Stimmung in Chemnitz bleibt hochagressiv | Aktuell Deutschland | DW | 27.08.2018
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Deutschland

Stimmung in Chemnitz bleibt hochagressiv

In der sächsischen Stadt versuchte die Polizei, rechte und linke Demonstranten auseinanderzuhalten. Dennoch gab es mehrere Verletzte. Auslöser der Kundgebungen ist der Tod eines Deutschen, der durch Messerstiche starb.

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Aufgeheizte Lage und Demonstrationen: Susann Reichenbach aus Chemnitz

Nachdem am Wochenende am Rande eines Stadtfestes in der sächsischen Stadt ein 35-jähriger Deutscher getötet und zwei weitere verletzt worden waren, ist die Lage in Chemnitz weiter aufgeheizt. Demonstrationen prägten bis in den Abend hinein das Stadtbild. 

Zu den Protesten aufgerufen hatten die rechtspopulistische Bürgerbewegung "Pro Chemnitz" und linke Gruppen wie "Chemnitz nazifrei". Ein Großaufgebot von Polizei und Bereitschaftspolizei versuchte, die gegnerischen Lager auseinanderzuhalten. Inzwischen sind die Proteste beendet. 

Polizei bringt Wasserwerfer in Position

Der Versuch, rechts- und linksgerichtete Demonstranten konsequent zu trennen, gelang nicht immer. Nach Polizeiangaben gab es mehrere Verletzte. Sie hätten zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden müssen, nachdem Kundgebungsteilnehmer beider Versammlungslager mit "Feuerwerkskörpern und anderen Gegenständen" geworfen hätten. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

"Nein zu Rassismus und Gewalt"

Kurz nach einer Kundgebung gegen rechte Gewalt im Stadtpark von Chemnitz waren am frühen Abend Hunderte Demonstranten in Richtung einer Kundgebung der rechten Szene auf die gegenüberliegende Straßenseite marschiert. Dort skandierten sie unter dem Kundgebungsmotto "Nein zu Rassismus und Gewalt" Parolen wie "Nationalismus raus aus den Köpfen" und "Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda".

Video ansehen 03:58

Polizei in Chemnitz überrumpelt? Gespräch mit Anna Tschöpe

In Sicht- und Hörweite hatten rechte Gruppierungen am Karl-Marx-Monument eine Kundgebung beantragt. Geschätzt 1000 Menschen hatten sich dort versammelt. Von den rechten Demonstranten wurden Rufe wie "Lügenpresse!" oder "Wir sind lauter, wir sind mehr!" skandiert. Teilnehmer der rechtsextremistischen Splitterpartei "III. Weg" hielten Plakate hoch. Unter anderem war zu lesen: "Asylflut stoppen!". Andere Demoteilnehmer schwenkten Deutschlandfahnen.

Chemnitz Demonstration (picture-alliance/dpa/J. Meyer)

Rechte Demonstranten in Chemnitz

Die rechte Szene hatte zusätzlich zu ihrer Kundgebung auch eine Demonstration durch die Innenstadt beantragt. "Wir hatten keine Handhabe, den Marsch durch die Stadt zu untersagen", sagte Miko Runkel, Ordnungsbürgermeister von Chemnitz. Es seien aber entsprechende Auflagen erteilt worden. Details nannte er nicht.

Landesregierung versucht, Stimmung zu beruhigen

Vor den Kundgebungen und Demonstrationen in Chemnitz hatten Politiker zu Ruhe und Besonnenheit aufgerufen. "Ich kann uns alle nur bitten, besonnen und ruhig zu bleiben, Ermittlungsergebnisse abzuwarten und dann entsprechende Konsequenzen zu ziehen", sagte Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU). Er bezeichnete die Geschehnisse vom Sonntag als "neue Dimension der Eskalation". Man werde Gewaltbereiten und Chaoten nicht die Straße überlassen, sondern den Rechtsstaat durchsetzen, sagte Wöller in Chemnitz. Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) sagte, Selbstjustiz, Mutmaßungen und Gerüchtemacherei seien nach der tödlichen Attacke fehl am Platz. Das Gewaltmonopol liege beim Staat.

qu/rb/haz/se (dpa, afp, mdr)

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