Türkei: Sechs Deutsche in Haft | Politik & Gesellschaft | DW | 05.09.2018
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"Aus politischen Gründen"

Türkei: Sechs Deutsche in Haft

Sechs Deutsche sitzen derzeit "aus politischen Gründen" in Gefängnissen der Türkei. Heute beginnt der Prozess gegen Hüseyin M. Ihm wird "Präsidentenbeleidigung" vorgeworfen.

Deniz Yücel, Mesale Tolu und Peter Steudtner sind nur die prominentesten Deutschen, die zeitweise "aus politischen Gründen" in der Türkei inhaftiert waren. Inzwischen sind sie frei und wieder in Deutschland, aber nach offiziellen Angaben sitzen immer noch sieben deutsche Staatsbürger in türkischen Gefängnissen. Zudem wurde erst am Dienstag ein weiterer deutscher Staatsbürger auf Betreiben der Türkei in Bulgarien festgenommen. Der 44-jährige Mann kommt aus Bonn. Ein türkisches Gericht soll ihn in Abwesenheit wegen angeblicher Tätigkeit in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt haben. Im schlimmsten Fall droht ihm eine Auslieferung in die Türkei.

Bildcombo Yücel Tolu Steudtner (picture-alliance/dap/Zentralbild/K. Schindler/privat/TurkeyRelease Germany)

Zeitweise inhaftiert, mittlerweile wieder auf freiem Fuß: Deniz Yücel, Mesale Tolu und Peter Steudtner

Von den sieben noch immer in der Türkei inhaftierten Deutschen sind sechs namentlich bekannt. Drei von ihnen besitzen die doppelte Staatsbürgerschaft. Zu dem siebten Fall gibt es bisher keine Informationen. 

Ilhami A.

Der Hamburger Taxifahrer ist 46 Jahre alt. Er wurde Mitte August in der osttürkischen Provinz Elazig verhaftet. Der Vorwurf lautet Propaganda für die PKK, die in der Türkei und der EU als Terrororganisation gilt.

Hozan Cane

Die kurdischstämmige Sängerin mit dem Künstlernamen Hozan Cane wurde im westtürkischen Edirne nach einer Wahlkampfveranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP festgenommen. Die Frau aus Köln ist Mitte 40 und unterstützte die HDP. Vor den Wahlen Ende Juni hielten die Polizisten einen Bus der Partei an und nahmen sie fest. Ihr wird darüber hinaus auch die Mitgliedschaft in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorgeworfen.

Dennis E.

In diesem Fall geht es um Facebook-Posts und auch um den Vorwurf der Terrorpropaganda für die PKK. Der 55-Jährige aus Hamburg wurde Ende Juli bei einem Besuch im südtürkischen Iskenderun festgenommen. Dort ist er auch inhaftiert.

Adil Demirci

Demirci kommt aus Köln. Der Sozialarbeiter, Anfang 30, wurde Mitte April in Istanbul festgenommen. Er arbeitete aus Deutschland als freier Mitarbeiter für die linke Nachrichtenagentur Etha, für die auch Mesale Tolu tätig war. Wie Tolu wird Demirci Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei vorgeworfen. Die MLKP gilt in der Türkei als Terrororganisation. 

Patrick K.

Der jüngste Inhhaftierte ist Patrick K. Der 29-Jährige aus Gießen war Mitte März nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu im türkisch-syrischen Grenzgebiet festgenommen worden. Anadolu schreibt, er habe sich in Syrien der Kurdenmiliz YPG anschließen wollen. Nach Angaben seiner Familie war K. zum Wandern in der Türkei. 

Enver Altayli 

Türkei Gefangene Enver Altayli (picture-alliance/dpa/Familie)

Seit mehr als einem Jahr sitzt der Deutschtürke Enver Altayli wegen Terrorvorwürfen in Isolationshaft in Ankara

Der 73-Jährige sitzt schon ein Jahr lang ohne Anklage in Einzelhaft. Seine Familie macht sich Sorgen um seine Gesundheit. Altayli ist Jurist und arbeitete in den 1960er Jahren für den türkischen Geheimdienst MIT. Im August vergangenen Jahres war er in Antalya festgenommen worden, wo die Familie eine Ferienanlage betreibt. Ihm wird die Unterstützung der Gülen-Bewegung vorgeworfen, die in der Türkei als Terrororganisation eingestuft und für den gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich gemacht wird.

 

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