Tödliches Zugunglück mit Ansage | Aktuell Amerika | DW | 19.12.2017
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USA

Tödliches Zugunglück mit Ansage

Lokalpolitiker und Behörden äußern mehrfach Sicherheitsbedenken. Dann entgleist im Westen der USA tatsächlich eine Bahn, die zum ersten Mal eine neu gebaute Strecke befährt. Ein vermeidbares Unglück?

Bei dem Unglück nördlich von Olympia, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Washington, kamen nach jüngsten Angaben der Polizei mindestens drei Menschen ums Leben. Sie starben, als ein Passagierzug in einer Kurve entgleiste. Rund hundert Menschen wurden in Krankenhäuser gebracht. Viele Menschen erlitten schwere Verletzungen.

Mindestens ein Waggon stürzte von einer Brücke auf eine stark befahrene Straße. Ein Polizeisprecher der Region Pierce County beschrieb den Unfallort als "wirklich schrecklich". In den Autos auf der Interstate 5 sei aber niemand ums Leben gekommen. "Als wir an den Unfallort kamen, war klar, dass es Todesopfer und Verletzungen gibt", sagte er. Einige Menschen hätten es geschafft, aus dem Zug zu steigen.

USA Zugunfall in DuPont (picture-alliance/AP Photo/E. Thompson)

Der Zug entgleiste Berichten zufolge in voller Fahrt

Der Zug befuhr die Strecke zum ersten Mal. Neue Lokomotiven und eine Umgehungsstrecke sollten die Fahrt zwischen Seattle und Portland im Bundesstaat Oregon verkürzen. An Bord des Amtrak-Schnellzugs befanden sich der Polizei zufolge 77 Passagiere und sieben Bahnmitarbeiter.

Behörden: Zug war zu schnell

Inzwischen gaben Ermittler der nationalen Verkehrsbehörde DuPont bekannt, der entgleiste Zug sei deutlich zu schnell unterwegs gewesen. Auf einer Strecke, auf der umgerechnet 48 Kilometer Stundenkilometer erlaubt sind, sei der Zug 128 Stundenkilometer schnell gefahren. Es sei "zu früh zu sagen", warum der Zug mit rund 80 Passagieren an Bord so schnell fuhr, sagte die Behördenvertreterin Bella Dinh-Zarr vor Journalisten. Die Geschwindigkeitsangabe sei eine Schätzung auf der Grundlage von Messungen eines Datenrekordes in der Lokomotive des Unglückszuges.

In den vergangenen Monaten hatten Lokalpolitiker und Behördenvertreter mehrfach Sicherheitsbedenken geäußert: Sie sorgten sich besonders um die Geschwindigkeit der Züge in den Kurven, die bis zu 127 Stundenkilometer erreichen sollte.

Der Abschnitt war nach Angaben des Verkehrsministeriums des Staates Washington seit dem Jahr 2010 mit 181 Millionen Dollar ausgebaut worden, um Kurven zu vermeiden. Er sollte laut Amtrak zehn Minuten Zeitersparnis bringen.

Trump wirbt für Investitionen

Lokale Medien zitierten unter anderem den Bürgermeister einer Anrainergemeinde, der bereits Anfang Dezember starke Bedenken gegen die neue Trasse hatte. Ein Unfall sei nur eine Frage der Zeit, sagte demnach Don Anderson aus Lakewood. Die Sicherheitsmaßnahmen für die Strecke seien unzureichend, das ganze Projekt sei gar nicht nötig gewesen.

US-Präsident Donald Trump nutzte das Unglück, um auf Twitter für Investitionen in die US-Infrastruktur zu werben. Brücken, Tunnel und Gleise seien marode. "Nicht mehr lang!", schrieb er.

Einen Infrastrukturplan der US-Regierung gibt es allerdings derzeit nicht. Später schob Trump sein Beileid für die Opfer nach.

gri/wa/kle (dpa, AFP, rtr)