Streit um Sommerferien | Deutschlehrer-Info | DW | 24.10.2019
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Deutschlehrer-Info

Streit um Sommerferien

Von Jahr zu Jahr unterscheiden sich die Sommerferienzeiten in den meisten Bundesländern. Die Schuljahre sind dadurch unterschiedlich lang. Einige Länder wollen das nun ändern. Doch die Tourismuswirtschaft protestiert.

Angenommen, Familie K. aus Stralsund im nordöstlichen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern möchte im nächsten Jahr gemeinsam mit der befreundeten Familie M. aus Freiburg in Baden-Württemberg ihren Sommerurlaub verbringen. Und beide Familien haben schulpflichtige Kinder. Tja, Pech gehabt, die Sommerferien 2020 beginnen in Mecklenburg-Vorpommern schon am 22. Juni. Sie enden am 1. August. Zu diesem Zeitpunkt haben die Ferien im südwestlichen Bundesland Baden-Württemberg aber gerade erst angefangen. Hier ist erst ab dem 30. Juli unterrichtsfrei – und zwar bis zum 12. September.

Im Durchschnitt ist der Zeitkorridor für die Sommerferien in Deutschland 85 Tage lang, das ist einmalig in Europa – auch wenn die jeweilige Ferienzeit immer ungefähr sechs Wochen beträgt. Dabei unterscheiden sich die Ferienzeiten in den meisten Bundesländern von Jahr zu Jahr: Mal beginnen die Sommerferien Ende Juni, mal Mitte Juli. Lediglich in den beiden südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg liegen die Ferien immer am Ende des Korridors und starten regelmäßig in den letzten Julitagen.

Grundschüler jubeln vor einer Tafel, auf der Hurra! Endlich Ferien!!! steht (picture-alliance/dpa/F. Kästle)

Ende Juli in Deutschland: Die einen freuen sich, die anderen müssen bald schon wieder lernen


Berlin und Hamburg wollen das nun ändern. Sie beantragten bei der letzten Kultusministerkonferenz Mitte Oktober, die freien Tage künftig weniger zu strecken: „Die Ferien sollten zwischen dem 1. Juli und dem 10. September liegen“, meinte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Außerdem sollten die jährlichen Verschiebungen möglichst gering sein. „Vor allem Sprünge von einem späten Ferientermin auf einen frühen Ferientermin führen zu einer Verkürzung von Schuljahren.“

Die aktuelle Regelung hat aus Sicht der SPD-Politikerin negative Auswirkungen auf die Lernzeit der Schüler und Schülerinnen, auf die Belastung der Lehrkräfte, auf „schulorganisatorische Prozesse“ sowie auf den Zeitraum bei den Abschlussprüfungen. Wären die Schuljahre immer ähnlich lang, könnten sich die Länder besser dem Ziel annähern, ein bundesweit vergleichbares Abitur durchzuführen, so Scheeres.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) kritisiert auch die Sonderstellung der beiden südlichen Bundesländer und bezeichnete sie als „nicht nachvollziehbar“. Tatsächlich sind die Gründe dieser Regelung überholt: In den 60er-Jahren sollten die Kinder in diesen ursprünglich stark landwirtschaftlich geprägten Ländern als Erntehelfer zur Verfügung stehen. Und die Haupterntezeit liegt nun mal im Spätsommer.

Kritik kommt erwartungsgemäß von den Ländern Bayern und Baden-Württemberg, die an der bestehenden Regelung festhalten wollen. Sie profitieren von den späten Terminen mit Reisezeiten außerhalb der teuren Hochsaison. Aber auch die Tourismuswirtschaft und die Bundesländer, die stark vom Tourismus abhängig sind, sprechen sich gegen eine Neuregelung aus: „Ein zu enger Ferienkorridor in ganz Deutschland könnte negative Auswirkungen auf den für unser Land so wichtigen Tourismus haben, wenn die Saison dadurch deutlich kürzer würde“, gab ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Bildungsministeriums zu bedenken. Und der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft betont, dass jeder Tag, um den der Sommerferienkorridor gekürzt würde, für mehr Staus, vollere Flugzeuge, überfülltere Strände und mehr ausgebuchte Hotels sorgen würde.

Die Kultusministerkonferenz hat jetzt erst einmal beschlossen, „ergebnisoffene Vorschläge" und einen möglichen Zeitplan zur langfristigen Sommerferienregelung für die Jahre 2025 bis 2030 erarbeiten zu lassen. Entschieden werden soll dann auf einer Sitzung der Kultusminister im Dezember 2020.








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