Türkei: Islamische Banken immer beliebter | Wirtschaft | DW | 25.10.2013
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Wirtschaft

Türkei: Islamische Banken immer beliebter

Glauben, Gott und Geld. Passt das zusammen? Ja, sagen Banken, die nach islamischen Prinzipien wirtschaften. In der Türkei werden sie immer populärer - auch wenn das nicht jeder begrüßt.

Islamische Banken - sogenannte Beteiligungsbanken - werden in der Türkei immer populärer. Die Statistik der türkischen Vereinigung der Beteiligungsbanken (TKBB) zeigt: Seit 2006 wuchs das islamische Bankwesen in der Türkei um 25 bis 30 Prozent pro Jahr. Zu Beginn dieses Jahres gab es rund 800 Niederlassungen, mittlerweile sind es schon mehr als 900. Vier Banken sind es, die diesen Markt bedienen. Drei von ihnen stammen aus der Golfregion. Klangvolle Namen haben sie alle: "Bank Asya", "Türkiye Finans", "Kuveyt Türk" und "Albaraka Türk".

Keine Zinsen, aber Gewinne

Die Beteiligungsbanken richten sich nach islamischem Recht. Laut Koran sind Zinsen nämlich verboten - man darf sie weder verlangen noch zahlen. Islamische Banken können somit keine verzinsten Kredite vergeben, wie es andere Banken tun. Erlaubt ist jedoch die Ausschüttung von Gewinnen: Die Beteiligungsbanken sammeln Kapital im Rahmen von Gewinn- und Verlustbeteiligungsverträgen ein.

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Allahs Banker – Islamic Banking als ethische Alternative?

Somit verleihen sie kein Geld, sondern machen ihre Kunden zu Teilhabern. Die Erträge erwirtschaften die Beteiligungsbanken dann aus dem Handel mit Gütern oder Imobilien. Die Beziehung mit dem Kunden ist damit eine Handelsbeziehung. Islamische Anleihen werden im islamischen Bankwesen als "Sukuks" bezeichnet.

"Wir sind sehr nah an unseren Kunden dran und wir wissen genau, wozu unser Geld verwendet wird. In herkömmlichen Bankinstituten kann der Kreditnehmer das Geld verwenden, wann und wofür auch immer er möchte. Der Geldfluss ist undurchsichtiger. Die Konten bei uns sind Partnerschaften. Diese Konten können nur Gewinn erzielen, wenn die Bank Profit erzielt. Wenn die Bank Verlust erleidet, muss das Konto diesen Verlust mittragen", so Osman Akyüz im DW-Gespräch. Daher könne ein gläubiger Muslim von diesem Bankensystem reinen Gewissens Gebrauch machen, sagt der Generalsekretär der türkischen Vereinigung der Beteiligungsbanken.

Islamisieren die Banken das Land?

Osman Akyüz, Generalsekretär der türkischen Vereinigung der Beteiligungsbanken mit Sitz in Istanbul (Foto: DW/Senada Sokollu)

Osman Akyüz, Generalsekretär der TKBB

Die Regierung der Türkei nutzt die islamische Finanzierung bereits seit den späten 1980er Jahren, damals wurde die noch angeboten von privaten Finanzinstitutionen. Diese wurden dann im Jahr 2006 offiziell als Beteiligungsbanken anerkannt. Im Jahr 2010 habe das Bankinstitut "Kuveyt Türk" die erste islamische Staatsanleihe des Landes ausgestellt, so Akyüz. "Vergangenes Jahr vergab die Regierung "Sukuks" im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Dollar auf dem internationalen Markt. Dieses Jahr waren es bereits 3,3 Milliarden Dollar", erklärt Akyüz. In den kommenden Jahren solle das Geschäft der Beteiligungsbanken weiter stark wachsen.

Säkulare Türken befürchten durch den Aufstieg des islamischen Bankwesens eine stärkere Islamisierung der Türkei. Die seit rund zehn Jahren regierende Partei AKP unter Premierminister Recep Tayyip Erdogan geriet des Öfteren aufgrund ihrer islamisch-konservativen Ausrichtung in die Kritik. Die Erweiterung des islamischen Bankensystems habe jedoch nichts mit einer Islamisierung der Türkei zu tun, argumentiert Akyüz. "Es ist eine wirtschaftliche Aktivität. Wir nennen es eben Beteiligung und es spricht die islamische Welt an", so der Generalsekretär. In der Welt der Finanzen gebe es ohnehin keine jüdische, christliche oder muslimische Finanzierung, betont Akyüz.

Türkei ist auf ausländisches Kapital angewiesen

Für den Wirtschaftsexperten und Ökonomen Mustafa Sönmez beeinflusst das islamische Bankenwesen weder die politische noch die wirtschaftliche Situation in der Türkei nennenswert, da es lediglich einen geringen Anteil von rund fünf Prozent am türkischen Bankensektor hat. "Die Türkei benötigt ausländisches Kapital", sagt Sönmez. "Ganz egal, ob das Kapital von christlicher oder islamischer Seite kommt. Die Türkei will selbstverständlich davon profitieren, ein islamisches Land zu sein", sagt Sönmez im DW-Gespräch.

Mustafa Sönmez, Ökonom und Wirtschaftsjournalist (Foto: privat)

"Die Türkei will davon profitieren, ein islamisches Land zu sein": Mustafa Sönmez

"Sie richtet sich gezielt an die Länder, die Petrodollar besitzen. Die will sie dazu bringen, in der Türkei zu investieren." Da der türkische Markt Investitionen aus unterschiedlichen Teilen der Welt benötige, könne islamisches Kapital den herkömmlichen Kapitalfluss ohnehin niemals ersetzen, betont Sönmez.

"Es ist einfach ein Weg des Finanzierens, des Investments, des Sammelns von Geld", sagt Osman Akyüz. Der Generalsekretär weist außerdem darauf hin, dass islamische Banken auch in nicht-muslimischen Staaten aktiv seien. So eröffnete im Jahr 2010 die "Kuveyt Türk Beteiligungsbank" in Mannheim. Seit 2004 existiert die "Islamic Bank of Britain" mit insgesamt vier Niederlassungen in England.

In der Türkei wollen die Beteiligungsbanken künftig auch bei Großprojekten ihre Mitwirkung anbieten. "Unter anderem beim Bau der dritten Bosporus-Brücke oder des dritten Flughafens in Istanbul könnten wir Finanzierungen anbieten und Sukuks vergeben", sagt Akyüz.

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