Syphilis in Europa auf dem Vormarsch | Aktuell Europa | DW | 12.07.2019
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Gesundheit

Syphilis in Europa auf dem Vormarsch

Lange konnte die gefürchtete Geschlechtskrankheit zurückgedrängt werden, doch seit einigen Jahren mehren sich die Fälle. Einem Gesundheitsreport zufolge ist die Erkrankung in Europa stärker verbreitet als HIV.

Syphilis Bakterium Treponema pallidum (Imago/Science Photo Library)

Computer-Illustration des Syphilis-Bakteriums Treponema pallidum

Die Zahl der bestätigten Syphilis-Fälle in Europa hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht. Das geht aus einem Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hervor, für den die Entwicklung der Syphilis von 2007 bis 2017 in 30 Staaten analysiert wurde.

Demnach infizierten sich Männer im Alter von 25 bis 34 Jahren im Verhältnis zu Frauen und anderen Altersgruppen besonders häufig mit der sexuell übertragbaren Krankheit. Die Zahl der pro Jahr bestätigten Fälle stieg dem Bericht zufolge seit 2010 um knapp 70 Prozent auf einen Rekordwert von 33.189. Im Jahr 2016 waren es 29.944 bestätigte Infektionen gewesen. Während des Zeitraums 2007 bis 2017 erfasste das ECDC - eine Agentur der Europäischen Union - insgesamt 260.505 bestätigte Syphilis-Fälle.

Mehr Syphilis- als HIV-Fälle

Dies bedeute, dass es erstmals seit Anfang der 2000er Jahre mehr bestätigte Syphilis- als HIV-Fälle in Europa gebe, erklärte das ECDC. In Deutschland verzeichnete das in Stockholm ansässige Zentrum zwischen 2007 bis 2017 insgesamt 7473 Infektionen. Damit zählte Deutschland neben Island, Irland, Großbritannien und Malta zu den fünf Ländern, in denen sich die Rate seit 2010 mehr als verdoppelt hat. Bereits Ende 2018 hatte das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin gemeldet, das sich der Anstieg bei der Zahl der Syphilis-Infektionen in Deutschland fortsetze.

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Geschlechtskrankheiten

Die Zuwächse in Europa seien "ein Ergebnis mehrerer Faktoren wie Sex ohne Kondom und mit mehreren Sexualpartnern, kombiniert mit einer geringeren Angst, HIV zu bekommen", sagte der Leiter des ECDC-Programms für HIV- und Geschlechtskrankheiten, Andrew Amato-Gauci. Auch die Deutsche Aidshilfe sieht als einen Grund für den Anstieg der registrierten Fälle in Deutschland die zurückgehende Nutzung von Kondomen, was unter anderem wegen der besseren HIV-Therapie geschehe. Eine weitere Erklärdung sei vermutlich ein verbessertes Testverhalten. So seien schwule und bisexuelle Männer verstärkt zu regelmäßigen Syphilis-Tests aufgerufen worden.

Krankheit verläuft oftmals ohne Symptome

Syphilis war vor allem in den 1980er Jahren mit der Ausbreitung von HIV/Aids und Safer Sex zurückgedrängt worden. Seit Jahren geht der Trend nun aber in die umgekehrte Richtung. Während die bakterielle Infektion oftmals ohne Symptome verläuft, tritt in anderen Fällen nach der Ansteckung ein Geschwür zum Beispiel am Penis auf, das keine Schmerzen verursacht. Wird die Krankheit nicht mit Antibiotika behandelt, können weitere Anzeichen wie Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Gelenk- oder Muskelschmerzen und geschwollenen Lymphknoten folgen. Jahre nach der Infektion sind Schädigungen des Gehirns und der Blutgefäße möglich.

Weltweit ist die Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten in den vergangenen Jahren nahezu unverändert hoch geblieben. Wie aus einer im Juni von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichten Studie hervorgeht, treten jeden Tag mehr als eine Million neuer Fälle der ansteckenden Krankheiten auf. Allein vier Infektionen - Chlamydiose, Gonorrhoe, Syphilis und Trichomoniasis - würden jährlich mehr als 376 Millionen Mal rund um den Globus verzeichnet.

hk/uh (dpa, rtr, afp)

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