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Studie: Klimawandel gefährdet Finanzmärkte

Mara Bierbach12. November 2015

Umweltschützer sind nicht die einzigen, die sich um das Klima sorgen. Auch die Finanzmärkte sind bedroht, wenn die Temperaturen ungehindert steigen, so eine neue Studie. Nichtstun könnte teuer werden.

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USA Kohlekraftwerk in Arizona
Bild: Imago/All Canada Photos

Weniger als drei Wochen vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Paris könnte eine neue Studie Politiker noch stärker unter Druck setzen, weitreichende Klimaschutzmaßnahmen zu beschließen. Die #link:http://bit.ly/1kMgR7Z:Analyse des Cambridge Instituts für nachhaltige Führung# ist eine der ersten Erhebungen, die sich primär auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Finanzmärkte konzentriert.

Die Forscher aus Cambridge sagen zum einen voraus, wie der Klimawandel den wirtschaftlichen Output in den nächsten 35 Jahren beeinflussen könnte. Zum anderen untersuchen sie die möglichen Auswirkungen der Klimapolitik auf die Finanzmärkte in den nächsten fünf Jahren.

Kurzfristige Kosten, langfristige Gewinne

Politische Maßnahmen mit dem Ziel, die Erderwärmung zu beschränken, haben laut Studie kurzfristig negative Auswirkungen auf die Real- und die Finanzwirtschaft. Langfristig jedoch hätte eine Begrenzung des Temperaturanstiegs einen deutlich positiven Einfluss auf die Weltwirtschaftslage.

Falls das Zwei-Grad-Ziel erreicht wird - also die Erderwärmung auf maximal zwei Grad über dem vorindustriellen Level zu begrenzen - könnte die globale Wirtschaftsleistung mehr als 20 Prozent höher ausfallen als in einem Szenario, in dem die Politik nicht handelt und der Verbrauch von fossilen Energieträgern sogar steigt.

Investoren stehen in den nächsten fünf Jahren vor großen Herausforderungen. Investmentportfolios, die vor allem aus Aktien bestehen, könnten bis zu 45 Prozent an Wert verlieren, falls keine klimapolitischen Maßnahmen ergriffen werden und der Verbrauch fossiler Brennstoffe zunimmt.

Märkte in Entwicklungsländern wären davon besonders hart getroffen.

USA Dr. Scott Kelly
Dr. Scott Kelly, einer der Autoren der Studie, forscht am Zentrum für Risikostudien der Cambridge UniversitätBild: privat

Würde die Politik jedoch engagierte Maßnahmen ergreifen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, könnten Investmentportfolios anfänglich zwar ebenfalls an Wert verlieren - jedoch um nie mehr als 15 Prozent. Zudem würden sich die Märkte weit schneller und stärker erholen, so die Studie.

Aufruf zum Handeln

Investoren könnten etwa die Hälfte der Klimawandel-Risiken vermeiden, indem sie ihre Portfolios umschichten. Wer früh sein Geld in Firmen und Länder verlagert, die weniger stark vom Klimawandel betroffen sind, könnte hier einen Wettbewerbsvorteil haben, so die Forscher. Etwa die Hälfte der Risiken jedoch bleibe unumgänglich - über alle Anlageklassen hinweg.

Scott Kelly ist einer der Autoren der Studie. Die Ergebnisse seien ein weiterer Grund für Politiker, bei der Klimakonferenz in Paris drastische Vereinbarungen zu treffen. "Unsere Kernaussagen sind, dass die Risiken durch den Klimawandel greifbar sind und dass Investoren diese Risiken in ihre Entscheidungen einbeziehen sollten", sagte Kelly gegenüber der Deutschen Welle.

"Je länger wir damit warten, den Übergang zu steuern, desto höher werden die Kosten sein. Das ist eines der Hauptrisiken des Klimawandels", so Kelly weiter. "Die Finanzmärkte und die Wirtschaft brauchen einen geordneten Übergang in eine kohlenstoffarme Zukunft."

"Das größte Marktversagen aller Zeiten"

Die Erkenntnisse von Kelly und seinen Kollegen passen zu anderen wissenschaftlichen Studien über den Klimawandel.

Bildergalerie Debatte Nachhaltigkeit Rio
Nicholas Stern, Professor an der London School of Economics und Berater der britischen RegierungBild: AP

Nicholas Stern veröffentlichte 2006 einen einflussreichen, 700 Seiten umfassenden #link:http://www.webcitation.org/5nCeyEYJr:Bericht#, in dem er den Klimawandel "das größte Marktversagen aller Zeiten" nannte. Der ehemalige Chefvolkswirt der Weltbank kam zu dem Schluss, dass der Nutzen von frühen Maßnahmen gegen die Erderwärmung weit größer wäre als die Kosten durch Nichtstun. In den vergangenen Jahren hat Stern erklärt, entschiedenes Handeln der Politik sei inzwischen sogar noch dringender nötig, als er 2006 angenommen hatte.

Forscher der London School of Economics veröffentlichten im Juli dieses Jahres eine #link:http://www.lse.ac.uk/GranthamInstitute/publication/nationally-self-interested-climate-change-mitigation-a-unified-conceptual-framework-2/:Studie#, laut der die Vorteile von radikaler Klimaschutzpolitik nicht nur global, sondern sogar für einzelne Länder überwiegen. Die Forscher widersprechen damit der verbreiteten Ansicht, Klimawandel sei ein Beispiel für die "Tragik der Allmende". Diese Theorie besagt, dass frei verfügbare, aber begrenzte Ressourcen nicht effizient genutzt werden, weil sich Einzelne auf Kosten der Allgemeinheit bereichern können.

Der Direktor der Bank of England, Mark Carney, bezeichnete den Klimawandel als ernstzunehmende Bedrohung für die Finanzstabilität. So seien die Kosten von wetterbedingten Versicherungsfällen seit den 1980er Jahren dramatisch gestiegen. "Die Herausforderungen, vor die uns der Klimawandel heute stellt, verblassen im Vergleich zu dem, was noch auf uns zukommen könnte", so Carney in einer im September gehaltenen #link:http://www.bankofengland.co.uk/publications/Pages/speeches/2015/844.aspx:Rede.#