Türkei droht erneut mit Angriff auf nordsyrische Stadt Manbidsch | Aktuell Europa | DW | 28.03.2018
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Syrien und die Türkei

Türkei droht erneut mit Angriff auf nordsyrische Stadt Manbidsch

Erst kürzlich hat die türkische Armee mit verbündeten syrischen Rebellen die nordsyrische Kurdenenklave Afrin eingenommen. Nun droht der Sicherheitsrat in Ankara mit einem Vormarsch auf die benachbarte Stadt Manbidsch.

Syrien Afrin Einmarsch Milizen (Getty Images/AFP/B. Kilic)

Diese arabischen Milizionäre halfen der türkischen Armee bei der Einnahme von Afrin (Archivbild)

Die Türkei erwägt, ihre Militäroffensive im Norden Syriens auf die Stadt Manbidsch auszuweiten, die von der Kurdenmiliz YPG kontrolliert wird. Der Nationale Sicherheitsrat in Ankara rief die YPG auf, sich "sofort aus der Region zurückzuziehen". Andernfalls werde die Türkei "nicht zögern, die Initiative zu ergreifen, so wie sie es schon in anderen Regionen getan hat", erklärte das Gremium unter Vorsitz von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Der Rat teilte weiter mit, das Gleiche gelte für Rebellen in syrischen Gebieten östlich des Euphrat. Offen blieb jedoch, welche Gruppierungen von Aufständischen gemeint sind.

Die türkische Armee hatte Mitte März unterstützt von verbündeten syrischen Rebellen die von der YPG-Miliz kontrollierte Stadt Afrin erobert. Die Türkei betrachtet die YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung und will sie von ihrer Grenze vertreiben. International ist der Militäreinsatz hoch umstritten, Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Beispiel nannte die Offensive "inakzeptabel".

Direkt Konfrontation mit USA möglich

Die USA schätzen die YPG-Miliz hingegen als schlagkräftigen Verbündeten im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und unterstützen sie seit Jahren mit Luftangriffen, Spezialkräften und Waffen. Anders als in Afrin sind die USA in Manbidsch mit Spezialkräften präsent. Ein türkischer Angriff auf Manbidsch könnte daher zu einer direkten Konfrontation zwischen den NATO-Partnern USA und Türkei führen.

Kurz vor dem EU-Türkei-Treffen am Montag in Bulgarien hatte Österreichs Kanzler Sebastian Kurz die türkische Militäroffensive in Nordsyrien verurteilt. Die Türkei trage damit zu einer weiteren Eskalation der Lage in dem Bürgerkriegsland bei, sagte Kurz der Zeitung "Die Welt". Die Offensive drohe "die Flüchtlingsbewegungen und die humanitäre Notlage im Norden Syriens noch weiter zu verschärfen". Syrien brauche nach den Fortschritten im Kampf gegen den IS "nun endlich Frieden statt einer weiteren militärischen Eskalation". Er forderte die Türkei auf, "in Syrien und in der Region eine konstruktive Rolle zu spielen".

kle/vg (dpa, afp, rtr, ape)

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