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Entscheidung über "Prop 8"

Anne Allmeling / Anne Raith26. März 2013

2008 wurde in Kalifornien die gleichgeschlechtliche Ehe verboten. Nun könnte der Supreme Court die sogenannte Proposition 8 für verfassungswidrig erklären - mit Folgen für die gesamten USA.

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Buttons: Viele Homosexuelle unterstützen Obama - LGBT steht für "Lesbian, gay, bisexual, transgender" Bild: Anne Allmeling, San Francisco, USA
Bild: Anne Allmeling

Randel Kelly war an diesem Nachmittag schon früh beim Bäcker, hat Kürbiskuchen und Kokoscremetörtchen besorgt, die sein Mann Jörg nun vorsichtig auf eine goldumrandete Porzellanplatte bugsiert. Der Tisch ist schon gedeckt, schließlich gibt es heute etwas zu feiern. Der Deutsche und der Amerikaner haben vor vier Jahren in Kalifornien geheiratet. Dabei dabei ging es den beiden Männern nicht allein darum, den Bund fürs Leben zu schließen. Sondern auch um Gleichberechtigung. "Es war eine Art politische Aussage", sagt Randel Kelly.

Hochzeit am Tag des Referendums

Er und sein Mann haben sich am 4. November 2008 das Ja-Wort gegeben - an dem Tag, an dem die Kalifornier über die gleichgeschlechtliche Ehe abgestimmt haben. Noch während die beiden mit ihrer Familie im Restaurant feiern, erfahren sie das Ergebnis des Referendums über die so genannte "Proposition 8": Eheschließungen gleichgeschlechtlicher Paare sind in Kalifornien ab sofort wieder verboten. "Randel hatte schon geahnt, dass das passieren könnte", erzählt Jörg Kelly-Schade. "Ich konnte mir das gar nicht vorstellen - in San Francisco, in Kalifornien!"

Jörg und Randel: Jörg Kelly-Schade und Randel Kelly haben 2008 in Kalifornien geheiratet Bild: Anne Allmeling, San Francisco, USA
Jörg Kelly-Schade und Randel Kelly haben 2008 in Kalifornien geheiratetBild: Anne Allmeling

Im Rathaus, dort, wo die beiden Mittvierziger geheiratet haben, erinnert eine Skulptur in Herzform an die 18.000 gleichgeschlechtlichen Paare, die damals den Bund fürs Leben geschlossen haben - in den wenigen Monaten, in denen es erlaubt war. Hier hat Bevan Dufty sein Büro. Selbst schwul, war er lange Abgeordneter im Bezirk Castro - dort, wo der Schwulenrechtler Harvey Milk in den 1970er Jahren Geschichte geschrieben hat. Seit Jahren kämpft Dufty für die Gleichberechtigung von Homosexuellen. "Wenn zwei Männer heiraten können, nehmen sie niemandem etwas weg", sagt der 57-Jährige. "Die gleichgeschlechtliche Ehe ist keine Gefahr für eine bestimmte Religion oder das Familienglück von irgendjemandem."

Schwulenrechtler Bevan Dufty posiert neben einer Büste von Harvey Milk Bild: Anne Allmeling, San Francisco, USA
Schwulenrechtler Bevan Dufty posiert neben einer Büste von Harvey MilkBild: Anne Allmeling

Kampagnen gegen die gleichgeschlechtliche Ehe

Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe sehen das anders. Auch sie machen nach wie vor mobil - nicht nur in Kalifornien. Mit Parolen wie "Lasst uns den Regenbogen zurückerobern" versuchen sie, gleichgeschlechtliche Ehen zu verhindern und dem Einfluss von Homosexuellen entgegenzuwirken. Zu den Verfechtern des Verbots der gleichgeschlechtlichen Ehe gehört der neue Erzbischof von San Francisco, Salvatore Cordileone.

Manche vermuten, der Vatikan habe ihn nicht umsonst nach San Francisco geschickt - in die Stadt, in der sich selbst einige katholische Geistliche für die Rechte von Homosexuellen stark machen. So wie Donald Godfrey. Der Jesuit hofft, dass der Supreme Court die "Proposition 8" kippt. "Aber das ist meine persönliche Meinung - nicht das, was die Kirche lehrt", sagt Godfrey, der an der privaten University of San Francisco arbeitet.

Jesuit Donal Godfrey setzt sich für die Rechte von homosexuellen Katholiken ein Bild: Anne Allmeling, San Francisco, USA
Jesuit Donal Godfrey setzt sich für die Rechte von homosexuellen Katholiken einBild: Anne Allmeling

Seit die gleichgeschlechtliche Ehe in Kalifornien verboten ist, haben sich schwule und lesbische Aktivisten durch alle Instanzen geklagt. Nun warten sie auf eine Entscheidung des höchsten amerikanischen Gerichtes. Doch selbst wenn der Supreme Court entscheiden sollte, die gleichgeschlechtliche Ehe wieder zu legalisieren, sei der Kampf um Gleichberechtigung noch nicht ausgefochten, meint Schwulenrechtler Bevan Dufty. "Wir dürfen nicht glauben, dass uns dann alle lieben", sagt er. "Wir werden diese Kulturkämpfe auch in 10, 20 Jahren noch führen - bis diese rückwärtsgewandte Generation einfach nicht mehr auf der Welt ist."

Angst vor "Werteverlust"

Auch Jörg Kelly-Schade und sein Mann ahnen, dass es noch lange dauern kann, bis Homosexuelle nicht nur in San Francisco, sondern überall in den USA die gleichen Rechte genießen. Nach Kaffee und Kuchen liest Randel Kelly seine Emails - darunter ein Rundbrief, der vor dem wachsenden Einfluss der Homosexuellen warnt. Der Amerikaner hat eine Erklärung dafür: "Viele Leute befürchten, dass die weiße Mehrheit langsam schwindet und der Einfluss von Einwanderern und anderen Religionen zunimmt", sagt er. "Sie haben Angst, dass das, was sie für die traditionellen amerikanischen Werte halten, verloren geht."