Studie: Kunst funktioniert in multikultureller Gesellschaft als Vermittler | Kunst | DW | 17.05.2018
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Studie

Studie: Kunst funktioniert in multikultureller Gesellschaft als Vermittler

Menschen aus rund 200 Nationen leben in Deutschland. Wie kulturelle Angebote diese vielfältige Gesellschaft näher zusammenbringen können, zeigt eine Studie - aber auch, welche Probleme es gibt.

Dresdner Musikgruppe «Banda Internationale» (picture-alliance/dpa/A. Burgi)

Bei "Banda Internationale" spielen Einheimische und Geflüchtete gemeinsam gegen Rassismus an

Plötzlich stehen sie am Gate: Drei Musiker mit einem Kontrabass, einem Akkordeon und einer Geige. Als Musik erklingt, zücken die Reisenden am Flughafen Tegel erstaunt ihre Handys. Dann stimmt der dunkel gekleidete Mann mit dem Laptop auf dem Schoß mit ein. Gioachino Rossinis "Barbier von Sevilla" erfüllt den Raum mit den Wartenden und entlockt so manchem ein Lächeln.

Boxclub und Supermarkt als Opernhaus

"Selam Opera" nennt sich das Projekt der Komischen Oper Berlin, das klassische Musik jenen Menschen näherbringen möchte, die nicht ins Opernhaus gehen. Eine wichtige Zielgruppe sind dabei Menschen mit Migrationshintergrund. So werden neben dem Flughafen-Gate kurzerhand ein Boxclub und ein Supermarkt zur Pop-up-Oper.

Die Deutsche UNESCO-Kommission und die Bertelsmann Stiftung haben sich "Selam Opera" und elf andere interkulturelle Angebote für ihre Studie "Kunst in der Einwanderungsgesellschaft" angeschaut. Das Ziel: Herausfinden, wie Kultur das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft prägt, was vorbildlich funktioniert und wo es hakt.

Keine Lösung für Intoleranz, aber ein Anfang

Darunter sind das europäisch-arabische Tanznetzwerk "Heroes", der Internet-Blog "Migrantenstadl" oder die 15-köpfige Musikgruppe "Banda Internationale" aus Dresden (Titelbild), die sich gegen Rassismus einsetzt. Auch das Konzept des Jüdischen Museums in Berlin, das Flüchtlingskinder in Bibliotheken einlädt, und das Kölner Kulturfestival "Birlikte" in Erinnerung an die Opfer der NSU-Terroranschläge werden analysiert.

Auch wenn diese Projekte allein keine Lösung für die Herausforderungen durch Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit bieten könnten, hätten sie doch Beispielcharakter, erläutern die Forscher. Sie setzten auf Begegnung und Verständigung von Menschen verschiedener Herkunft. Dadurch soll langfristig ein Bewusstsein für Deutschland als Einwanderungsland entstehen, gepaart mit der Bereitschaft, sich gemeinsam den durch kulturelle Unterschiede entstehenden Konflikten zu stellen.

Nicht Kunst für Migranten, sondern Kunst von und mit Migranten

Auch der etablierte Kulturbetrieb und sein Publikum müssten sich weiter öffnen, fordert der Sozialwissenschaftler Kai Unzicker von der Bertelsmann Stiftung, der dafür plädiert, Ensembles vielfältiger zu besetzen. Es gehe nicht nur um Kunst für Migranten, sondern auch um Kunst von und mit Migranten, so Christine M. Merkel von der deutschen UNESCO-Kommission. Die Studie beleuchtet außerdem aus historischer Perspektive, wie sich Migration nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Vielfalt der Kunst in Deutschland ausgewirkt hat.

DW-Special über Kunst als Brückenbauer

Künstler, die ihre Heimat verlassen mussten und mit ihrer Kunst ihre Ankunftsländer verändert haben, zeigt das DW-Special "Nach der Flucht". Wie ihr Schaffen dem bosnischen Schriftsteller Saša Stanišić, der deutsch-britischen Illustratorin Judith Kerr und dem syrischen Pianisten Aeham Ahmad geholfen haben, sich zu integrieren und ihre Geschichten zu verarbeiten, erfahren Sie in dieser multimedialen Dokumentation zum Durchscrollen.

Hier geht es zum Web-Special "Nach der Flucht"

ld/tla (epd, kna, Studie "Kunst in der Einwanderungsgesellschaft")

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