Studie: Menschen in reichen Ländern misstrauen Impfungen | Aktuell Welt | DW | 19.06.2019
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Gesundheitsvorsorge

Studie: Menschen in reichen Ländern misstrauen Impfungen

Menschen in reichen Ländern stehen Impfungen kritischer gegenüber als in ärmeren Staaten. Deutschland liegt unter dem Weltdurchschnitt. Dieses Misstrauen könne man sich nicht erlauben, sagt eine Studie.

Viele Europäer haben einer Umfrage zufolge ein großes Misstrauen gegen Impfungen. Nach den Daten der britischen Stiftung "Wellcome Trust" empfinden in Westeuropa lediglich 59 Prozent der befragten Menschen Impfungen als sehr oder zumindest einigermaßen sicher. In Osteuropa ist die Zahl sogar noch niedriger - dort denken nur 40 Prozent der Menschen, dass Impfungen sicher sind. Für den "Wellcome Global Monitor 2018" wurden mehr als 140.000 Menschen über 15 Jahren in mehr als 140 Ländern dazu befragt, was sie über das Impfen, die Wissenschaft und andere Themen denken.

Innerhalb Westeuropas zeigten die Franzosen das größte Misstrauen. Dort stuften 33 Prozent der Befragten Impfungen als unsicher ein - mehr als in jedem anderen Land. Als sicher bezeichneten Impfungen 47 Prozent der Franzosen, andere stimmten keiner dieser Aussagen zu. "Gerade in den reicheren Ländern, in denen wir nicht länger die schrecklichen Folgen von verhinderbaren Krankheiten sehen, sind Menschen zurückhaltender", sagte Heidi Larson von der London School of Hygiene and Tropical Medicine der Zeitung "The Guardian" mit Blick auf Diphtherie, Masern und Keuchhusten. 

In Deutschland empfinden 67 Prozent Impfungen als sicher, wobei diejenigen Menschen mit höherem Bildungsgrad der Impfung eher vertrauten als diejenigen mit niedrigerem. Nur in zwei reichen Erdregionen, Nordeuropa (wozu die Studie weder Deutschland noch Frankreich zählt) und Nordamerika, war das Vertrauen in Impfungen mit 73 und 72 Prozent recht hoch, auch wenn es nicht den Weltdurchschnitt erreichte. Weltweit empfinden 79 Prozent der Befragten Impfungen als sehr oder zumindest einigermaßen sicher.

In der Ukraine ist das Misstrauen gegenüber Impfungen besonders hoch

In der Ukraine ist das Misstrauen gegenüber Impfungen besonders hoch

Zehn Prozent können entscheidend sein

Als Grund für das schwindende Vertrauen in Impfungen in reichen Ländern nennt die Studie den Einfluss von sozialen Netzwerken. Soziale Medien trügen zu den Vorbehalten gegen und Ängsten vor Impfungen bei. Mediziner müssten gerade jungen Eltern ihre Fragen zu Impfungen schnell und umfassend beantworten, sonst orientierten sie sich an den sozialen Medien, sagte Larson.

Dort verbreiteten sich schnell Fehlinformationen, auf die Forscher aber nicht reagieren könnten, weil sie in privaten Facebook-Gruppen oder anderen unzugänglichen Foren kursierten. Misstrauen in staatliche Stellen gehe oftmals einher mit Zweifeln über die Sicherheit von Impfungen, fanden die Studienautoren weiter heraus. 

Den Luxus, Impfungen zu misstrauen, könne man sich aber laut der Studie nicht mehr leisten. Denn wenn beispielsweise 10 Prozent ihre Kinder nicht gegen Masern impfen, könnten das ausreichen, um eine gefährliche Verbreitung der Krankheit auszulösen. Das Kinderhilfswerk Unicef hatte im März davor gewarnt, dass Masern weltweit alarmierende Ausmaße erreicht haben.

Infografik Masernfälle weltweit DE

In ärmeren Weltgegenden zeigt die Studie eine weitaus höhere Zustimmung zu Impfungen, als in Europa. In Bangladesch und Ruanda ist das Vertrauen in Impfungen demnach am höchsten. In Südasien stimmten 95 Prozent und in Ostafrika 92 Prozent der Aussage zu, dass Impfungen sicher sind.

Insgesamt ergab die Untersuchung, dass sechs Prozent der Eltern - das sind auf die Weltbevölkerung gerechnet 188 Millionen - angaben, dass ihr Kind keine Impfung erhalten habe. Die Länder mit der höchsten Rate an nicht geimpften Kindern sind demnach China (9 Prozent), Österreich (8 Prozent) und Japan (7 Prozent). 

lh/qu (dpa, afp, Wellcome Trust)

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Kinderkrankheiten - Deutschland erreicht Impfquote nicht

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