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Politik

Türkei zahlt Blutzoll in Nordsyrien

4. Februar 2018

Staatschef Erdogan hatte einen schnellen Sieg über kurdische Kämpfer in Afrin angekündigt. Doch die Operation "Olivenzweig" wird immer blutiger. Und auch US-Soldaten könnten aus türkischer Sicht zu "Terroristen" werden.

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Beerdigung eines türkischen Soldaten
Beerdigung eines türkischen Soldaten in IspartaBild: picture alliance / AA

Bei ihrer Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG im Norden Syriens muss die türkische Armee weitere Verluste hinnehmen: Am Sonntag seien zwei Soldaten ums Leben gekommen, teilte das Militär mit. Damit stieg die Zahl der türkischen Soldaten, die im Zuge der vor gut zwei Wochen gestarteten Operation "Olivenzweig" getötet wurden, auf insgesamt 16. 

Am Samstag hatte die türkischen Armee mit sieben getöteten Soldaten den verlustreichsten Tag seit Beginn der Offensive verzeichnet. Fünf von ihnen waren beim Beschuss eines Panzers ums Leben gekommen.

US-Rakete traf türkischen Panzer?

Staatschef Recep Tayyip Erdogan weigerte sich, Medienberichte zu bestätigen, wonach der türkische Panzer von einer US-Rakete getroffen worden sei. Es gebe erste Erkenntnisse, aber noch kein endgültiges Ergebnis darüber, wer die Rakete geliefert habe, so Erdogan. Sobald Klarheit herrsche, "werden wir dies mit der Welt teilen". Wer auch immer die Rakete geliefert habe, mache gemeinsame Sache mit "Terroristen", fügte der türkische Präsident hinzu.

Die Führung in Ankara wirft den YPG ("Volksverteidigungseinheiten") vor, eng mit der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden zu sein, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Der Einsatz gegen die YPG gilt als heikel, da die Miliz im Kampf gegen die Dschihadisten-Organisation "Islamischer Staat" eng mit den USA verbündet ist.

Vorstoß auch über den Euphrat?

Erdogans Vize-Regierungschef Bekir Bozdag drohte derweil im Fernsehsender CNN-Türk mit einer Ausweitung der türkischen Offensive über die Region Afrin hinaus. Bozdag betonte zwar, dass die Türkei keine Zusammenstöße mit amerikanischen Soldaten wolle. Sollten sich diese aber unter YPG-Einheiten befinden oder deren Uniformen tragen, würde die türkische Armee auch sie als "Terroristen" betrachten, so Bozdag. 

Proteste in Afrin gegen türkischen Militäreinsatz
Proteste in Afrin gegen den türkischen MilitäreinsatzBild: Getty Images/AFP/D. Souleinman

Im Zusammenhang mit der Militäroffensive in Syrien wurden sind in der Türkei innerhalb von zwei Wochen 573 Menschen wegen des Vorwurfs der "Terrorpropaganda" inhaftiert. Die meisten Festnahmen seien wegen Äußerungen in den sozialen Medien erfolgt, teilte das Innenministerium mit. 124 Menschen seien festgenommen worden, weil sie an Protesten teilgenommen hätten. In der vergangenen Woche wurden zudem mehrere führende Mitglieder der Türkischen Ärztevereinigung festgesetzt, weil sie eine Erklärung gegen den Krieg verbreitet hatten. Drei der Ärzte sind inzwischen wieder frei.

Die halbautonome Kurden-Regierung von Afrin forderte die internationale Gemeinschaft und insbesondere Russland auf, die türkische "Aggression" zu stoppen. Die YPG und Vertreter von Afrins Verwaltung verdächtigen den Kreml, die türkische Offensive implizit zu billigen, weil Russland seitdem seine in Afrin stationierten Truppen zurückgezogen hat.

wa/ml/kle (afp, dpa)