Türkei: Lira bricht nach Zinsentscheid ein | Wirtschaft | DW | 24.07.2018
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Währungen

Türkei: Lira bricht nach Zinsentscheid ein

Ein überraschender Verzicht auf eine Zinsanhebung in der Türkei hat zu heftigen Kursreaktionen an den Finanzmärkten des Landes geführt. Staatschef Erdogan ist gegen höhere Zinsen.

Unmittelbar nachdem die Währungshüter den Leitzins unverändert bei 17,75 Prozent belassen hatten, brach der Kurs der türkischen Lira im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro um je mehr als vier Prozent ein. Allerdings erreichte die Lira keine neuen Rekordtiefs zu den beiden Währungen.

Starke Ausschläge gab es auch bei türkischen Staatsanleihen, die in US-Dollar begeben wurden. Hier kam es nach der Zinsentscheidung zu einem deutlichen Kursrückgang, während die Rendite im Gegenzug in der zehnjährigen Laufzeit um 0,23 Prozentpunkte auf 7,06 Prozent zulegte. Auch am türkischen Aktienmarkt kam es zu kräftigen Kursverlusten. Der Leitindex BIST-30 verlor mehr als zwei Prozent.

Galoppierende Inflation

Trotz einer galoppierenden Inflation hatte die türkische Notenbank ihren Leitzins nicht angehoben. Die meisten Experten hatten im Schnitt mit einer Anhebung um 1,0 Prozentpunkte auf 18,75 Prozent gerechnet. Mit Zinserhöhungen versuchen Zentralbanken in der Regel, stark steigende Verbraucherpreise zu dämpfen.

Ökonomen zufolge sind Zinsanhebungen in der Türkei unbedingt nötig, um gegen die Rekordschwäche der Lira und die Inflation anzukämpfen, die mit über 15 Prozent so hoch ist wie seit fast 15 Jahren nicht. Jedoch ist Staatschef Recep Tayyip Erdogan strikt gegen hohe Zinsen, weil er einen Dämpfer für die Wirtschaft fürchtet.

Unabhängigkeit der Zentralbank in Gefahr

Für Unruhe bei Investoren sorgten vor allem Äußerungen Erdogans im Mai vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, im Fall seiner Wiederwahl die Kontrolle über die Geldpolitik zu verstärken. Nach seinem Wahlsieg erteilte sich Erdogan zudem die Befugnis, künftig den Gouverneur der Zentralbank zu bestimmen. Das schürte bei Investoren Sorgen, die Unabhängigkeit der Notenbank könnte in Gefahr geraten. Auch die Berufung seines Schwiegersohns Berat Albayrak zum Finanz- und Wirtschaftsminister nach den Wahlen vom 24. Juni beunruhigte die Märkte.

ul/dk (dpa, afp, rtr)