Streamingdienste könnten traditionelles Fernsehen verdrängen | Wirtschaft | DW | 07.05.2019
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Mediennutzung

Streamingdienste könnten traditionelles Fernsehen verdrängen

Netflix, Amazon, Sky und Co werden immer beliebter. Wer sich einmal an kostenpflichtige Streamingdienste gewöhnt hat, kehrt dem herkömmlichen Fernsehen sehr schnell den Rücken. Das geht aus einer neuen Studie hervor.

Traditionelle Fernsehsender müssen sich Sorgen machen. Laut einer weltweiten Umfrage der Unternehmensberatung Simon-Kucher in elf Ländern sinkt das Interesse am gewohnten TV-Angebot dramatisch.

"Über zwei Drittel der Befragten haben durch die Bank weg gesagt, Streaming ersetze für sie das traditionelle TV beziehungsweise das lineare Fernsehen", sagt Lisa Jäger, Medienexpertin bei Simon-Kucher im DW-Gespräch. Vor allem jüngere Menschen seien dieser Meinung, doch auch mehr und mehr ältere Fernsehzuschauer wechselten das Angebot. "Diejenigen, die einmal gelernt haben, wie das Streaming funktioniert, sagen, 'normales' Fernsehen bräuchten sie eigentlich gar nicht mehr", so Jäger.

Streaminganbieter mit steiler Wachstumskurve

Zwar räumt die Expertin ein, dass ihre Umfrage nicht repräsentativ sei, denn befragt wurden vor allem Streaming-affine Nutzer. Doch es werde eindeutig ein Trend gegen das traditionelle TV sichtbar. "Man braucht sich nur die steile Wachstumskurve der Streaming-Anbieter anschauen", so Jäger. Immer mehr Menschen probieren das Streaming aus und blieben dann dabei. "Wer es einmal genutzt hat, erkennt einen deutlichen Mehrwert."

Infografik Streaming will replace linear TV EN

Laut Simon-Kucher-Angaben nutzten im vergangenen Jahr 1,02 Milliarden Menschen TV-Streamingdienste. Bis 2023 soll dieser Wert auf 1,24 Milliarden steigen. Das spiegelt auch die Umfrage wider - im Länderdurchschnitt stimmten knapp 75 Prozent der Streaming-affinen Befragten der Aussage zu, Streaming ersetze bei ihnen traditionelles Fernsehen. Besonders konsequent sind hier Singapur (95 Prozent), Mexiko (88 Prozent) und die USA (84 Prozent).

Die Mehrheit dieser Nutzer ist inzwischen sogar zu der Überzeugung gelangt, "traditionelles Fernsehen ist für mich nicht relevant" (siehe Grafik).

Wichtig ist ein "fairer" Preis

"In Ländern mit geringem oder wenig attraktivem öffentlich-rechtlichen TV-Angebot werden Streaming-Dienste besonders gerne genutzt", sagt Jäger. "Da Nutzer länderübergreifend Werbeeinblendungen ablehnen, nutzen sie statt privater, werbefinanzierter Fernsehsender lieber Video-Streaming."

Auch herrschte laut Studie überwiegend Einigkeit darüber, wie tief die Kundschaft in die Tasche zu greifen bereit sei: Einen monatlichen Preis für das Angebot von circa zehn Euro empfanden viele Nutzer als fair; lediglich in den lateinamerikanischen Ländern war die Zahlungsbereitschaft geringfügig niedriger.

Chancen für weitere Anbieter

Beraterin Lisa Jäger (Simon-Kucher & Partners)

Lisa Jäger (Simon-Kucher & Partners)

Erfreulich für neue Streaming Anbieter wie Apple TV Plus, das der US-Gigant Apple Ende März vorgestellt hat: Die Kundschaft von Netflix, Amazon und Co ist laut Studie bereit, ihr Medien-Budget für weitere Angebote zu erhöhen. Eine Kannibalisierung der Wettbewerber untereinander sei bislang nicht in Sicht, sagt Expertin Jäger. "Das sind gute Nachrichten für die Branche, obwohl der Konkurrenzdruck zwischen verschiedenen Streaming-Anbietern etwa in Europa und den USA viel stärker ist."

Spannend werde es auch, wenn diesen Herbst mit dem Streaming-Angebot Disney Plus ein weiterer großer Player aus den USA im Markt auftrete. "Wenngleich sich das Disney Plus-Angebot inhaltlich an ein anderes Publikum richten dürfte als an den typischen Netflix-Kunden, ist nicht auszuschließen, dass es dann doch zu einem Verdrängungswettbewerb kommt."

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