Türkei plant Baubeginn für Istanbul-Kanal | Aktuell Europa | DW | 15.01.2018
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Alternative zum Bosporus

Türkei plant Baubeginn für Istanbul-Kanal

Es ist ein ehrgeiziges Mammut-Projekt mit wirtschaftlicher Bedeutung: der Istanbul-Kanal. Die türkische Regierung stellte die Pläne des umstrittenen Projekts vor. Noch im diesem Jahr soll Baubeginn sein.

Pläne zum Verlauf des Schifffahrtskanals sehen nach Angaben des Transportministeriums vor, dass die neue Wasserstraße im Westen parallel zum Bosporus das Marmarameer mit dem Schwarzen Meer verbindet. Das "größte Projekt unseres Landes" solle in öffentlich-privater Partnerschaft verwirklicht werden, sagte Transportminister Ahmet Arslan in Ankara.

Alternative zu langen Wartezeiten

Angaben zu Kosten und zu einem möglichen Eröffnungstermin macht der Minister nicht. Er sagte, der neue Istanbul-Kanal soll der Entlastung des 30 Kilometer langen Bosporus dienen und zusätzliches Geld in die Staatskassen spülen. Derzeit müssen Handelsschiffe erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen, wenn sie die überlastete Meerenge zwischen dem Schwarzen Meer und dem Marmarameer passieren wollen. Die Wasserstraße zwischen Europa und Asien gehört zu den meistbefahrenen Schifffahrtswegen der Welt. Der Bosporus wird jährlich von rund 50.000 Schiffen durchfahren.

Karte Istanbul-Kanal

Der 45 Kilometer lange Kanal soll vom Marmarameer durch den Kücükcekmese-See nach Norden durch den Sazlidere-Stausee verlaufen, um nördlich auf der europäischen Seite der Millionenmetropole, ganz genau genommen in der Ortschaft Durusu, ins Schwarze Meer zu münden. Arslan sagte, Ziel des Kanals sei es, das Risiko zu reduzieren, das von Schiffen mit Gefahrgut für den Bosporus ausgeht. Auch solle er zur "Stadterneuerung" beitragen und die Attraktivität der Metropole erhöhen.

Große Umweltrisiken befürchtet

Der Kanal ist wegen seiner hohen Kosten und seiner Auswirkungen auf die Umwelt jedoch umstritten. Umweltschützer befürchten, dass er das maritime Ökosystem negativ beeinflusst und die Gefahr von Erdbeben in der Region erhöht. Auch werde er weitere Gebiete für die Bebauung erschließen. Zudem gibt es Zweifel, dass sich das Projekt rechnet, da Schiffe umsonst die Passage durch den Bosporus nehmen können. Der türkische Sender NTV berichtete, der Kanal werde Schätzungen zufolge umgerechnet mehr als 14 Milliarden Euro kosten und fünf Jahre Bauzeit beanspruchen.

Erdogan hatte die Pläne für den Kanal erstmals 2011 präsentiert, als er noch Ministerpräsident war. Der Kanal ist eines von Erdogans Projekten, mit denen der einstige Bürgermeister von Istanbul die Infrastruktur der Metropole erneuern will. Eine dritte Bosporus-Brücke sowie Straßen- und Bahntunnel unter der Meerenge wurden bereits verwirklicht, ein dritter Flughafen am Schwarzen Meer soll im Oktober in Betrieb gehen und einer der größten der Welt werden.

sam/hf (AFP, dpa)