgeklärt werde. "Alles Weitere wird danach zu besprechen sein - sowohl in der Bundesregierung als auch mit den europäischen Partnern und auch mit den G7-Partnern."

Die Bundesregierung bestellte am Montag den saudischen Botschafter ein, um ihm die deutsche Position zu verdeutlichen, wie das Auswärtige Amt mitteilte.

Der Fall Khashoggi überschattet auch eine für Dienstag in Riad geplante Wirtschaftskonferenz, auf der das Königreich um ausländische Investoren werben will. Wie zuvor bereits andere Vertreter aus Politik und Wirtschaft sagte am Montag auch Siemens-Chef Joe Kaeser seinen Besuch ab.

Die USA können sich weiterhin nicht zu einer klaren Position durchringen. Jared Kushner, Berater und Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, sagte, man befinde sich weiter bei der Analyse der Faktenlage zum Tod Khashoggis.

qu/uh (rtr, dpa, afp)

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