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Südsudan: Ein Schritt in Richtung Frieden

Hilke Fischer22. Januar 2015

Die Anführer der Konfliktparteien im südsudanesischen Bürgerkrieg haben sich auf eine Machtteilung geeinigt. Vermittler und Zivilgesellschaft hoffen, dass es bald zu einem Ende der Gewalt kommt.

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Salva Kiir und Riek Machar unterzeichnen Abkommen
Salva Kiir (l.) und Riek Machar (r.) nach der Unterzeichung des AbkommensBild: AFP/Getty Images

Es könnte der entscheidende Wendepunkt im südsudanesischen Bürgerkrieg sein: Die rivalisierenden Fraktionen der Regierungspartei "Sudanesische Volksbefreiungsbewegung" (SPLM) haben sich am Mittwoch (21.01.2015) in der tansanischen Stadt Arusha darauf verständigt, wieder zusammenzuarbeiten. Details des Abkommens, das eine Machtteilung der rivalisierenden Partei-Flügel vorsieht, sind bislang nicht bekannt.

Die Nachricht über die Wiedervereinigung der zerstrittenen SPLM-Franktionen habe in den Straßen von Südsudans Hauptstadt Juba für große Aufregung gesorgt, berichtet der Direktor des südsudanesischen Fernsehens, Moyiga Korokoto Nduru, im Gespräch mit der DW: "Die Menschen hoffen, dass es ein weiterer Schritt in Richtung einer friedlichen Lösung des Konflikts sein wird."

Nach einem langen Kampf erlangte der Südsudan 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan. Im Dezember 2013 brach innerhalb des Südsudans die Gewalt aus, nachdem Präsident Salva Kiir seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar einen Putschversuch vorgeworfen hatte. Der Konflikt zwischen den Anhängern Kiirs und Machars, der sich entlang ethnischer Linien abspielt, hat seitdem bereits zehntausende Menschen das Leben gekostet. Zwei Millionen Südsudanesen sind aus ihren Dörfern geflohen, der Krieg brachte das ohnehin arme Land an den Rand einer Hungersnot.

Jubel nach Rückkehr von Salva Kiir Foto: EPA/PHILLIP DHIL
Jubel in Juba nach Kiirs Rückkehr: Die Menschen im Südsudan hoffen, dass es endlich Frieden geben wirdBild: picture-alliance/dpa/Dhil

Harsche Kritik von den Vermittlern

Vor wenigen Wochen habe Kiir einen Boten zum tansanischen Präsidenten Jakaya Kikwete geschickt und um Hilfe gebeten, berichtet Salvatory Rweyemamu, Sprecher Kikwetes, im DW-Interview. Bei dem Treffen in Arusha vermittelten mehrere Staatschefs aus der Region. Nachdem Präsident Kiir, Rebellenführer Machar und der Kopf einer weiteren Splitterfraktion, Deng Alor Kuol, das Abkommen unterzeichnet hatten, übten die Vermittler harsche Kritik an dem Machtkampf der südsudanesischen Politiker. Ugandas Präsident Yoweri Museveni bezeichnete den Krieg als Tragödie. Die Menschen im Südsudan hätten ohne Grund leiden müssen. Und Kenias Präsident Uhuru Kenyatta mahnte, es sei an der Zeit, dass Kiir und Machar die Hoffnungen erfüllten, die die Menschen im jüngsten Staat der Welt nach der Unabhängigkeit vom Sudan in sie gesetzt hatten: "Sie haben ein besseres Leben erwartet, Stabilität, Wohlstand und Entwicklung. Nicht Waffen, nicht Angst, nicht Tod. Ich hoffe wirklich, dass der heutige Tag einen Neuanfang markiert."

Bei dem Abkommen von Arusha handelt es sich allerdings nicht um ein Friedensabkommen. Die nächste Runde der Friedensgespräche soll in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba Ende Januar stattfinden. "Ich denke, das Abkommen von Arusha ist ein guter Ausgangspunkt", so Tansanias Präsidentensprecher Rweyemamu. "Es legt die Basis für die weiteren Verhandlungen."

Die Kontrahenten Kiir und Machar hatten sich zuletzt im November 2014 in Addis Abeba getroffen und eine Waffenruhe vereinbart - wenige Stunden später wurde diese bereits wieder gebrochen. Auch im Vorfeld des aktuellen Abkommens kam es wieder zu heftigen Kämpfen zwischen Kiirs Soldaten und Machars Rebellen.

Flüchtlingslager im Südsudan Foto: AFP PHOTO / CHARLES LOMODONG
Der Konflikt hat Millionen Menschen zu Flüchtlingen im eigenen Land gemachtBild: Charles Lomodong/AFP/Getty Images

"Es gibt noch viel zu tun"

"Frieden ist ein Prozess", sagt Peter Tibi. Der südsudanesische Pastor leitet die zivilgesellschaftliche Organisation "Reconcile International". "Es gibt noch viel zu tun." Vor allem müsse die Zivilgesellschaft eingebunden werden. Denn in ihrem Machtkampf instrumentalisieren die Politiker die lokale Bevölkerung. In vielen Gemeinden herrschen Misstrauen und Hass zwischen den Ethnien.

Die Politiker hätten keine Wahl, als den Friedensprozess endlich voranzubringen, glaubt Fernseh-Direktor Nduru. Denn überall im Land forderten die Menschen Frieden. "Die Menschen sind der Ansicht, dass es ein sinnloser Krieg ist, ein Krieg, den niemand gewollt hat."

Solomon Dersso vom südafrikanischen Institut für Sicherheitsstudien (ISS), der die Verhandlungen von Addis Abeba aus verfolgt, dämpft jedoch die Erwartungen. Die Konfliktparteien hätten bereits eine Reihe von Übereinkünften getroffen und immer wieder gebrochen. "Das Unterzeichnen des Abkommens allein verrät uns nicht viel über die Zukunft und die Chancen für Frieden im Südsudan."