Steinmeier würdigt ″Völker der Welt″-Rede | Deutschland | DW | 09.09.2018
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Jahrestag

Steinmeier würdigt "Völker der Welt"-Rede

Vor 70 Jahren hat Berlins Oberbürgermeister Ernst Reuter eindringlich an die Verantwortung der Weltgemeinschaft appelliert. Seine Rede und seine Haltung habe auch heute noch Vorbildcharakter, sagt der Bundespräsident.

Deutschland Berlin Gedenken an Rede Ernst Reuters an die „Völker der Welt“ (picture-alliance/dpa/C. Soeder)

Von Ernst Reuter könne man lernen, wo Unfreiheit beginnt und wie man die Freiheit verteidigt, sagte Steinmeier

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den einstigen Berliner Oberbürgermeister Ernst Reuter als "unerschrockenen Wegbereiter der Demokratie in Deutschland" geehrt. Nur drei Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft habe ein deutscher Politiker die Weltgemeinschaft aufgefordert, "die Berliner, mehr noch, die Deutschen nicht preiszugeben, sich an ihre Seite zu stellen, ihre Freiheit zu verteidigen", sagte Steinmeier bei einer Feierstunde in Berlin. 

Wegbereiter der Demokratie

"Ihr Völker der Welt (...) schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft, nicht preisgeben könnt." Am 9. September 1948 hatte Ernst Reuter während der Berlin-Blockade der Sowjetunion vor mehr als 300.000 Menschen auf den Stufen des Reichstags gesprochen. Mit seinen bewegenden Worten half der SPD-Oberbürgermeister, dass die Luftbrücke gegen anfängliche Bedenken der Alliierten durchgesetzt wurde.

Mit seiner Rede und seiner politischen Arbeit habe Reuter zum Aufbau der Demokratie in Deutschland beigetragen, sagte Bundespräsident Steinmeier. Außerdem habe er sich nach der Spaltung Deutschlands für die Gründung eines eigenen westdeutschen Staates ausgesprochen - und sich damit gegen engste Weggefährten gestellt. "Ein Einzelner in einem Meer von Hunderttausenden zerlumpten, hungernden Berlinern, ein Mensch und Politiker, dessen Integrität über jeden Zweifel erhaben war - Reuter machte den Unterschied", sagte Steinmeier und würdigte dessen "Mut zur Demokratie". Damit sei Reuter einer der wichtigsten Wegbereiter des Grundgesetzes gewesen.

Deutschland Berlin Ernst Reuter während Rede 1948 (picture-alliance/akg-images)

Der ehemalige Berliner Bürgermeister Ernst Reuter richtet sich 1948 vor 300.000 Menschen an die "Völker der Welt"

Deutschland als Ort der Hoffnung

Aus dem Deutschland, von dem zu Reuters Lebzeiten Verfolgung und Gewalt ausgegangen sei, sei nun "ein Land geworden, das für viele politisch verfolgte Menschen ein Ort der Hoffnung ist", sagte Steinmeier weiter. "Ich finde, das ist eine erstaunliche, eine beglückende Entwicklung." Im Dritten Reich war auch Ernst Reuter von den Nazis verfolgt und in ein Konzentrationslager deportiert worden. Er kam wieder frei und floh über Großbritannien in die Türkei. So wie Reuter dort Zuflucht fand, würden heute viele Türken nach Deutschland kommen, um Schutz vor politischen Repressalien zu suchen. "Ich glaube, Ernst Reuter wäre froh darüber", fügte Steinmeier hinzu.

pgr/mak (afp, dpa)

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