Studie: sprachliche Regeln auch in Messengerdiensten wichtig | Deutschlehrer-Info | DW | 15.07.2021
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Studie: sprachliche Regeln auch in Messengerdiensten wichtig

Für viele ältere Menschen ist die Sache klar: Jugendliche beherrschen die Sprache und ihre Regeln immer weniger. Und schuld daran ist die digitale Kommunikation. Eine Studie zeigt jetzt: Das stimmt so nicht.

Ein Bildschirm eines Smartphones mit mehreren Symbolen von Messengerdiensten

Kein Sprachverfall durch Messengerdienste

Weil Jugendliche kaum mehr längere Texte schrieben und vor allem über Kurznachrichtendienste wie WhatsApp oder Signal kommunizieren würden, gehe ihnen sprachliche Kompetenz verloren. Die Kenntnis von Rechtschreibregeln würde in Zeiten von Emojis immer unwichtiger. So lautet ein gängiges Vorurteil, das vor allem von älteren Menschen gerne verbreitet wird.

Eine neue Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg kommt jedoch zu einem anderen Schluss: Zwar hätten Messengerdienste einen Einfluss auf den Schreibstil von Jugendlichen, sämtliche sprachliche Regeln würden allerdings nicht über Bord geworfen. Je nach Kontext würden auch in der digitalen Kommunikation Rechtschreibfehler als peinlich und unzählige Emojis als überflüssig gelten, wie die  die Universität mitteilte.

Laut der Studie, die im Vorfeld des Welt-Emoji-Tags am 17. Juli erschienen ist, sind sich Jugendliche sehr bewusst, was in welchen Situationen angemessen ist. Zwar würden Schülerinnen und Schüler beim Chatten mit Gleichaltrigen oft auf Groß- und Kleinschreibung sowie auf Kommata verzichten, doch im schulischen Kontext etwa würden sie sich eng an Rechtschreib- und Zeichensetzungsregeln orientieren. „Es zeigt sich, dass Jugendliche oft sehr wohl über Rechtschreibkompetenz verfügen, in der digitalen Kommunikation aber andere Normen gelten, die ein persönlicheres, adressatengerechtes Kommunizieren ermöglichen“, sagte der Linguist Florian Busch, der die Studie durchführte.

Emojis wie Smileys und Herzen würden in diesem Zusammenhang nicht in erster Linie dafür genutzt, ganz Sätze zu ersetzen. Sie seien vor allem eine Hilfe dafür, wie eine Nachricht zu verstehen sei. Die vielen sprachlichen Möglichkeiten und die größere Zeichenvielfalt in der digitalen Kommunikation würden jedoch dafür sorgen, dass das Schreiben in der Schule von manchen Jugendlichen als eindimensional wahrgenommen würde.

Busch untersuchte die schriftliche Kommunikation von Jugendlichen im Netz und in der Schule und befragte dafür rund 200 Schülerinnen und Schüler nach ihrem Mediennutzungsverhalten. Er analysierte mehr als 19.000 Textnachrichten aus WhatsApp sowie knapp 80 Schulaufsätze von ihnen. Außerdem führte er Interviews zu den Fragen, wie Jugendliche in der Schule und in der Freizeit schreiben und wann und warum sie welche sprachlichen Mittel einsetzen.

ip/rh (dpa)

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