Türkei lässt Deutschen in Bulgarien verhaften | Aktuell Europa | DW | 04.09.2018
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Interpol

Türkei lässt Deutschen in Bulgarien verhaften

Der Vorgang erinnert an den Fall des Kölner Schriftstellers Dogan Akhanli: In Bulgarien ist ein deutscher Staatsbürger auf Betreiben der Türkei festgenommen worden. Ihm soll die Auslieferung in die Türkei drohen.

Gefängnis in Varna Bulgarien (BGNES)

Gefängnis in der bulgarischen Schwarzmeer-Stadt Warna

Nach Informationen von WDR und NDR ist der in Bonn lebende Mehmet Y. aufgrund eines Fahndungsaufrufs aus der Türkei von den bulgarischen Behörden festgenommen worden. Der 44-Jährige sitze in der bulgarischen Schwarzmeer-Stadt Warna in Untersuchungshaft. Das Auswärtigen Amts bestätigte den Fall. Die Botschaft in der bulgarischen Hauptstadt Sofia betreue den Mann konsularisch, hieß es.

Wie die beiden Rundfunksender WDR und NDR berichten, hatte die Türkei Y. mit einer sogenannten Interpol-"Red Notice" weltweit suchen lassen. Nach Recherchen beider Sender arbeitet er als Flüchtlingsbetreuer in einer kirchlichen Einrichtung in Bonn. Er sei in den vergangenen Jahren mehrfach innerhalb Europas gereist, aber vor seiner Festnahme laut seiner Familie noch nie in Bulgarien gewesen. Auch über das Interpol-Gesuch sei er nicht informiert gewesen. Der Fahndungsaufruf sei mit einer Verurteilung in der Türkei begründet. Das gehe aus dem Verhaftungsprotokoll hervor.

Y. soll in der Türkei verurteilt worden sein

Ein türkisches Gericht hatte Y. demnach wegen angeblicher Tätigkeit in der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in Abwesenheit zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Er sei vor der Strafverfolgung nach Deutschland geflohen und habe hier im Jahr 2001 Asyl erhalten. 2009 sei er in Deutschland eingebürgert worden. Die türkischen Behörden hätten ihn danach aber nicht aus der Staatsbürgerschaft entlassen. Er besitze deshalb sowohl einen deutschen als auch einen türkischen Pass.

Laut seinem Anwalt soll er am Mittwoch dem Haftrichter in Bulgarien vorgeführt werden. Im schlimmsten Fall drohe Y. eine Auslieferung in die Türkei. Weder das Bundeskriminalamt noch Interpol oder das Justizministerium als beteiligte Behörden äußerten sich auf Anfragen der Sender. Bulgarien hat in der Vergangenheit Türken, die in ihrem Heimatland eine PKK-Mitgliedschaft oder Nähe zur Gülen-Bewegung vorgeworfen wird, meist an das Nachbarland ausgeliefert. Die türkische Führung macht den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen für den gescheiterten Putsch von 2016 verantwortlich.

Parallelen zum Fall Akhanli

Der Fall erinnert an den des Kölner Schriftstellers Dogan Akhanli, der auf Betreiben der Türkei im vergangenen Jahr in Spanien wegen angeblicher Beteiligung an Straftaten festgesetzt worden war. Erst nach zwei Monaten konnte er nach Deutschland zurückkehren.

ww/uh (afp, dpa, WDR, NDR)

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