Syrische Armee steht vor Rückeroberung Palmyras | Aktuell Nahost | DW | 26.03.2016
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Aktuell Nahost

Syrische Armee steht vor Rückeroberung Palmyras

Es ist ein weiterer wichtiger Schlag gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien. Die Armee konnte die Hälfte der Oasenstadt inklusive der historischen Zitadelle und des Flughafens einnehmen.

Gemeinsam mit verbündeten Milizen hätten die Streitkräfte die Zitadelle zurückerobert, nachdem sie den Terroristen des sogenannten "Islamischen Staates" (IS) "viele Verluste" zugefügt hätten, zitierte das syrische Fernsehen eine Quelle in der Armee. Die syrischen Regierungstruppen seien nach Gefechten mit IS-Kämpfern am Rand von Palmyra in das südwestliche Viertel al-Gharf vorgedrungen, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Auch vom Norden aus rückte die Armee demnach auf die Stadt vor. Sie erlangte nach eigenen Angaben auch die Kontrolle über die Verbindungsstraße von Palmyra nach Deir Essor. Russische Kampfjets unterstützten die Armee und flogen massive Angriffe. Außerdem halfen russische Eliteeinheiten und Kämpfer der libanesischen Hisbollah bei der Offensive.

Kulturelle Verwüstung der historischen Stätten

Der IS kontrollierte Palmyra, deren antike Ausgrabungsstätten zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen, seit fast einem Jahr. Am 23. Mai hatten IS-Kämpfer auf der Zitadelle ihre Flagge gehisst. In den folgenden Monaten schockierten sie die Weltöffentlichkeit mit der Sprengung antiker Tempel, Gräber und Statuen sowie öffentlichen Hinrichtungen. Vor allem die Ermordung des 82-jährigen früheren Chef-Archäologen der Stadt, Chaled al-Assaad, sorgte international für Entsetzen.

Auf dem Hügel: die berühmte Zitadelle (Foto: getty images)

Auf dem Hügel: die berühmte Zitadelle

Die Zitadelle, die auf einem Hügel über der antiken Ruinenstadt thront, wurde im 13. Jahrhundert von den Mamelucken erbaut und gilt als bedeutendstes Monument Palmyras aus islamischer Zeit.

UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova begrüßte den Vorstoß der syrischen Armee. Palmyra sei unter der IS-Herrschaft zum "Symbol der kulturellen Verwüstung im Nahen Osten" geworden, gehöre aber weiter zum Weltkulturerbe, erklärte sie am Donnerstag.

USA töten IS-Vize

Ein weiterer wichtiger Schlag gegen die Terrormiliz in Syrien ist den US-Streitkräften gelungen. Nach Angaben von US-Verteidigungsminister Ashton Carter wurde bei einem Luftangriff in dieser Woche die Nummer Zwei der Extremisten, Abdelrahman al-Kaduli, getötet.

Al-Kaduli zählte zu den meistgesuchten Terroristen der Welt. Er war bis 2012 im Irak inhaftiert und schloss sich dann in Syrien dem IS an. Vor seiner Haft hatte er dem Terrornetzwerk Al-Kaida angehört. Im vergangenen Frühjahr soll er Beobachtern zufolge zum Vize von IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi aufgerückt sein.

Abdelrahman al-Kaduli war die Nummer Zwei der Terrororganisation (Foto: Picture alliance, dpa)

Abdelrahman al-Kaduli war die Nummer Zwei der Terrororganisation

Laut Carter war er vor allem für die Finanzflüsse verantwortlich. "Wir haben denjenigen unschädlich gemacht, der die Finanzierung all ihrer Operationen verantwortet hat und damit ihre Fähigkeit beschnitten, Kämpfer zu bezahlen und zu rekrutieren", so Carter weiter.

Die Tötung al-Kadulis ist innerhalb kurzer Zeit der zweite US-Schlag gegen die IS-Führung. Mitte März war der "Kriegsminister" der Terroristen mit dem Kampfnamen "Omar der Tschetschene" gestorben, nachdem er einige Tage zuvor in Syrien bei einem US-Luftschlag getroffen worden war.

USA plant Truppenaufstockung im Irak

Auch im Irak gerät die Terrormiliz immer weiter unter Druck: Bereits am Donnerstag hatten irakische und kurdische Einheiten die erste Phase einer Offensive begonnen, mit der sie die IS-Hochburg Mossul im Nordirak befreien wollen. Dabei wurden mehrere Dörfer westlich der Stadt Machmur eingenommen, wie irakische Medien berichteten. Bei der Operation seien die Kämpfer durch US-Luftangriffe unterstützt worden, sagte ein Armeesprecher. Bis der eigentliche Angriff auf Mossul beginnt, könnten aber noch Monate vergehen. Die Kämpfe südöstlich der nordirakischen Metropole sind derzeit noch rund 70 Kilometer von der Stadt entfernt.

Der IS hatte Mossul im Sommer 2014 unter seine Kontrolle gebracht - die Einnahme der zweitgrößten irakischen Stadt war einer der größten Erfolge der Extremisten. Die frühere Millionenstadt gilt neben Al-Rakka in Syrien als inoffizielle Hauptstadt der Terrormiliz. Nach westlichen Schätzungen haben die Extremisten inzwischen 40 Prozent des Gebietes verloren, das sie einst im Irak kontrollierten. Die gerade gestartete Offensive zur Rückeroberung Mossuls, Hauptstadt der Provinz Ninive, wäre ein Meilenstein für das irakische Militär im Kampf gegen die IS-Miliz.

Aufstockung der US-Truppen im Irak

Um die irakischen Streitkräfte in ihrem Kampf um Mossul weiter zu unterstützen, will das US-Verteidigungsministerium Präsident Barack Obama in Kürze neue Vorschläge präsentieren. Es gebe "eine Reihe von Empfehlungen, die wir in den kommenden Wochen mit dem Präsidenten diskutieren werden", sagte Generalstabschef Joseph Dunford am Freitag vor Journalisten. Er selbst gehe ebenso wie Verteidigungsminister Ashton Carter davon aus, dass es bald "eine Aufstockung der US-Truppen im Irak" geben wird.

In der irakischen Hauptstadt Bagdad forderte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon unterdessen ein Ende der politischen Grabenkämpfe. Bei einer Rede im Parlament rief er alle Parteien dazu auf, die Reformen von Regierungschef Haider al-Abadi zu unterstützen. Parlament und Regierung müssten "im Geist des Kompromisses" zusammenareiten und die nationale Versöhnung vorantreiben, sagte Ban. Nur so könne das Land die zahlreichen Krisen bewältigen.

chr/jj/mak (afp, dpa, rtr)